Der Bilanzskandal bei Wirecard hat wieder eine Diskussion ausgelöst: Müssen Prüfung und Beratung stärker getrennt werden?

picture alliance/dpa/Tobias Hase

FINANCE+ 10.07.20
Banking & Berater

Wirecard: Kommt die Trennung von Prüfung und Beratung?

Nach dem Bilanzskandal bei Wirecard werden die Rufe nach einer Trennung von Prüfung und Beratung wieder lauter. Doch hätte das im Fall Wirecard überhaupt etwas gebracht?

Eine Äußerung von Bundesfinanzminister Olaf Scholz in einem F.A.Z.-Interview vor wenigen Tagen sorgt für viel Unmut in den Reihen der Wirtschaftsprüfer: „Wir müssen auch überlegen, ob es funktioniert, wenn eine Gesellschaft ein Unternehmen gleichzeitig berät und prüft.“

Es geht mal wieder um die altbekannte Frage, ob und wie Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsleistungen voneinander getrennt werden müssen. Sie kocht immer wieder hoch, wenn Bilanzskandale passieren – jetzt sind die Vorkommnisse bei Wirecard der Anlass. Der Prüfer EY hatte vor drei Wochen das Testat für den Geschäftsbericht 2019 verweigert, weil er nicht ausreichend Belege für 1,9 Milliarden Euro auf Treuhandkonten finden konnte. Kritiker monieren, dass EY dies schon viel früher hätte erkennen müssen, denn inzwischen mehren sich die Hinweise, dass die Bilanzungereimtheiten bei Wirecard viele Jahre zurückreichen könnten. 

Wiederholt sich die Causa Enron?

Bereits nach den großen Bilanzskandalen der 2000er Jahre wie Enron, Parmalat und Flowtex wurde die Trennung von Prüfung und Beratung diskutiert. In Deutschland lagen zwei Optionen auf dem Tisch: Zum einen die radikale Form mit einer Aufspaltung in rechtlich voneinander komplett unabhängige Prüfungs- und Beratungseinheiten. Die betroffene Gesellschaft würde dadurch deutlich kleiner, und beide Einheiten müssten sich selbst finanziell tragen, was vor allem im Prüfungsgeschäft angesichts der niedrigen Honorare schwierig wäre.

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