1.FC Kaiserslautern

01.02.18
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Dem 1. FC Kaiserslautern droht der Finanz-Gau

FCK-Steuer, Nottransfers, Rotstift: Die Finanzlage des FCK ist derart prekär, dass selbst Notmaßnahmen zu verpuffen drohen. Hat der Kultklub überhaupt noch eine Chance, seine Finanzen wieder ins Lot zu bringen?

Beim 1. FC Kaiserslautern brennt es lichterloh – nicht nur sportlich, auch finanziell. Jetzt steht der Kultklub auch noch im Zentrum einer kontroversen öffentlichen Debatte, seitdem sich unter Bürgern und Politikern in der Pfalz heftiger Widerstand gegen die geplante Einführung der „FCK-Steuer“ regt, wie ein aktuelles Gedankenspiel der Stadtoberen nicht ohne Polemik tituliert wird. Die Stadt überlegt, den Hebesatz für die Grundsteuer um mehr als 10 Prozent anzuheben, um das sich abzeichnende Millionenloch in der Bilanz der Betreibergesellschaft des Fußballstadions am Betzenberg zu stopfen.

Der Verein hat den Antrag gestellt, die Stadionmiete dauerhaft auf 2,4 Millionen Euro zu senken. Ursprünglich war eine Pacht von 3,2 Millionen Euro vereinbart, für jede Saison in der ersten Liga sogar noch mehr. Aber aufgrund der anhaltenden Zweitklassigkeit und diverser Verrechnungen zahlt der FCK schon seit längerem weniger als die ursprünglich avisierte Summe.
   

Das Stadion droht ein Millionengrab zu werden

Jetzt aber hat sich die Lage noch einmal zugespitzt, denn das Abrutschen des FCK in den Abstiegskampf lässt selbst die 2,4 Millionen Euro extrem unsicher erscheinen. Sollte der FCK in die Dritte Liga absteigen, hält dessen Führung sogar nur noch Mietzahlungen von 425.000 Euro für machbar.

Die Stadiongesellschaft, die der Stadt gehört und einen 65 Millionen Euro schweren Kredit bedienen muss, benötigt aber rund 3 Millionen Euro im Jahr allein für die Bezahlung der Zinsen. Trotzdem sieht sich der Oberbürgermeister dazu gezwungen, finanziell einzuspringen, da ansonsten die ganze Stadionfinanzierung inklusive der bereits erhaltenen Fördergelder zu explodieren droht – ein finanzielles Horrorszenario für die hochverschuldete Gemeinde.

Allerdings muss die finanziell marode Stadt an anderer Stelle Leistungen streichen oder neue Einnahmequellen auftun, will sie das Finanzloch rund um das Stadion schließen, fordert die Kommunalaufsicht. So entstand die Idee, die kommunalen Steuersätze anzuheben, um die absehbaren Einnahmeverluste der Stadiongesellschaft auszugleichen. 

FCK fährt Jahresüberschuss ein

Die hitzig geführte Debatte überlagert jedoch den eigentlichen Knackpunkt der Causa FCK: Ist der Klub finanziell überhaupt noch zu retten, selbst mit einer deutlichen Senkung der Stadionmiete? Der Jahresbericht, den Finanzchef Michael Klatt im Dezember präsentierte, gibt größten Anlass zur Sorge.

Auf den ersten Blick scheinen die Eckdaten noch Mut zu machen: Der Krisenklub hat in der abgelaufenen Saison 2016/17 einen Überschuss von 1,2 Millionen Euro eingefahren und dadurch das negative Eigenkapital von minus 3,5 auf nur noch minus 2,3 Millionen Euro reduziert. Für die laufende Saison plant Klatt, der inzwischen nicht nur Finanz-, sondern auch Interims-Chef geworden ist, mit einem moderaten Fehlbetrag von 1 Million Euro. Das klingt nicht schön, aber auch nicht katastrophal, wenn man weiß, dass bei Fußballklubs wegen der hohen Abschreibungen auf die Bilanzwerte der Spieler die Kapitalzuflüsse fast immer deutlich über den Jahresergebnissen liegen.


