PwC prescht in der IT-Beratung vor und kauft Persicon.

PwC

19.08.16
Banking & Berater

PwC kauft IT-Berater Persicon

Der Wettlauf von PwC, KPMG, EY und Deloitte um die Umsätze im Beratungsgeschäft geht in die nächste Runde: PwC hat den IT-Berater Persicon gekauft. Es ist nicht der erste Zukauf in dem attraktiven Segment.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC hat die Berliner IT-Beratung Persicon gekauft. Damit baut PwC sein Beratungsgeschäft weiter aus. Persicon ist ein Anbieter für Datensicherheit für Unternehmen und die öffentliche Verwaltung.  Das Unternehmen wurde 2003 gegründet und beschäftigt rund 60 Mitarbeiter. Über den Kaufpreis ist nichts bekannt.

Gemeinsam mit Persicon will PwC Dienstleistungen im Bereich Corporate Governance, Risikomanagement und Compliance anbieten. Zu den Kunden gehören laut Persicon neben Bundes- und Landesministerien auch DAX30-Unternehmen.

PwC hatte seinen Beratungsarm bereits im Januar gestärkt: Die Gesellschaft kaufte das IT-Beratungsunternehmen Outbox Group, das auf Customer Experience, Customer Relationship Management, Marketing Automation sowie Application Maintenance spezialisiert ist. Davor hatte PwC die Unternehmensberatung Strategy& (ehemals Booz & Company) sowie das auf Business Intelligence und Data Analytics spezialisierte Beratungshaus Cundus erworben.

PwC stagniert in der klassischen Wirtschaftsprüfung

Die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften PwC, KPMG, Ernst & Young und Deloitte (die so genannten Big Four) legen zur Zeit ihr Augenmerk darauf, das Beratungsgeschäft zu stärken, denn das klassische Wirtschaftsprüfungsgeschäft ist schon lange nicht mehr so attraktiv wie früher. Zwar erwirtschaften die Gesellschaften immer noch die höchsten Umsätze mit der Wirtschaftsprüfung, das Wachstum stagniert aber.

So hat PwC im Geschäftsjahr 2015 seine Umsätze in der Wirtschaftsprüfung um magere 1,3 Prozent auf 683,8 Millionen Euro gesteigert. In der Beratung dagegen ist der Umsatz um stolze 12 Prozent auf 493,9 Millionen Euro gewachsen. Ähnlich sieht der Trend auch bei anderen Wirtschaftsprüfern der Big Four aus. Wer im Beratungsgeschäft die Nase vorn hat, ist allerdings schwer zu sagen, weil die Wettbewerber den Bereich unterschiedlich definieren.

Auch KPMG und EY stärken ihr Beratungsgeschäft

Hinzu kommt die Pflicht zur Abschlussprüferrotation, die die Unternehmen dazu zwingt, in den kommenden Jahren ihre Prüfer auszutauschen. Auch PwC, die aktuell zehn der Dax30-Unternehmen prüft, wird daher große Mandanten verlieren und muss sich bemühen, neue Kunden zu gewinnen. Dort, wo die Gesellschaften künftig nicht mehr prüfen dürfen, dürfen sie beraten – auch deswegen versuchen jetzt alle, sich besonders gut im Beratungsgeschäft aufzustellen.

Daher haben auch die Konkurrenten ihren Beratungsarm verstärkt. Erst im Juli kaufte EY Innovalue, einen Strategieberater für die Versicherungswirtschaft und die Payments-Industrie. Zuvor kaufte EY die Unternehmensberatung J&M Management Consulting.  KPMG erwarb die p³ Consulting und die CTG Corporate Group. Deloitte hat sich im Gegensatz zu den drei Wettbewerbern nie von seinem Beratungsgeschäft getrennt und muss sich daher nicht durch Zukäufe verstärken.

julia schmitt[at]finance-magazin.de

Noch nie war der Wettbewerb zwischen den Big Four so hart wie derzeit. Wer schnappt sich die lukrativsten Mandate, wer wächst am stärksten und wer hat die beste Strategie? Bleiben Sie auf dem Laufenden mit unserer Themenseite zu den Big Four.