Warth & Klein Grant Thornton

19.12.17
Banking & Berater

Warth & Klein-Chef Riese: „Wir spüren den Vorstoß der Big Four“

Der unerwartete Tod des Chefs Klaus Günter Klein war für Warth & Klein Grant Thornton ein Schock. Doch der mittelständische Wirtschaftsprüfer hat sich wieder gefangen – und verteidigt sein Geschäft gegen die Big Four.

Mittelständischen Wirtschaftsprüfern weht ein rauer Wind entgegen. Der Markt für Prüfmandate ist schwer umkämpft, die Wettbewerber setzen alles daran, sich gegenseitig die besten Kunden wegzuschnappen. Besonders zu schaffen macht ihnen die Konkurrenz der großen Wirtschaftsprüfer KPMG, PwC, Deloitte und Ernst & Young (EY), Big Four genannt. 

Diese begnügen sich schon lange nicht mehr mit der Prüfung großer internationaler Kunden, sondern greifen in den vergangenen Jahren zunehmend nach kleinen Mandanten – dem angestammten Feld der mittelständischen Prüfer, die als Nachfolger der Big Four auch als Next Ten bezeichnet werden. Zu diesen gehört auch Warth & Klein Grant Thornton, der mit einem Umsatz von rund 88 Millionen Euro zehntgrößte Wirtschaftsprüfer in Deutschland. 

Im Frühjahr 2016 sieht sich das Unternehmen mit einer weiteren Herausforderung konfrontiert: Unerwartet verstirbt Vorstandschef Klaus Günter Klein. Marktbeobachter befürchten damals, dass Warth & Klein wichtige Mandate verlieren könnte, war Klein doch eine feste Konstante in der Geschichte des traditionsreichen Hauses und pflegte zahlreiche Beziehungen zu wichtigen Kunden. Seitdem Warth & Klein 1958 von Vater Günter Klein und Onkel Werner Klein mitgegründet wurde, war das Unternehmen stets in Familienhand.

Warth & Klein mit schwachem Wachstum 2016

Bereits einen Tag später hat Joachim Riese den Posten als Vorstandsvorsitzender übernommen. „Wir wollten damit auch ein Zeichen in Richtung Mandanten setzen und zeigen, dass wir großen Wert auf Stabilität legen“, erzählt der 65-jährige Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Riese ist zwar der erste Vorstandsvorsitzende, der nicht zur Familie gehört, ist dem Unternehmen aber seit 1978 treu und war zuletzt Mitglied des Vorstands und des Managementgremiums. Er war offenbar die richtige Wahl: Laut Riese hat Warth & Klein Grant Thornton durch den Wechsel kein einziges Mandat und keinen einzigen Partner verloren.

Inzwischen hat sich die Familie von wesentlichen Anteilen an dem Unternehmen getrennt, dafür sind nunmehr 32 Partner als Anteilseigner hinzugekommen. Auch wenn sich die Führungsriege nun komplett verändert hat – die Herangehensweise ist gleich geblieben, sagt Riese. „Die Strategie ist gut, wir wollen den Weg von Klaus Günter Klein fortsetzen.“

Sieht man sich die Umsatzentwicklung der vergangenen Jahre an, könnte man durchaus meinen, dass der Führungswechsel eine Delle hinterlassen hat. Nur um 3 Prozent ist Warth & Klein Grant Thornton im Geschäftsjahr 2016 gewachsen. Im Vorjahr waren es noch ordentliche 13 Prozent, die Joachim Riese aber auch teilweise mit Sondereffekten erklärt, ohne die es eher 7 bis 8 Prozent gewesen wären.

2017 scheint sich das Unternehmen wieder gefangen zu haben: Laut Riese werde das Wachstum im niedrigen zweistelligen Bereich liegen. Trotz der guten Wachstums ist das Unternehmen aber noch weit von der Konkurrenz entfernt. Auf Platz 9 befindet sich Roever Broenner Susat Mazars mit einem Umsatz von rund 125 Millionen Euro.

Warth & Klein Chef Riese: „Wissen um unsere Stärken“

Die Konkurrenz der Big Four bei den mittelständischen Mandaten merkt auch Warth & Klein Grant Thornton, gibt sich aber selbstbewusst: „Wir spüren den Vorstoß der Big Four, wissen aber auch, wo unsere Stärken sind.“ Laut Riese liegen sie unter anderem darin, dass die Entscheidungswege des mittelständischen Unternehmens weitaus kürzer seien als die der großen und weitverzweigten Prüfer. Von ehemaligen Big-Four-Kunden habe man die Klage gehört, dass Entscheidungen, die vor Ort getroffen wurden, doch wieder zurückgezogen wurden, weil die Grundsatzabteilung in der Zentrale ein Veto eingelegt hätte.

