Historischer Einschnitt bei der Deutschen Bank: Seit 1956 prüfte PwC die Bilanzen, jetzt hat sich EY das vielleicht begehrteste Prüfmandat im ganzen Dax gesichert.

Deutsche Bank

29.10.18
Banking & Berater

EY ergattert Deutsche-Bank-Mandat

Seit über 60 Jahren prüft KPMG die Deutsche Bank, jetzt übernimmt EY das Mandat. Die Deutsche Bank zahlt das mit Abstand höchste Honorar im Dax.

Die Deutsche Bank bekommt einen neuen Wirtschaftsprüfer: Ab dem Geschäftsjahr 2020 wird voraussichtlich EY (Ernst & Young) die Bilanzen des Finanzinstituts prüfen. Der Aufsichtsrat hat sich dazu entschlossen, EY als Konzernprüfer vorzuschlagen, gab die Deutsche Bank bekannt. Jetzt muss der Vorschlag noch von der Hauptversammlung bestätigt werden, was in aller Regel aber Formsache ist.

Der Prüferwechsel hat historische Dimensionen: Der bisherige Abschlussprüfer KPMG testiert schon seit dem Jahr 1956 die Bilanzen der Deutschen Bank. Grund für den Wechsel ist die verpflichtende Abschlussprüferrotation, die Finanzinstitute dazu zwingt, alle zehn Jahre einen neuen Wirtschaftsprüfer zu wählen. EY wird das Mandat also nur bis maximal 2030 behalten dürfen.

Ausgeschrieben hatte die Deutsche Bank das Mandat im Februar. Am Ende lieferten sich PwC und EY ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Eine Wahl von PwC wäre aber möglicherweise heikel gewesen, denn seit August sitzt Ex-PwC-Chef Norbert Winkeljohann im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Kritiker warnten, Winkeljohann könnte trotz fehlenden Stimmrechts in dieser Frage informellen Einfluss auf die Entscheidung nehmen, was dieser bestritt.

EY prüft auch die Commerzbank

EY hatte beim Kampf um die Deutsche Bank gute Karten. Vor eineinhalb Jahren hat das Big-Four-Haus schon das Prüfmandat bei der Commerzbank ergattert. Zweifellos besitzt EY die nötige Expertise für die Prüfung von Bankbilanzen. Wegen der strengen Regulierungsvorschriften gilt die Prüfung von Banken als besonders anspruchsvoll.

Zwei Aspekte machen für EY den Erfolg bei der Deutschen Bank zu einem besonders wichtigen: Zum einen wird EY als Konzernprüfer vorgeschlagen. Die Eschborner dürfen also auch die Tochtergesellschaften der Deutschen Bank prüfen. Das ist keineswegs selbstverständlich, denn im Zuge der Prüferrotation müssen alle EU-Töchter ein eigenständiges Auswahlverfahren durchführen. Die Mutter darf nicht bestimmen, wer gewählt wird, auch wenn es in ihrem Interesse liegt, dass der Prüfer konzernweit möglichst einheitlich ist.

Zum anderen ist das Prüfmandat der Deutschen Bank besonders lukrativ: Die Deutsche Bank hat in der Vergangenheit unter allen Dax-Konzernen die mit Abstand höchsten Honorare an ihre Wirtschaftsprüfer gezahlt. Im Geschäftsjahr 2017 waren es 73 Millionen Euro.

Mit der Deutschen Bank wird EY künftig vier Dax-Unternehmen prüfen: Beiersdorf, Siemens, Heidelberg Cement und Wirecard. Die Commerzbank ist seit September nicht mehr im Dax vertreten.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

Prüferwechsel, Geschäftszahlen, Übernahmen: Alles Wichtige aus der Welt der großen Wirtschaftsprüfer finden Sie auf unserer FINANCE-Themenseite zu den Big Four