In der Substanz sind die Zahlen des FCK tiefrot

Aber in ihrer Substanz sind die Zahlen des FCK deprimierend, der Klub leidet unter hohen strukturellen Umsatzrückgängen. Die Werbeerlöse sanken in der Vorsaison um 27 Prozent auf nicht einmal mehr 5,3 Millionen Euro, die TV-Einnahmen um 11 Prozent auf 10,2 Millionen Euro – und das, obwohl ligaweit immer höhere TV-Gelder fließen. In diesen beiden Umsatzsäulen zusammen hat der FCK über 3 Millionen Euro verloren.

Aufgefangen wurde dies durch einen Anstieg der Transfererlöse von 5,8 auf 9,2 Millionen Euro – für einen Zweitligisten ein enorm hoher Wert. Seit der Spielzeit 2014/15 haben die Roten Teufel sogar Spieler für 26,6 Millionen Euro verkauft und nur für 6,3 Millionen Euro neue verpflichtet. Das Transfergeschäft war die Lebensader des FCK.

„Eine wirtschaftliche Sanierung des FCK in der 2. Liga ist nicht möglich.“

Finanzchef Michael Klatt

Doch dass auch in dieser Saison wieder hohe Transfereinnahmen generiert werden können, glaubt kaum jemand. Die Mannschaft ist abgeschlagen Tabellenletzter, der Transferwert des Kaders sinkt. Und man muss auch konstatieren: Der Spielerdurchlauf von 127 Transferbewegungen seit 2014/15 mag zwar die Finanzen stabilisiert haben – das sportliche Fundament hat er jedoch unterspült.

Ein Einbruch der Transfererlöse würde jedoch fast unvermeidlich zu einem schweren Millionendefizit führen, denn noch weiter gegen die Krise ansparen kann der FCK nicht mehr, ohne noch tiefer in die sportliche Substanz hinein zu schneiden. Schon in der Vorsaison kürzte er die Ausgaben für den Profikader um 570.000 Euro und den Etat des Nachwuchszentrums um 400.000 Euro. Die Kosten der Geschäftsstelle senkte Sparkommissar Klatt um 1 Million Euro. Doch das ist sparen an der Substanz: Die Folgen für die Qualität der Mannschaft und den Nachschub an Talenten sind jedes Wochenende auf dem Platz zu sehen. 

Und diese Zahlen senden noch eine zweite bittere Botschaft: Selbst die angefragte Mietentlastung von 800.000 Euro wäre vermutlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, solange nicht ein großer Ruck durch die Sponsorenriege ginge oder ein neues Riesentalent vom Himmel fiele, das der FCK schnell zu Geld machen könnte. „Eine wirtschaftliche Sanierung des Vereins in der 2. Liga ist nicht möglich“, sagte Finanzchef Klatt schon vor Monaten. 

Der 1.FC Kaiserslautern braucht frisches Geld

Neben einer Mietentlastung benötigt der FCK also auch frisches Geld – allein schon deshalb, weil im nächsten Jahr eine Fananleihe über 6 Millionen Euro fällig wird. Diese Mittel sollten ursprünglich zweckgebunden in den Ausbau des Nachwuchszentrums investiert werden, wurden aber offenbar zu großen Teilen im operativen Geschäft eingesetzt.

Der vor kurzem zermürbt zurückgetretene FCK-Chef Thomas Gries hatte bis zum Herbst noch die Ausgliederung der Profiabteilung vorangetrieben, um auf diesem Weg neue Geldgeber zu finden. Eine Ausgliederung hätte darüber hinaus die Option eröffnet, dass die Anleihegläubiger ihre Gelder auch in eine neue Kapitalgesellschaft einbringen könnten. So könnte der mögliche Insolvenzauslöser, dass der FCK die Anleihe bei Fälligkeit nicht zurückzahlen kann, möglicherweise entschärft werden.

