Volkswagen liefert Zahlen, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirken: Der Gewinn bricht von 19 Milliarden auf 9 Milliarden Euro ein – gleichzeitig taucht im Netto-Cashflow plötzlich ein Plus von 6 Milliarden Euro auf. Was ist operative Stärke, was bilanzieller Effekt, was schlicht Sparprogramm?
In der aktuellen Folge von „Im Fokus“ nimmt FINANCE-Redakteur Jakob Eich gemeinsam mit der Bilanzierungsexpertin Carola Rinker den VW-Geschäftsbericht genauer ins Visier. Ihr Blick geht dabei weniger auf einzelne Schlagzeilen – sondern auf die Signale und die Kennzahlen, die etwas über die Zukunftsfähigkeit des Konzerns aussagen.
Ausgewählte Highlights aus dem FINANCE-Podcast
FINANCE: Was ist dir als erstes beim VW-Geschäftsbericht ins Auge gefallen?
Carola Rinker: Das Thema Forschungs- und Entwicklungskosten – und dass die Investitionsquote gesunken ist. Bei den Herausforderungen rund um Elektromobilität wirkt das eher niedrig. Als Aktionärin würde mich interessieren: Was wird heute investiert für morgen?
FINANCE: Du schaust dir auch die Aktivierungsquote gern kritisch an – warum ist die spannend?
Carola Rinker: Je mehr ich von den Entwicklungskosten aktiviere, desto mehr schone ich kurzfristig das Ergebnis. Interessant ist: Bei VW ist diese Aktivierungsquote in den letzten Jahren gesunken. Da stellt sich die Frage: Erfüllt man die Kriterien weniger – oder steckt eine bewusst konservativere Politik dahinter?
FINANCE: Das klingt ein wenig nach Aktivieren nach „Gewinn nach Wunsch“?
Carola Rinker: Spielräume gibt es – aber unter strengen Kriterien. Aktivierung heißt: Kosten gehen nicht sofort in die GuV, sondern als immaterieller Vermögenswert in die Bilanz und werden später abgeschrieben. Kurzfristig steigt dadurch der Gewinn – langfristig zählt, ob das Produkt erfolgreich ist.
FINANCE: Wie ordnest du den Gewinneinbruch ein – dramatisch?
Carola Rinker: Wenn man nur den Gewinn anschaut, dann denke ich: „Was ist da passiert?“ Aber der operative Cashflow von VW ist robuster. Eine große Rolle spielt die Abschreibung auf Firmenwerte – etwa bei der Porsche AG. Das belastet das Ergebnis, aber nicht die Liquidität.
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Anmerkung der Redaktion: Die Aussagen von Carola Rinker wurden leicht verkürzt und bearbeitet, um die Verständlichkeit zu erhöhen.



