Bettina Orlopp: Eine CFO für die Geschichtsbücher

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Neue CEO: Inmitten des Übernahmekrimis mit der Unicredit rückt CFO Bettina Orlopp mehr ins Scheinwerferlicht. Foto: Commerzbank AG/© Jörg Puchmüller
Neue CEO: Inmitten des Übernahmekrimis mit der Unicredit rückt CFO Bettina Orlopp mehr ins Scheinwerferlicht. Foto: Commerzbank AG/© Jörg Puchmüller

Kaum hat die Commerzbank ihre jahrelange Talsohle durchschritten und ist wieder auf einem guten Weg, stören Übernahmepläne der italienischen Großbank Unicredit die Ruhe. Damit rückt die Finanzchefin der zweitgrößten deutschen Privatbank noch ein bisschen mehr ins Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit: CFO Bettina Orlopp. Denn der Trubel hat dafür gesorgt, dass sie schon ab Oktober zur ersten Frau an der Spitze der Commerzbank aufgestiegen ist. Unsere CFO des Monats September.

Für die 54-jährige Managerin ist es bereits der zweite Anlauf: Nach dem Rücktritt von Ex-Bankchef Zielke 2021 wurde Orlopp als mögliche Kandidatin für den CEO-Posten gehandelt. Am Ende entschied sich der Aufsichtsrat aber für den ehemaligen Allianz-Manager Manfred Knof. Orlopp blieb der Bank trotzdem treu. Im Sommer 2021 wurde sie als stellvertretende Vorstandsvorsitzende – ein Posten, der extra für sie geschaffen wurde – die offizielle Nummer zwei der Commerzbank.

Nun folgt sie Anfang Oktober auf Knof, der sein Amt eigentlich erst Ende 2025 niederlegen wollte, doch aufgrund des Einstiegs der Unicredit und deren Übernahmeambitionen schon Ende September das Bankhaus verlassen wird. Für Orlopp ist die Beförderung derweil ein Vertrauensbeweis seitens des Aufsichtsrats der Commerzbank für ihre herausragende Arbeit in den zehn vergangenen Jahren.

Bettina Orlopp: Commerzbank ist zweiter Arbeitgeber

So ist die Commerzbank auf ihrem Karriereweg erst ihr zweiter Arbeitgeber. Nachdem sie knapp 20 Jahre bei der Unternehmensberatung McKinsey tätig und dort 2002 zur Partnerin aufgestiegen war, wechselte sie 2014 zur Commerzbank. Nach diversen leitenden Positionen rückte die designierte CEO im November 2017 als erste Frau der Commerzbank-Geschichte in den Vorstand der Frankfurter auf. Im März 2020 übernimmt Orlopp schließlich den Posten als Finanzvorständin. Wer nun in dieser Rolle auf sie folgen wird, ist bisher nicht klar.

Als Finanzchefin hatte Orlopp einen wesentlichen Anteil daran, dass die Commerzbank wieder auf die Erfolgsspur kam. So holte sie die Bank, die jahrelang als kranke Patientin galt, in einer Restrukturierung wieder in die Gewinnzone und verhalf dem Frankfurter Geldhaus zurück in den Dax 40. Gemeinsam mit Noch-CEO Knof verordnete sie der am Frankfurter Kaiserplatz ansässigen Commerzbank ein massives Sparprogramm, das mit Filialschließungen und Entlassungen sowie einer Konzentration aufs Kerngeschäft einherging. Zugleich sollte es der Bank aber auch zu Rekordgewinnen verhelfen und ursprünglich unter anderem das operative Ergebnis bis 2024 auf 2,7 Milliarden Euro hieven.

Dieses Ziel erreichte Orlopp – zum Teil durch die Zinswende begünstigt – bereits 2023. Unter ihrer Finanzleitung konnte die Commerzbank im Vorjahr das operative Ergebnis um 60 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro steigern – der nächste Rekordgewinn für das Geldhaus. Der Nettogewinn stieg um mehr als 50 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro.

Diese positive Entwicklung konnte Orlopp trotz eines schwächelnden zweiten Quartals auch im ersten Halbjahr 2024 halten. Dass die Commerzbank auf einem guten Weg zu sein scheint, zeigt auch die Entscheidung des Bundes, sich nach 16 Jahren von Anteilen der Bank zu trennen. „Die Commerzbank ist wieder ein stabiles und ertragsstarkes Institut. Daher ist es geboten, dass sich der Bund von den Anteilen des erfolgreich stabilisierten Instituts sukzessive wieder trennt“, erklärte Florian Toncar, Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium sowie Vorsitzender des zuständigen interministeriellen Lenkungsausschusses.

Komplettübernahme durch die Unicredit?

Dass diese Worte den M&A-Krimi mit der Unicredit auslösen würden, war Toncar vermutlich nicht bewusst, ebenso dass sie ein Karrierebooster für Orlopp sein würden. Denn nur einen Tag, nachdem die Bank den Abschied Knofs mitgeteilt hatte, wurde bekannt, dass sich die italienische Großbank Unicredit 9 Prozent an der Commerzbank gesichert hat. Seitdem steht eine Komplettübernahme durch die Unicredit im Raum. Orlopps Start an der Commerzbank-Spitze ist also mehr als turbulent.

In ihrer beruflichen Laufbahn hat sie bislang viele schwere Herausforderungen gemeistert. Die größte steht ihr nun bevor. Sie selbst will die Eigenständigkeit der Commerzbank bewahren und verhindern, dass das Geldhaus künftig von Mailand aus gesteuert wird. Zumindest Bund und Arbeitnehmer weiß sie dabei auf ihrer Seite, ob die Aktionäre derselben Ansicht sind, wird sich in den kommenden Tagen und Wochen zeigen.

Ganz egal, wie diese Gespräche ausgehen, eines ist schon jetzt klar: Orlopp wird als erste Frau an der Spitze der Commerzbank in die Geschichtsbücher eingehen, ob auch als deren Retterin, werden die kommenden Monate zeigen.

Jasmin Rehne ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die Themen Gehalt und Personal. Zudem ist sie Moderatorin bei FINANCE TV. Sie hat in Marburg Sprache und Kommunikation studiert. Neben ihrem Studium arbeitete Jasmin Rehne bereits als studentische Hilfskraft bei FINANCE.