Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben ihren Abschlussprüfern mit die höchsten Honorare im Dax gezahlt. Beide Banken werden aber bald den Prüfer wechseln.

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15.08.18
Banking & Berater

So viel bezahlt der Dax den Big Four

2017 war ein gutes Jahr für die Big Four, viele Dax-Konzerne haben ihre Honorarzahlungen aufgestockt. Eine FINANCE-Analyse zeigt, dass KPMG zwar erneut die mit Abstand höchste Summe zugeflossen ist. Doch die Trendwende ist nicht mehr aufzuhalten.

Noch nie war es für die Big Four KPMG, PwC, Deloitte und EY (Ernst & Young) so wichtig, an neue Prüfmandate heranzukommen. Die verpflichtende Abschlussprüferrotation setzt sie unter Druck, neue Kunden zu finden, die den Wegfall bestehender Prüfmandate kompensieren können.

Besonders begehrt sind dabei die Dax-Mandate, die nicht nur eine wichtige Signalwirkung nach Außen haben, sondern in der Regel auch noch die höchsten Honorare mit sich bringen. Wer im vergangenen Jahr die höchsten Honorare aus den Dax30-Konzernen bekommen hat und wem durch die Prüferrotation die größten Einbußen drohen, zeigt eine Analyse der Geschäftsberichte 2017, in denen die an die Wirtschaftsprüfer gezahlten Honorare ausgewiesen werden müssen.

KPMG hat die drei bestbezahlten Mandate

Das mit Abstand höchste Honorar im Dax hat wie in den Vorjahren auch KPMG erhalten: Die Deutsche Bank hat KPMG für alle konzernweit erbrachten Leistungen 73 Millionen Euro überwiesen. Davon gehen 51 Millionen Euro auf die Prüfung des Konzernabschlusses, 18 Millionen Euro auf prüfungsnahe Dienstleistungen und 4 Millionen Euro auf Steuerberatung zurück.

Im Vorjahr hatte die Deutsche Bank KPMG mit 82 Millionen Euro aber noch deutlich mehr gezahlt, was vor allem an der Beratung zur Umsetzung des neuen Bilanzierungsstandards IFRS 9 lag. Zudem kann KPMG das Honorar des Finanzinstituts nicht mehr lange fest einkalkulieren: Die Bank hat das Prüfmandat ab 2020 neu ausgeschrieben.

Auch das am zweithöchsten bezahlte Mandat hatte 2017 KPMG: Daimler hat der Big-Four-Gesellschaft insgesamt 60 Millionen Euro gezahlt, rund 7 Millionen mehr als im Vorjahr. 44 Millionen Euro wurden für die Prüfung des Konzernabschlusses überwiesen. Und auch das dritthöchste Dax-Honorar ging an KPMG: Für seine konzernweiten Dienstleistungen hat der Prüfer rund 58 Millionen Euro von der Allianz erhalten, 41 Millionen Euro für die Prüfung des Abschlusses.

Rund 11 Millionen Euro wurden für „sonstige Leistungen“ bezahlt, darunter fiel unter anderem die Ersteinführung von IFRS 9 und IFRS 17, die gerade bei Versicherungskonzernen recht aufwendig ist.

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KPMG gibt lukrative Mandate an PwC ab

Es war allerdings das vorerst letzte Mal, dass die Allianz KPMG für diese Leistungen bezahlt hat, denn ab 2018 übernimmt der Konkurrent PwC das gut bezahlte Mandat. KPMG verliert einen Kunden, den das WP-Haus insgesamt rund 130 Jahre lang ununterbrochen geprüft hat. Ob PwC künftig genauso viel von der Allianz kassieren wird wie KPMG, muss sich aber erst zeigen.

Zum einen kann es sein, dass die Allianz PwC als reinen Prüfer beschäftigen wird, während KPMG dem Konzern als Berater erhalten bleibt – dann würde das Honorar für PwC niedriger ausfallen. Zum anderen geht ein Prüferwechsel nach einem neuen Auswahlverfahren häufig auch mit einem sinkenden Honorar einher.

Und KPMG droht noch weitere Dax-Kunden zu verlieren: Zu den aktuellen Top-Mandanten zählen unter anderem BMW und Linde (Honorarvolumen jeweils 25 Millionen Euro), Fresenius (24 Millionen Euro), BASF (19 Millionen Euro), Munich Re (14 Millionen Euro), Henkel (13 Millionen Euro), Continental (11 Millionen Euro) sowie Merck und SAP (jeweils rund 10 Millionen Euro).

