Die Vereinigung Deutscher M&A-Berater mit Sitz in Frankfurt kommt auch beim zweiten Mal nicht richtig in Fahrt.

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29.07.16
Banking & Berater

Mitgliederrochade bei Vereinigung der M&A-Berater

Auch der zweite Versuch, in Deutschland einen Verband für M&A-Berater zu gründen, kommt nicht richtig in Schwung. Mehrere Gründungsmitglieder sind bereits wieder abgesprungen.

Die Vereinigung Deutscher M&A-Berater (VMA) muss kurz nach dem Start ihre Ambitionen zurückschrauben: Der vor rund anderthalb Jahren wieder aktivierte Verband, der ursprünglich bis zum Ende dieses Jahres einen ehrgeizigen Wachstumsprozess durchlaufen wollte, stagniert bei fünf Mitgliedern.

Die ersten achtzehn Monate brachten der VMA schon eine große Mitgliederrochade: Von den ursprünglich fünf Mitgliedern, die den ursprünglich 2007 gegründeten Verband vor anderthalb Jahren wiederbelebt haben, sind inzwischen nur noch Markus Partners und Perspektiv dabei. Die am Start beteiligten M&A-Beratungshäuser C. H. Reynolds Corporate Finance, Hübner Schlösser & Cie sowie Angermann M&A International sind inzwischen aus dem Verband ausgetreten. Während diese größeren Häuser die VMA verlassen haben, sind die Boutiquen, die neu hinzu kamen, kleiner: Neu an Bord sind Delphi Advisors, Mayerhöfer & Co sowie Proventis Partners.

M&A-Berater der VMA schrauben Mitgliederziele herunter

Damit hat die VMA nach wie vor fünf Mitglieder. Die Ziele zum Start  vor anderthalb Jahren waren größer: Bis Ende 2016 sollten 15 bis 20 Beratungshäuser der VMA angehören, sagte damals VMA-Vorstand Rolf Köchling gegenüber FINANCE. Von dieser Marke rückt der Verbund inzwischen ab:  „Es werden noch einige M&A-Berater hinzukommen, aber wir werden zum Jahresende wohl keine 15 Mitgliedshäuser haben“, sagt Bernhard Rittel, Partner der M&A-Beratung Markus Partners, deren Partner Rolf Köchling derzeit den Vorsitz der VMA inne hat.

Für die VMA ist es schon der zweite Anlauf. Beim ersten Mal entzweiten sich die Mitglieder des Verbands über eine Grundsatzfrage: Sollte der Verband möglichst schnell wachsen, um eine breite Marktmasse abzubilden? Oder sollte man sich als exklusiver Zirkel ausgewählter M&A-Berater aufstellen? Rittel zufolge geht es der VMA nicht darum, sehr schnell sehr groß zu werden: „Die Mitglieder müssen qualitativ gute Arbeit leisten, unabhängig davon, wie viele Professionals sie beschäftigen.“ Auch sollten sie bereit sein, Aufgaben in der VMA zu übernehmen. „Die Arbeit für den Verband läuft ehrenamtlich neben dem Tagesgeschäft“, erklärt Rittel. Dies sei auch ein Grund dafür, dass die VMA langsamer wachse als zunächst gedacht.

Brauchen M&A-Berater einen eigenen Verband?

Aus Branchenkreisen ist allerdings auch zu hören, dass die Debatte über Art und Anzahl der Mitgliedsunternehmen den VMA auch beim zweiten Startversuch wieder eingeholt hat. Manche M&A-Häuser sehen auch schlichtweg keinen Bedarf nach einem Verband für M&A-Berater. Letztlich, so sagen kritische M&A-Berater, gebe es wenig übergreifende Lobbyinteressen, die ein Verband adressieren könne.

Bei der VMA sieht man dies naturgemäß anders. Während einige M&A-Beratungshäuser sich über internationale Allianzen gegenseitig unterstützen, sieht Rittel angesichts der vielen Umbrüche, die den Markt der M&A-Berater derzeit bewegen, auch eine Daseinsberechtigung für die VMA: „Wir sind ein Netzwerk unabhängiger Beratungshäuser, die sich unterstützen, wo es sich anbietet. Die Vereinigung ist auch eine kleine Antwort auf die Fusionen und Verkäufe von M&A-Boutiquen.“ Das Fusionskarussel ist in den vergangenen Monaten gehörig in Schwung geraten, vor allem kleinere deutsche M&A-Berater wurden zum Zukaufsziel.

Große Beraterallianzen wie etwa M&A International haben allerdings den Vorteil, dass sie vorwiegend bei grenzüberschreitenden Transaktionen kooperieren und meist nur ein Beratungshaus pro Mitgliedsland zulassen. Wettbewerbssituationen innerhalb desselben Marktes werden dadurch vermieden. Die VMA wird versuchen müssen, derlei Konflikte zu umgehen. Rittel setzt dabei auf die Schwerpunkte der Mitglieder: „Wir wollen mit verschiedenen Mitgliedern unterschiedliches Spezialwissen abdecken, dass sich dann sinnvoll ergänzt“, sagt er. Die Reaktion der potentiellen Mandanten wird zeigen, ob die Unternehmenskunden das Konzept der VMA annehmen.
 
sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

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