Deloitte

04.03.16
Banking & Berater

Deloitte verliert letztes Dax-Mandat

Mit dem Abstieg von K+S verliert Deloitte sein letztes Dax30-Mandat. Damit liegt die Wirtschaftsprüfung weit abgeschlagen hinter KPMG, PwC und EY. Kann Deloitte jetzt noch Konzerne als Kunden gewinnen?

Im Wettlauf der Big Four um die begehrten Dax-Kunden muss Deloitte eine Niederlage einstecken: Weil der Salz- und Düngehersteller K+S in den MDax absteigt, verliert die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ihr einziges Mandat unter Deutschlands 30 größten Konzernen.

Die WP-Gesellschaft, deren Stärke im Mittelstand liegt, versucht schon seit Jahren, den Anteil Ihrer Prüfmandate im Dax auszubauen. Deloitte zählt in Deutschland zwar zu den Big Four, ist mit einem Umsatz von 790 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2014 aber weit abgeschlagen hinter KPMG (1,51 Milliarden Euro), Ernst & Young (1,53 Milliarden Euro Euro) und PwC (1,65 Milliarden Euro). Jetzt könnte Deloitte es noch schwerer haben, sich im Prüfgeschäft als einer der Marktführer zu präsentieren.

Die Prüfung der Dax-Unternehmen gilt als anspruchsvoll. Im Kampf um neue Mandate haben erfahrungsgemäß die Gesellschaften die besten Chancen, die schon Großkunden betreuen. Die anderen großen WP-Gesellschaften haben in dieser Hinsicht wesentlich mehr vorzuweisen als Deloitte: EY prüft derzeit drei Konzerne, PwC zehn. Der Marktführer KPMG wächst jetzt auf 17, denn mit dem Abstieg von K+S ist ProSiebenSat.1 in den Dax aufgestiegen. Der Medienkonzern wird von KPMG geprüft. 

Deloitte muss jetzt zeigen, was es drauf hat

Gerade jetzt ist ein guter Ruf für Deloitte zentral, denn alle vier WP-Gesellschaften müssen zeigen, wer im neu entbrannten Kampf um die Prüfmandate die Nase vorne hat. Die von der EU beschlossene Rotationspflicht für Wirtschaftsprüfer, die die jahrzehntealten Strukturen aufbrechen soll, zwingt die Big Four dazu, ihre bisherigen Mandate abzugeben und sich neue zu suchen. Der Verlust des letzten Dax-Mandates kommt daher für Deloitte zu einem ungünstigen Zeitpunkt, auch wenn der auslösende Faktor außerhalb des Einflussbereichs des Dienstleisters liegt.

Allerdings hat Deloitte noch ein Ass im Ärmel: Im Dezember wurde bekannt, dass Deloitte den Kampf um das Prüfmandat des damals höchstbewerteten Dax-Konzerns Bayer gewonnen hat. Dieser überraschende Erfolg dürfte Deloitte als Prüfer attraktiver für andere Konzerne gemacht haben. Den Job antreten wird Deloitte aber voraussichtlich erst zum Jahresabschluss 2017. Aktuell sieht es so aus, dass die Münchener WP-Gesellschaft bis dahin ohne Prüfmandat aus dem Dax dastehen wird.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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