Hinzu käme die traditionsgewachsene Nähe zum Mittelstand: „Wir sprechen eine andere Sprache als die Big Four“. Trotzdem haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr Mittelständler gegen einen Next-Ten- und für einen Big-Four-Prüfer entschieden. Kritische Stimmen machen dafür die Preisgestaltung der Big Four verantwortlich: Wegen ihrer Größe können sie über Quersubventionen niedrige Honorare anbieten. Joachim Riese glaubt aber: „Gerade im Mittelstand ist der Preis nicht das Wichtigste, das über lange Zeit aufgebaute Vertrauen und die Zugewandtheit sind wichtiger.“

„Gerade im Mittelstand ist der Preis nicht das Wichtigste.“

Joachim Riese, Warth & Klein Grant Thornton

Was den Kunden wirklich wichtiger ist, dürfte sich in den kommenden Jahren eindrucksvoll zeigen: Durch die im Jahr 2016 verabschiedete gesetzliche Abschlussrotation sind Unternehmen dazu gezwungen, ihr Abschlussprüfungsmandat künftig alle zehn Jahre neu auszuschreiben. Dadurch sollte der Big-Four-dominierte Markt aufgebrochen werden, doch viele Marktbeobachter glauben, dass die Unternehmen ohnehin nur von einer Big-Four-Gesellschaft zur anderen wechseln werden, kleinere Wirtschaftsprüfer also keine Chance haben werden.

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Warth & Klein gewinnt Alba und Berentzen

Warth & Klein hat diese These zumindest in einem Fall eindrucksvoll widerlegen können: Im Sommer gewann der Prüfer überraschend das Mandat des milliardenschweren Wertstoffrecyclers Alba und setzte sich dabei gegen den bisherigen Prüfer KPMG durch. Die Berliner hatten das Mandat wegen der Prüferrotation ausgeschrieben. Im Zuge der Gewinnung des Alba-Mandats hat Warth & Klein Grant Thornton sogar eine Niederlassung in Berlin eröffnet. 

Auch in anderen Fällen, die allerdings unabhängig von der Prüferrotation waren, konnte sich Warth & Klein Grant Thronton gegenüber den Big Four behaupten. Beim Getränkehersteller Berentzen konnte sich der mittelständische Prüfer gegen den Giganten PwC durchsetzen. Im Sommer 2016 übernahm Warth & Klein Thornton außerdem das Beratungsmandat beim Flughafen Hahn, nachdem die geplante Übernahme durch einen chinesischen Investor geplatzt war. Beraten hatte im Zuge des Übernahmeversuchs KPMG, die rheinland-pfälzische Landesregierung gab dem Big-Four-Prüfer anschließend die Schuld am Scheitern.  

„Es ist erfreulich, dass es noch Unternehmen gibt, die nicht automatisch auf die Big Four setzen“, sagt Riese. Doch trotz der großen Erfolge konnte Warth & Klein Grant Thornton bisher noch kein Mandat in der Dax-Familie gewinnen. Da sind mittelständische Konkurrenten wie Ebner Stolz, BDO, Rödl & Partner oder PKF weiter.

Warth & Klein bisher ohne Mandate aus Dax-Familie

„Irgendwann kommen wir sicher auch in der Prüfung zum Zuge.“

Joachim Riese, Warth & Klein Grant Thornton

Zwar hat sich auch Warth & Klein Grant Thornton bereits an zwei Ausschreibungen im MDax beteiligt, konnte das jeweilige Prüfungsmandat zwar nicht gewinnen. Da die Vorbereitung für und die Teilnahme an den Ausschreibungen sehr zeit- und kostenintensiv ist, dürfte das eine bittere Erfahrung für den Prüfer gewesen sein. „Wir sind aber immerhin zweitplatziert gewesen – und das noch vor so mancher Big-Four-Gesellschaft“, zeigt sich Joachim Riese optimistisch. „Irgendwann kommen wir sicher auch in der Prüfung zum Zuge.“ Außerdem habe man im Zuge der Pitches Beratungsmandate gewinnen können.

Helfen soll Warth & Klein Grant Thornton dabei auch das Netzwerk. Wie die meisten Wettbewerber ist Warth & Klein Grant Thornton Mitglied in einem weltweiten Netzwerk. Alle Mitglieder des Netzwerks haben einheitliche Prüfungstools und ein einheitliches Prüfvorgehen, tauschen sich außerdem zu Bilanzierungsfragen aus und stemmen gemeinsam größere Investitionen in beispielsweise die Digitalisierung.

Das Besondere: In jedem Land gibt es nur einen Wirtschaftsprüfer, der Mitglied im Netzwerk ist – in Deutschland ist das Warth & Klein Grant Thornton, nachdem sich das Unternehmen vor einigen Jahren in einem Auswahlverfahren gegen die damalige Susat & Partner durchgesetzt hat. 15 Prozent des Gesamtumsatzes generiert Warth & Klein Grant Thornton dadurch, dass es Kunden von Netzwerkpartnern in Deutschland prüft oder berät.

Dennoch: Auch die Konkurrenz will sich über das eigene, teils ebenfalls große und internationale Netzwerk profilieren. Experten erwarten 2020/2021 die größte Welle an Prüferwechseln – spätestens dann dürfte sich zeigen, welche Next-Ten- sowie Big-Four-Gesellschaft am besten aufgestellt ist.

Der Artikel ist Teil einer Serie, in der FINANCE mit den Next-Ten-Gesellschaften darüber spricht, wie sie die besten Prüfungs- und Beratungsmandate gewinnen und sich dabei von den Big Four abgrenzen wollen. Weitere Teile der Serie sowie andere Artikel finden Sie auf unserer Themenseite zu den Next Ten.

Artikel, Interviews, Analysen und vieles mehr über KPMG, PwC, Deloitte und EY finden Sie auf unserer Themenseite zu den Big Four.