M&A-Deals: Uniper, PNE, Medios

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Der Bund hat Uniper übernommen, um den Konzern aus der Schieflage zu befreien, in die er infolge des Ukraine-Kriegs geraten war. Foto: nmann77 – stock.adobe.com
Der Bund hat Uniper übernommen, um den Konzern aus der Schieflage zu befreien, in die er infolge des Ukraine-Kriegs geraten war. Foto: nmann77 – stock.adobe.com

Bundesregierung treibt Verkauf der Uniper-Anteile voran

Um ihre Uniper-Anteile zu verkaufen, hat die deutsche Bundesregierung die Investmentbanken JP Morgan und UBS beauftragt, unverbindliche Kaufofferten von möglichen Interessenten einzuholen, wie die „Börsen-Zeitung“ unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen berichtet. Demnach haben die beiden Investmentbanken einen „Process Letter“ verschickt, in dem Interessenten aufgerufen werden, bis zum 21. September ihre Gebote abzugeben. Voraussetzung für die Gebote ist, dass auf betriebsbedingte Kündigungen für alle 7.000 Beschäftigte des Konzerns verzichtet wird.

Zum Kreis der Interessierten sollen laut dem Bericht Private-Equity-Investoren wie Ardian und KKR, aber auch Pensionsfonds und Infrastrukturinvestoren zählen. Unter den interessierten Strategen sollen sich unter anderem Vattenfall und Fortum befinden.

Der deutsche Staat hält 99 Prozent am Gasimporteuer Uniper. Bis spätestens 2028 muss er seine Anteile auf die Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie senken. Berlin hatte Uniper im Dezember 2022 gerettet, nachdem das Unternehmen infolge der gestiegenen Gaspreise durch den Ukraine-Krieg in Schieflage geraten war. Das Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf hat eine Marktkapitalisierung von 18,3 Milliarden Euro. Das volatile Gashandelsgeschäft gilt nicht als sonderlich attraktiv für Käufer – die verlässlichen Erträge aus Atom- und Windkraft hingegen schon.

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Preislücke bremst PNE-Verkaufsprozess

Rückschlag für PNE: Der Windparkentwickler musste in dieser Woche mitteilen, dass der M&A-Prozess für den Verkauf von bis zu 100 Prozent der Anteile stockt. Als Grund führt das Unternehmen zu niedrige Angebote an: „Das erhaltene Marktinteresse deutet darauf hin, dass die Preisvorstellungen etwaiger Erwerber unterhalb des derzeitigen Börsenkursniveaus der PNE-Aktie liegen“, teilt PNE mit. Vor diesem Hintergrund sei aktuell unsicher, ob es zu einer Transaktion komme und wie deren Bedingungen aussehen würden.

Zuvor hatte das „Handelsblatt“ berichtet, dass nicht nur die Investmentbank Morgan Stanley ihren PNE-Anteil über 50,06 Prozent verkaufen will, sondern das Unternehmen komplett zum Verkauf steht. Die Aktie rutschte angesichts der beendeten Übernahmefantasien in dieser Woche mehr als 25 Prozent ins Minus und notierte zum Wochenende bei rund 7,50 Euro. Morgan Stanley war nach einem gescheiterten Übernahmeversuch zum Hauptaktionär von PNE geworden und hatte in der Vergangenheit bereits erfolglos versucht, die Anteile wieder loszuschlagen.

Medios sichert sich Mehrheit an Caelo

Medios übernimmt 74 Prozent der Anteile an Caesar & Loretz (Caelo), einem Anbieter pharmazeutischer Wirkstoffe, Hilfs- und Rohstoffe mit Sitz in Hilden. Für die weiteren 26 Prozent haben Medios und Caelo Put- und Call-Optionen vereinbart. Der Vertrag wurde am 11. August unterzeichnet, der Vollzug steht unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Freigaben. Im Anschluss wird das Unternehmen vollkonsolidiert. Caelo beschäftigt rund 240 Mitarbeiter in Hilden und Bonn und erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz von rund 40 Millionen Euro.

Für Medios schließt der Zukauf eine Lücke im Produktangebot: Künftig kann das Berliner Unternehmen Apotheken von zugelassenen Arzneimitteln über die sterile Zubereitung bis hin zu Wirk- und Rohstoffen für die eigene Rezeptur aus einer Hand bedienen. Caelo bringt streng zertifizierte Kapazitäten („GMP“) und ein etabliertes Kundennetz im Apothekenmarkt mit, Medios steuert Vertriebsstruktur und internationale Reichweite bei.

Caelo wird in die neu gegründete Medios Holding Compounding Essentials eingegliedert, die das europäische Geschäft mit pharmazeutischen Wirk- und Hilfsstoffen bündelt, darunter Magis Pharma in Belgien und Metapharmaceutical in Spanien. Das Unternehmen soll als eigenständige Gesellschaft unter der bestehenden Marke weitergeführt werden. Die Leitung übernimmt Asiye Dogan, Geschäftsführer Ulrich von der Linde scheidet mit dem Closing aus. Auf die Konzernprognose 2026 hat die Transaktion laut Unternehmen keine Auswirkungen.