Aus dieser Reihe haben Henkel, Fresenius und Munich Re ihre Mandate ab 2020 neu ausgeschrieben, BMW sogar schon ab 2019. Dort steht der neue Prüfer schon fest: Wieder wird es der KPMG-Konkurrent PwC.

PwC mit Honorareinbruch im Dax

Insgesamt erhielt KPMG von seinen 16 Kunden aus dem Dax rund 357 Millionen Euro und ist damit  mit Abstand der Honorarkrösus im Dax. Die Einnahmen von KPMG aus dem Dax liegen noch weit über denen der Wettbewerber: PwC hat lediglich 175 Millionen Euro erhalten, deutlich weniger als im Vorjahr (230 Millionen Euro).  

Der Einbruch hat verschiedene Ursachen: Zum einen hatte PwC 2017 erstmals nicht mehr die Einnahmen aus dem Bayer-Mandat, weil der Pharmakonzern nun von Deloitte geprüft wird. Zudem sind andere Honorare merklich gesunken: So hat die Commerzbank PwC für ihre konzernweiten Leistungen nur noch 32 statt 46 Millionen Euro gezahlt. Vor allem das Honorar für „sonstige Leistungen“ sank. Woran das liegt, wollte die Commerzbank auf FINANCE-Anfrage nicht kommentieren. 

PwC wird Honorare von VW und Lufthansa verlieren

Auch von E.on hat PwC deutlich weniger erhalten: Statt 42 Millionen Euro im Vorjahr waren es diesmal nur 25 Millionen Euro. Der Grund dafür war der Verkauf von Uniper. Da PwC aber auch weiterhin Prüfer des nun eigenständigen Unternehmens geblieben ist, dürfte die Aufspaltung von E.on unter dem Strich für PwC keine großen Einbußen nach sich gezogen haben.

Zu den anderen großen PwC-Mandaten im Dax gehörte 2017 VW, wo PwC Deutschland 33 Millionen Euro kassierte (die Zahlungen für konzernweite Leistungen weist VW nicht aus). Das VW-Mandat wird ab 2020 neu vergeben. Ebenfalls vergleichsweise viel gezahlt haben RWE (24 Millionen Euro), die Deutsche Telekom und ThyssenKrupp (jeweils 18 Millionen Euro).

Die Deutsche Lufthansa hat PwC rund 10 Millionen Euro gezahlt. Sie hat das Mandat ab 2022 ausgeschrieben. Die diversen Mandatsverluste dürfte PwC aber ausgleichen können, sobald das Haus die oben genannten Mandate vom KPMG übernimmt.

Die Dax-Honorarsummen der Big Four auf einen Blick

1 KPMG

Klarer Anführer: KPMG mit rund 357 Millionen Euro

2 PwC

Hartnäckiger Verfolger: PwC mit 175 Millionen Euro

3 EY

Abgeschlagener Dritter: EY mit 56 Millionen Euro

4 Deloitte

Dax-Neueinsteiger: Deloitte mit 17 Millionen Euro

EY und Deloitte bleiben weit abgeschlagen

Immer noch weit abgeschlagen ist EY mit einem Honorar aus dem Dax in Höhe von 58 Millionen Euro. Die Haupteinnahmequelle ist Siemens mit einer Zahlung 57 Millionen Euro. Vor wenigen Tagen erst gab Siemens bekannt, EY nach einer Ausschreibung erneut zum Konzernprüfer wählen zu wollen – ein wichtiger Erfolg für das WP-Haus.  

Damit hat EY im besten Fall diese Einnahmen noch zehn weitere Jahre sicher. Wenn auch noch ab 2018 das Commerz-Bank-Mandat hinzukommt, dürfte das Big-Four-Haus sich dem Konkurrenten PwC langsam etwas nähern. Allerdings besteht das Risiko, dass die Commerzbank vorher in den MDax absteigt.

Erstmals seit langem hat 2017 auch Deloitte Prüfhonorare aus dem Dax bezogen: Bayer zahlte seinem neuen Prüfer insgesamt 17 Millionen Euro. Das ist allerdings sehr viel weniger, als Bayer seinem vorherigen Prüfer PwC gezahlt hat.  

Auf FINANCE-Anfrage begründete das ein Bayer-Sprecher damit, dass die Anzahl der konsolidierten Unternehmen im vergangenen Jahr gesunken ist. Zudem ist die Ex-Bayer-Sparte Covestro inzwischen ein eigenständiger Konzern geworden. Durch die unmittelbar bevorstehende Übernahme von Monsanto erwartet der Konzern aber wieder einen Anstieg des Honorars für seinen Wirtschaftsprüfer Deloitte.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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