Das Debt Advisory von Goetzpartners macht sich selbständig: Wie FINANCE exklusiv erfahren hat, gründet Philipp Widmaier, bislang Leiter des Geschäftsbereichs bei der Corporate-Finance-Beratung, eine neue Boutique namens Debt Advisory Partners. Mit dieser will er Finanzierungsberatung für Private Equity und Corporates anbieten.
Widmaier nimmt Debt-Advisory-Team von Goetzpartners mit
Widmaier geht nicht allein: Ihm folgt fast sein gesamtes Team. Um wen es sich konkret handelt, wollte der Berater auf Nachfrage von FINANCE nicht preisgeben. Er verriet lediglich die Struktur des vierköpfigen Teams: Er selbst wird Managing Partner bei Debt Advisory Partners und arbeitet künftig mit einem Director und zwei Associate Directors zusammen.
Bei seinen Wegbegleitern dürfte es sich um Director André Lerchenmüller, Associate Director Alexander Rabel sowie den erst im Juli bei Goetzpartners gestarteten Martin Kaufmann, ebenfalls Associate Director, handeln. Der Goetzpartners-Director Marius Wolter wechselt hingegen zum Big-Four-Haus Deloitte und wird dort Director Debt Advisory. Director Sebastian Achleitner wird indes Leiter des Frankfurter Büros von Marlborough Partners.
„Zum Start bleiben wir bei dieser Senior-lastigen Aufstellung“, sagt Widmaier im Gespräch mit FINANCE. Künftig kann er sich aber auch vorstellen, Analysten und Associates einzustellen.

Darum wagt Widmaier den Schritt in die Selbständigkeit
Der Sprung in die Selbständigkeit des Debt-Advisory-Teams kommt für Goetzpartners zur Unzeit, denn im Unternehmen herrscht Unruhe. Die beiden Managing Partner Stephan Goetz und Stefan Sanktjohanser sitzen immer noch in Untersuchungshaft.
„Ich habe mich schon länger damit beschäftigt, mich selbständig zu machen. Jetzt habe ich die Chance ergriffen.“
Philipp Widmaier über seinen Schritt in die Selbständigkeit
Die Frage danach, ob die aktuellen Unsicherheiten und juristischen Themen bei seinem Arbeitgeber für den Schritt in die Selbständigkeit gesorgt haben, beantwortet Widmaier diplomatisch: „Ich habe mich schon länger damit beschäftigt, mich selbständig zu machen. Jetzt habe ich die Chance ergriffen, die sich mir geboten hat.“
Schließt Goetzpartners das Kapitel Debt Advisory ab?
Wie geht es mit dem Thema Debt Advisory bei Goetzpartners weiter? Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Corporate-Finance-Beratung den Bereich perspektivisch wieder aufbauen wird. „Aber das wird sicherlich eine ganze Weile dauern“, vermutet ein Berater, der namentlich nicht genannt werden möchte.
„Goetzpartners wird auch weiterhin Debt-Advisory-Services anbieten und das Team wird an den nötigen Stellen aufgestockt. In der Zwischenzeit betreuen erfahrene Corporate-Finance- Kollegen und -Kolleginnen aus dem weiteren Team wie gewohnt die Kunden“, bestätigt Goetzpartners auf Nachfrage von FINANCE die Vermutungen im Markt. Die aktuellen Teamveränderungen seien nicht überraschend gekommen, sodass für den Übergang rechtzeitig alle nötigen Vorkehrungen getroffen werden konnten. „Goetzpartners steht Kunden auch in Zukunft mit umfassenden Corporate-Finance-Leistungen in hoher Qualität zur Seite“, betont das Haus.
Bisherige Mandanten von Goetzpartners müssen sich aber nicht um die Fertigstellung ihrer Projekte sorgen, denn Widmaier und sein Team übernehmen diese teilweise. Um wie viele Projekte es konkret geht, wollte Widmaier auf Nachfrage von FINANCE nicht bekanntgeben. „Wir haben viele treue Kunden, die wir seit Jahren begleiten – und wollen diese Basis nutzen, um auch unter neuer Flagge zusammenzuarbeiten“, sagt Widmaier lediglich.
Das ist der Beratungsfokus von Debt Advisory Partners
Bei neuen Transaktionen soll die Ausrichtung von Debt Advisory Partners unverändert zu dem bleiben, was Widmaier unter der Flagge Goetzpartners machte: Wie auch zuvor schon will das Team Finanzierungen für Unternehmen ab 5 Millionen Euro Ebitda (operativer Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) und bis etwa 150 Millionen Euro Ebitda begleiten. Damit agiert Debt Advisory Partners im klassischen Midmarket.
Darüber hinaus will Debt Advisory Partners in zwei Nischen vorstoßen, die das Team bereits von Goetzpartners kennt: Special Situations und Growth Financing. So hat Widmaier bei seinem vorherigen Arbeitgeber auch bei Holdco-Loan- oder ARR-Finanzierungen (Annual Recurring Revenue) sowie bei der Suche nach frischem Kapital für Restrukturierungsfälle beraten. „Wir scheuen uns nicht vor komplexen Deals“, betont Widmaier.
So will sich Debt Advisory Partners differenzieren
Fakt ist aber auch: Der Markt hat nicht auf einen weiteren Debt Advisor gewartet. Wie wollen sich Widmaier und sein Team in dem Segment behaupten, in dem Spieler wie Houlihan Lokey, Lincoln, Carlsquare oder auch Herter & Co bereits (mit unterschiedlichem Fokus und Erfolg) mitmischen?
Der Finanzierungsberater will mit qualitativ hochwertiger Arbeit, einer Hands-on-Mentalität sowie einem klaren Bekenntnis zum Mandanten und zum Projekt punkten. „Wir verstehen uns immer als Teil des Deal-Teams und sind auch nicht gleich gestresst, wenn es mal etwas komplizierter wird“, ergänzt Widmaier. Darüber hinaus sei ihm die Ausbildung seiner Mitarbeiter sehr wichtig. Inwieweit die Punkte auch bei Kunden verfangen, wird sich zeigen müssen.
Widmaier ist jedenfalls davon überzeugt, dass auch Debt Advisory Partners ein Stück vom Kuchen bekommen kann: „Das Produkt Debt Advisory kommt immer weiter im deutschen Markt, und dort vor allem auch bei Unternehmen ohne Private-Equity-Hintergrund, an. Ich bin davon überzeugt, dass der Markt in den nächsten Jahren stetig wachsen und der Bedarf nach Finanzierungsberatung steigen wird.“
Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE sowie Chefin vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.
