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Seit 2002 drastischer Stellenabbau in deutschen Finanzabteilungen

Deutsche Finanzmitarbeiter waren in den vergangenen zehn Jahren ebenfalls vom Stellenabbau betroffen.
Thinkstock / Getty Images

Die Zahl der industriellen Verwaltungsjobs geht in den USA und in Europa weiter zurück. Bis Ende 2017 sollen sich einer aktuellen Arbeitsplatzstudie der Hackett Group zufolge die Vollzeitstellen in den Bereichen Personalwesen, Finanzen, IT und Beschaffung in Nordamerika und Europa auf rund 4,3 Millionen reduzieren. Damit hätte sich die Zahl der Verwaltungsmitarbeiter seit 2002 um rund 46 Prozent verringert. Auch die deutschen Finanzabteilungen sind vom Arbeitsplatzabbau betroffen gewesen. „In Deutschland dürften die Vollzeitstellen in den Finanzabteilungen seit 2002 grob geschätzt um rund 5 Prozent pro Jahr zurückgegangen sein“, sagt Tom Olavi Bangemann, Senior Vice President Business Transformation bei der Hackett Group.

Offshoring in der Finanzabteilung

Es gibt zwei Trends, die für diesen Arbeitsplatzabbau in der Verwaltung in Nordamerika und Europa verantwortlich sind: Offshoring (Verlagerung unternehmerischer Funktionen ins Ausland) und Automatisierung. „Traditionelle Jobs aus dem Finanzbereich werden nach wie vor in Billiglohnländer ausgelagert“, sagt Bangemann. Das zeigen auch Beispiele von DAX-Konzernen. Der Pharma- und Chemiekonzern Merck verkündete 2012 ab 2013 Verwaltungsfunktionen nach Osteuropa verlagern zu wollen. Auch der Energiekonzern Eon gab solche Pläne bekannt. Doch diese Entwicklungen flachen langsam ab. „In acht bis zehn Jahren wird die Stellenverlagerung ins günstigere Ausland  abgeschlossen sein“, prognostiziert der Hackett-Berater. Bis dahin dürften aber noch Millionen von Stellen aus dem Bilanz- und Rechnungswesen in sogenannten Shared Service Centern gebündelt werden.

Shared Service Center im Controlling noch wenig verbreitet

Im Controlling sind diese Entwicklungen noch wenig verbreitet, da gerade Planungsprozesse und Forecastmodelle sehr komplex sind. Standardisierung und eine damit verbundene Automatisierung sind nicht einfach umzusetzen. „Doch Shared Service Center im Controlling packen die Unternehmen zunehmend an“, sagt Bangemann. Bei dem Automobilhersteller Daimler werden zur Zeit 2.300 Vollzeitstellen im Controlling auf Verlagerungspotentiale hin analysiert. Unternehmen haben also im Controlling noch erhebliches Potential, Prozesse und Ressourcen zu bündeln und so die Kosten zu optimieren.

Der Berater geht davon aus, dass die Verlagerung von Controllingjobs ins Ausland noch 25 Jahre andauern dürfte. „Wenn Unternehmen ihre Kosten allerdings nicht mehr über die Lohnkostenarbitrage durch eine Verlagerung in ein günstigeres Umfeld optimieren können, bleibt den Firmen nur noch die Produktivität zu steigern“, sagt Bangemann. Und wie macht man aus weniger mehr? Durch Automatisierung. „Die Automatisierungsgrade von deutschen Unternehmen sind inzwischen auf europäischem Niveau angekommen. Das war vor zehn Jahren noch anders.“ Auch die Finanzabteilungen setzen auf Automatisierung, um die immer komplexer werdenden Aufgaben mit der gleichen Mannschaft stemmen zu können.

sabine.paulus[at]finance-magazin.de

Sabine Paulus ist seit 2008 Redakteurin beim Fachmagazin FINANCE und der Online-Publikation DerTreasurer. Ihre Themenschwerpunkte sind Personal, Organisation, Karriere und Finanzierung. Sie ist M.A. und hat an der Universität Konstanz unter anderem das Hauptfach Deutsche Literatur studiert.