FINANCE-TV

04.02.13
CFO

Adam Bolek übernimmt Leitung der Mediobanca

Ex-Rothschild-Banker Adam Bolek übernimmt die Leitung des Deutschlandgeschäfts von Mediobanca. Vorgänger Frank Schönherr hat das Institut einvernehmlich verlassen. Ein großer Strategieschwenk ist durch die Personalie nicht zu erwarten, höchstens eine stärkere Akzentuierung des Geschäfts mit M&A-Deals.

Überraschender Wechsel bei Mediobanca in Frankfurt: Wie das Institut mit italienischen Wurzeln heute mitteilte, tritt Frank Schönherr ab, der das Deutschlandgeschäft seit Öffnung der deutschen Filiale im Juni 2007 geleitet hatte. An seine Stelle rückt Adam Bolek (45) an die Spitze, der bisher für das M&A-Geschäft zuständig war. Gleichzeitig gab die Bank bekannt, dass Ulrich Paefgen (57) im Rahmen seiner Funktion als Vice-Chairman Europe von London aus „das Geschäft im deutschsprachigen Raum insbesondere mit DAX- und MDAX-Unternehmen weiter vorantreiben“ soll.

Bolek war erst im Jahr 2011 zur Mediobanca gestoßen und zeichnete seither dort für das M&A-Geschäft verantwortlich. In den vergangenen 16 Jahren hat der Investmentbanker nach Unternehmensangaben rund 80 M&A-Deals für deutsche und internationale Kunden abgeschlossen, das gros davon bei seinem ehemaligen Arbeitgeber Rothschild. Im kürzlich aufgezeichneten Interview mit FINANCE-TV erwartete er für 2013 ein deutlich besseres M&A-Umfeld als in den enttäuschenden beiden vergangenen Jahren.

Mediobanca setzt in Deutschland auf M&A-Geschäft

Die Bank will in Zukunft stark auf die Beratung von Fusionen und Transaktionen sowie die Unternehmensfinanzierung setzen. Damit ändert das Institut unter Bolek seine strategische Ausrichtung nicht grundsätzlich, lediglich das M&A-Geschäft wird etwas stärker akzentuiert. In den vergangenen Jahren waren die Italiener hierzulande immer wieder als Kreditgeber aktiv, unter anderem bei Refinanzierungen des Pharmahändlers Phönix, des Anlagenbauers Gea und des Mischkonzerns Evonik. „Wenn wir Kredit geben, dann sind es häufig größere Summen von mehr als 100 Millionen Euro“, erklärte Frank Schönherr 2010 in einem Interview mit FINANCE. Zur Zielgruppe der Bank zählen Unternehmen  mit Umsätzen über 1 Milliarde Euro.

Mediobanca hatte in der Vergangenheit schon größere Wachstumspläne in Deutschland verkündet. So war die Bank nach FINANCE-Informationen stark an einer Übernahme von Teilen des Investmentbankings der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim interessiert, der M&A-Deal scheiterte letztlich aber an unterschiedlichen Vorstellungen des Interessenten und des Verkäufers Deutsche Bank. Im vergangenen Jahr bremste die italienische Staatsschuldenkrise die Bank aus. Mediobanca ist stark mit dem dortigen Finanz- und Unternehmenssektor verwoben. Die Bank ist beispielsweise der größte Aktionär der Versicherung Generali, weitere Beteiligungen hält man am Verlagskonzern RCS und der Telecom Italia.

Die Trennung von Frank Schönherr scheint einvernehmlich vonstatten gegangen zu sein: Massimo Di Carlo, im Vorstand der Mediobanca verantwortlich für das internationale Geschäft, dankte ihm für den Aufbau des Deutschlandgeschäfts. Es ist damit zu rechnen, dass der gut vernetzte Schwabe, der bis 2006 Vorstand der Düsseldorfer IKB war, demnächst an anderer Stelle wieder auftaucht. Wo, ist noch unbekannt.

markus.dentz[at]finance-magazin.de