Die Übernahme finanziert Medios mit einem Kredit. Der kreditfinanzierte Kaufpreis ist dabei laut Medios abhängig von der künftigen Performance von Caelo und bewegt sich im oberen einstelligen Millionenbereich.

Frankfurter Leben übernimmt Athora mit DWS-Rückenwind

Frankfurter Leben greift erneut zu: Der Bad Homburger Bestandsversicherer übernimmt Athora Deutschland, ein geschlossenes Portfolio aus traditionellen und fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen mit einem Kapitalanlagevolumen von 3,5 Milliarden Euro. Es ist die siebte Akquisition des 2015 gegründeten Unternehmens. Mit der Transaktion wächst der betreute Vertragsbestand auf rund 800.000 Kunden und das Kapitalanlagevolumen auf insgesamt rund 17 Milliarden Euro. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Der Abschluss des Deals ist für Mitte 2027 geplant, vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen.

Die Übernahme bringt einen prominenten Mitstreiter: DWS begleitet die Transaktion als strategischer Finanzierungspartner und stellt über ein Hybridkapitalinstrument einen niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag bereit. Im Gegenzug wird DWS bevorzugter Partner für das Management alternativer Anlagen der Frankfurter Leben Gruppe. Für Athora bedeutet der Deal den Rückzug aus Deutschland. Die Gruppe will sich auf organisches Wachstum in anderen Märkten konzentrieren.

Die Mitarbeiter von Athora Deutschland werden übernommen und betreuen weiterhin die bestehenden Verträge. Kunden sollen zudem von einer Migration auf modernere IT-Systeme profitieren. PwC Deutschland hat Frankfurter Leben bei der Transaktion beraten. Athora wurde von Linklaters (Federführung: Thomas Broichhausen und Julia Rupp) beraten.

Weitere M&A-Deals

Grünes Licht aus Brüssel: Die Europäische Kommission hat die Übernahme von Everllence durch den Finanzinvestor Bain Capital genehmigt. Die Behörde sah keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken, da die beteiligten Unternehmen in keinen sich überschneidenden Märkten tätig sind. Everllence bietet Antriebs-, Dekarbonisierungs- und Effizienzlösungen für die Marine-, Energie- und Industriesektoren. Ende Juni hatte sich Bain Capital im Rennen um den Motorenhersteller von Volkswagen durchgesetzt. Bain Capital übernimmt 51 Prozent, VW behält den Minderheitsanteil an Everllence. Der Automobilhersteller erlöst mit der Übernahme 7,4 Milliarden Euro.

Der Logistikdienstleister Dachser übernimmt 10 Prozent der Anteile an der kanadischen Luft- und Seefrachtspedition Synergie Canada. Mit dem Minderheitseinstieg bei den Kanadiern will Dachser seine Präsenz auf dem kanadischen Markt erweitern, wie der COO für Luft- und Seelogistik Tobias Burger in einer Unternehmensmitteilung erklärt. Synergie Canada wurde 2008 gegründet, hat seinen Hauptsitz in der Nähe von Montreal, Québec, und erzielte 2025 mit rund 100 Mitarbeitern einen Umsatz von 60 Millionen Euro.

M&A-Berater-News

Next Capital Advisors (NCA), die Finanzierungsberatung des Beratungsunternehmens KBHT Next und des ehemaligen Debt-Fonds-Managers Volker Schulze, erweitert das Geschäft um die M&A-Beratung. Next M&A and Equity Advisors wurde als Schwestergesellschaft von NCA gegründet und fokussiert sich auf die Themen M&A-, Nachfolge- und Eigenkapitalberatung im DACH-Raum.

Die beiden Corporate-Finance-Spezialisten Christoph Matz und Serge Ragotzky steigen bei dem M&A-Beratungsarm ein, den „Linkedin“-Profilen zufolge beginnt Matz als Managing Partner und Ragotzky als selbstständiger Berater. Beide kommen von Clairfield International, wo sie zuletzt als Partner tätig waren.

Nach mehr als sechseinhalb Jahren bei Rothschild & Co wechselt Thomas Wasserek zur spanischen Investmentbank Alantra. Das teilte der M&A-Berater seinem „Linkedin“-Netzwerk mit. An seiner Position ändert sich nichts, wie auch bei Rothschild ist er Director. Bei Alantra soll er die Industrials-Einheit in der DACH-Region betreuen. Vor seiner Zeit bei Rothschild & Co war Wasserek knapp fünf Jahre bei Lincoln International tätig.

Info

Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE sowie Chefin vom Dienst bei FINANCE-Online und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.