Wohl auch wegen der ungewissen sportlichen Lage ist das Projekt Ausgliederung allerdings in Verzug geraten. Nun hoffen alle auf ein sportliches Wunder, das den FCK vor dem Abstieg retten und den Verantwortlichen Zeit kaufen würde, eine Lösung für die Finanzprobleme zu finden.

Aktuell wäre es aber schon ein großer Erfolg, wenn die Politik die Finanzmittel auftreiben könnte, die nötig wären, um der Stadiongesellschaft eine Mietsenkung für den FCK zu ermöglichen. Ohne eine Lösung dieser Frage dürfte es der FCK schwer haben, eine Lizenz für die nächste Saison zu bekommen. Dann befürchten viele Mitglieder eine drohende Pleite. 

Insolvenz wird nicht mehr so hart bestraft wie früher

Doch so bitter dieses Wort klingt: Genau darin könnte für den FCK auch eine Chance liegen. Die Sanktionen der Fußballverbände für zusammengebrochene Vereine sind bei weitem nicht mehr so streng wie früher, als nach einer Pleite der Neuanfang in den tiefsten Niederungen der Amateurklassen praktisch unvermeidlich war. Inzwischen werden Insolvenzen mit Punktabzügen bestraft. „Verbucht“ der FCK diesen Punktabzug in der laufenden Saison, in der der Abstieg ohnehin kaum zu vermeiden sein wird, könnte er nächste Saison in der Dritten Liga ohne Punktabzug starten.

Auch Verbindlichkeiten können in einem Insolvenzverfahren abgeschüttelt werden. Der FSV Frankfurt hat in der vergangenen Saison vorgemacht, wie so etwas funktioniert – den totalen Zusammenbruch konnte der Frankfurter Klub, der viel weniger Substanz hat als der FCK, abwenden. 

Helfen Ex-Jugendspieler dem FCK beim Neustart?

Eine zumindest kleine Hoffnung für den finanziellen Neuaufbau beziehungsweise die Bereinigung von Altlasten verspricht unter Umständen die so genannte „Ausbildungsentschädigung“. Diese erhalten Vereine, wenn Spieler, die in deren Jugend ausgebildet wurden, später international transferiert werden. 5 Prozent der Transfersumme werden unter den Jugendvereinen der Spieler verteilt.

Hansa Rostock zum Beispiel hat mehr als 1 Million Euro aus dem Transfer von Toni Kroos von Bayern München zu Real Madrid erhalten. Vor wenigen Wochen kassierte Eintracht Frankfurt einen ähnlichen Betrag, weil der frühere Eintracht-Jugendspieler Cenk Tosun für fast 30 Millionen Euro von Istanbul nach Everton gewechselt ist.

Planen kann man mit solchen Sondererlösen nicht, und für das Stopfen großer Finanzlöcher sind sie selbst für Drittligaverhältnisse viel zu klein. Andererseits gibt es gleich mehrere Ex-FCK-Jugendspieler in der Beletage des deutschen Fußballs: Keeper Kevin Trapp ist unzufrieden bei Paris St. Germain und überlegt, den Topklub im Sommer zu verlassen. In der Bundesliga spielen auf zum Teil hohen Niveau die Ex-FCK-Talente Willy Orban (RB Leipzig) und Dominique Heintz (1.FC Köln).

Sie könnten ihrem Ex-Klub zumindest ein wenig Linderung verschaffen, wenn es sie einmal gegen eine hohe Ablöse ins Ausland ziehen sollte. Aber zuvor muss sich der FCK erst einmal selbst aus dem Sumpf ziehen. Das wird schwer genug.

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

Analysen zur Finanzlage auch anderer Klubs wie Bayern München, Borussia Dortmund oder Hamburger SV gibt es in unserem FINANCE-Blog "Dritte Halbzeit".