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01.08.16
Banking & Berater

Deutscher M&A-Markt so schwach wie seit 2010 nicht

Im ersten Halbjahr gab es in Deutschland so wenig M&A-Aktivität wie zuletzt vor sechs Jahren. Da half auch das Interesse aus China wenig.

Das Volumen von M&A-Deals mit deutschen Unternehmen ist in der ersten Hälfte des laufenden Jahres auf 39,5 Milliarden US-Dollar gesunken. Das sind 5 Prozent weniger als im Jahr zuvor, wie aus Zahlen des Datendienstleisters Dealogic hervorgeht. Es ist das geringste Volumen seit 2010 – damals lag der Wert bei 32,8 Milliarden Dollar.

Nun liegt die Vermutung nahe, dass in der ersten Jahreshälfte die großen Deals gefehlt haben. Das ist aber nicht der Fall. So wurde Voith seine Beteiligung an Kuka für 1,2 Milliarden Euro an den chinesischen Konzern Midea los. Der Übernahme des Roboterherstellers durch die Chinesen hatte einen Gesamtwert von umgerechnet 4,8 Milliarden US-Dollar. Vattenfall verkaufte sein deutsches Braunkohle-Geschäft für 3,8 Milliarden Dollar an den tschechischen Investor EPH. Und auch die Übernahmen von Dematic durch Kion und von Chemetall durch BASF übertrafen die 3-Milliarden-Dollar-Grenze. 

Warum schwächelt der M&A-Markt so?

Das lenkt den Blick auf den schwachen Midmarket. Dealogic weist die Deals nicht nach Größenklassen aus. Zahlen vom Wettbewerber Reuters zeigen aber, dass das Volumen von Übernahmen deutscher Firmen im Wert von bis zu 500 Millionen US-Dollar mit 13,1 Milliarden Dollar deutlich niedriger als im ersten Halbjahr 2015 war. Damals wurden im Midmarket M&A-Deals in einer Gesamtsumme von 16,5 Milliarden Dollar gemacht.   

Warum aber schwächelt der Markt für Fusionen und Übernahmen mittelgroßer Unternehmen derart? Ein Grund ist die Tatsache, dass es wenige so genannte Primaries gibt – Firmen, die von ihren ersten Eigentümern zum Verkauf gestellt werden.

Deutsche Familienunternehmer waren schon immer sehr zögerlich, wenn es darum geht, die Mehrheit abzugeben. Das ist in den letzten Jahren noch schlimmer geworden, schätzt ein M&A-Berater. „Erstens fehlen den Besitzern im Niedrigzinsumfeld rentable Alternativen. Zweitens läuft es für deutsche Firmen gut. Beides zusammen führt dazu, dass Familienunternehmer oft selbst dann an ihrem Besitz festhalten, wenn sie aus dem operativen Geschäft aussteigen wollen und keinen Nachfolger haben.“

Private-Equity-Investoren haben ihre M&A-Deals schon gemacht

Ein zweiter Faktor, den der Insider vermutet: Private-Equity-Investoren, die ein Portfoliounternehmen verkaufen wollten, haben das schon im vergangenen Jahr getan. „Die Bedingungen für einen Verkauf waren 2015 perfekt – von der Finanzierung bis zu den Unternehmensbewertungen.“ Die Folge: Jetzt haben die Investoren keinen Druck mehr, Assets loszuwerden.

Das hohe Preisniveau tut sein übriges. „Für gute Unternehmen sind Käufer bereit, hohe Multiples hinzulegen“, sagt der M&A-Berater. „Mittelmäßige Firmen aber bleiben liegen, weil sie gemeinhin als überteuert betrachtet werden.“

Oft wurde in den vergangenen Monaten angesichts des Booms chinesischer Zukäufe in Deutschland vor dem Ausverkauf hiesiger Technologie gewarnt. Die deutsche M&A-Branche aber dürfte sich über den Impuls freuen, den Käufer aus dem Reich der Mitte dem Markt geben.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de