Es ist ein offenes Geheimnis: Die Deutschen hadern mit ihrem Kanzler. Vor allem der Kommunikationsstil von Olaf Scholz sorgt vielerorts für Frust. Selbst in der SPD gelten die uninspirierten Europa-Wahlkampfauftritte mit als Hauptgrund für das Debakel am Wahlabend.
Auch Führungskräfte in der Businesswelt sollten das Thema besser ernst nehmen. So legen diverse wissenschaftliche Studien den Schluss nahe, dass wirksame Kommunikation positiv mit dem langfristigen Erfolg eines Unternehmens korreliert. Gerade bei CFOs gebe es an dieser Stelle aber oftmals noch reichlich Luft nach oben, meint Alexander Würfel, CEO und Gründer von Advancewerks, einem Coaching- und Beratungsunternehmen für Leadership Impact von C-Level-Führungskräften.
CFOs müssen Stakeholder mit Botschaft überzeugen

„Finanzchefs galten lange als bloße Überbringer von Zahlen und Informationen. Das genügt heute nicht mehr: Ein guter CFO überzeugt die Stakeholder mit einer eigenen Botschaft, die er wirksam zu kommunizieren weiß“, sagt Würfel. Und mit eben diesem neuen Rollenverständnis müssten sich viele Finanzchefs erst noch anfreunden. „Finanzer sind traditionell stark im Maschinenraum eines Unternehmens verwurzelt. Bei Analysten- und Bilanzpressekonferenzen wimmelt es daher oft nur so von Zahlen und KPIs – die übergeordnete Story, geschweige denn die Vision für die finanzielle Zukunft des Unternehmens, bleibt hingegen auf der Strecke“, so der Unternehmensberater weiter.
CFOs sollten laut Würfel daher versuchen, vom Experten-Modus in den Executive-Modus zu wechseln. Sein erster Tipp: „Inhaltliche Tiefe ist zweifellos essentiell. Aber: 45 prall mit Zahlenmaterial gefüllte Power-Point-Folien sind kein guter Plan. Machen Sie sich daher klar, welche Kernbotschaften eigentlich transportiert werden sollen und richten Sie Ihren Vortrag gezielt daran aus.“
Finanzchefs benötigen mehr Flughöhe
Im Kern brauche es also mehr Flughöhe für den Blick aufs große Ganze. Ein gewisser Mut zur Lücke sei dafür wichtig – die für CFOs heilige Akkuratesse der Informationen könne deswegen trotzdem gut eingehalten werden: „Die Sehnsucht nach Vollständigkeit ist bei deutschen Managern weit verbreitet und hat sicher auch ihre Existenzberechtigung. In so mancher Pressekonferenz ist die Informationsdichte aber schlicht zu hoch“, so der Führungskräftecoach.
Sobald der Inhalt abgesteckt ist, müssten CFOs im zweiten Schritt auf die wirksame Übermittlung der Inhalte achten. Der an dieser Stelle populäre Ratschlag „Sei authentisch“ greift laut Würfel grundsätzlich zu kurz: „Der Wunsch nach Authentizität ist verständlich. Gerade Executives in der Corporate-Welt müssen aber eine Balance finden zwischen der Authentizität zu sich selbst und dem, was das Publikum verlangt.“
Chamäleon-Manager besser als True-to-Selfers
Soll heißen: Weg von Authentizität hin zur Authentizität in der Rolle. Sich verbiegen oder seine inneren Werte leugnen müsse dabei niemand, dennoch sei die berufliche Bühne eben nicht dieselbe wie die im Privaten. Dieser Mindset-Wandel erfordert zwar mehr Arbeit, lohne sich aber, betont Würfel: „Studien zeigen, dass Manager in diesem „Chamäleon“-Stil erfolgreicher sind als diejenigen, die sich stets treu bleiben.“
Keiner situationsabhängigen Strategie bedürfe es immerhin mit Blick auf die Sprache: „Gerade CFOs sind anfällig für Industrielyrik, die noch keinen Zuhörer abgeholt hat. Haben Sie daher Mut zu einer einfachen, klaren und unverschachtelten Sprechweise. Auch ein pointierter Spruch kann, eingestreut an der richtigen Stelle, Wunder bewirken“, so Würfels dritter Tipp.
Wenig hält er zudem von der Idee, ein vorab voll ausgearbeitetes Redemanuskript abzulesen. „Das wirkt auf Zuhörer einschläfernd und sollte, wo immer möglich, vermieden werden. Haben Sie den Mut, mit Stichpunkten zu arbeiten. Nur so sprechen Sie frei und bringen Sachverhalte glaubwürdig rüber.“
Zuhörer auf der persönlichen Ebene erreichen
Und wer es dann noch schafft, seine Zuhörer auf einer persönlichen Ebene zu erreichen, kann praktisch nicht scheitern. Dass das einfacher gesagt als getan ist, weiß auch Würfel: „Natürlich ist der Finanzbereich eher sachlich geprägt. Um Leute abzuholen und zu überzeugen, ist der persönliche Zugang jedoch enorm hilfreich.“
So anspruchsvoll das klingen mag – in der Praxis reichen dafür laut Würfel oft schon einfache Maßnahmen: „Sprechen Sie zum Beispiel in einer Q&A-Session den Journalisten mit Namen an, das schafft Verbindlichkeit. Oder betonen Sie gemeinsam geteilte Werte mit den Zuhörern, etwa beim Thema ESG.“

Lob für Deutsche-Telekom-Vorstand
Ein Beispiel für gelungene Kommunikation auf Vorstandsebene ist in Würfels Augen die Deutsche Telekom um CEO Tim Höttges: „Die machen das durch die Bank hervorragend, was sicher nicht zuletzt an dem inzwischen starken Exposure in den USA liegen dürfte – dort ist man bei dem Thema wie so oft schon deutlich weiter.“
Eine gute Figur könne letztlich jeder machen, so Würfels Überzeugung: „Nur die Bereitschaft, intensiv an sich zu arbeiten, muss vorhanden sein.“ Selbst vermeintliche Naturtalente wie Steve Jobs oder Barack Obama seien daran nicht vorbeigekommen. „Die haben früh erkannt, welch enorme Wirkung und Inspiration sie damit auf ihr Publikum entfalten können. CFOs sollten sich ein Beispiel daran nehmen.“
Philipp Hafner ist Redakteur bei FINANCE. Er hat Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth sowie an der University of Amsterdam studiert. Vor FINANCE arbeitete Philipp Hafner mehr als sechs Jahre bei der Verlagsgruppe Knapp/Richardi, zunächst als Volontär, anschließend dann als Redakteur für die Fachzeitschrift „Immobilien & Finanzierung“.
