Ceconomy

12.10.18
CFO

Ceconomy-CFO Frese wackelt

Gerüchte über einen möglichen Umbau im Ceconomy-Vorstand machen die Runde, der neue Großaktionär Freenet übt Kritik. Vor allem CFO Mark Frese gerät unter Druck.

Wenige Tage nachdem Ceconomy die zweite Gewinnwarnung innerhalb kurzer Zeit abgeben musste, erwägt der Aufsichtsrat einen Umbau im Vorstand des Elektronikhändlers. Am heutigen Freitag wolle das Gremium darüber diskutieren, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf namentlich nicht genannte Personen.

Druck gebe es vor allem auf Finanzvorstand Mark Frese. Bei ihm wird offenbar die Verantwortung für den erlittenen Vertrauensverlust am Kapitalmarkt und die offensichtlichen Schwächen im Planungs- und Reporting-Prozess gesehen. Die beiden Gewinnwarnungen in kurzer Abfolge haben den Unternehmenswert Ceconomys um etwa 1 Milliarde Euro gedrückt.

Vorschläge für Aufsichtsratschef Jürgen Fitschen

Als stärkster Kritiker tritt in der Öffentlichkeit Freenet-Chef Christoph Vilanek in Erscheinung. Freenet war im Sommer mit knapp 10 Prozent bei Ceconomy eingestiegen, weshalb auch Vilanek selbst jetzt in der Kritik steht. „Die Gewinnwarnung von Ceconomy ist peinlich. Sie zeigt, dass das Reporting nicht wirklich stabil ist“, sagte er gegenüber Bloomberg.

Und weiter: „Für den Ceconomy-Vorstand wird es nach dieser Performance sehr schwer, das Vertrauen zurückzugewinnen.“ Ohne personelle Konsequenzen werde es nicht gehen.

Vilanek habe dem Aufsichtsratschef von Ceconomy, Ex-Deutsche-Bank-Chef Jürgen Fitschen, einen Aktionsplan vorgelegt. Im dem Papier soll es um Verbesserungen beim Geschäftsmodell und bei der Governance gehen.

FINANCE-Köpfe

Mark Frese, Ceconomy AG

1993 startet Frese seine Karriere als Analyst bei der Privatbank Finck & Co. Von 1994 bis 1996 ist er Abteilungsleiter Financial Strategies und Asset Management bei Kaufhof. Darüber hinaus verantwortet er die Investor Relations. Seit 1996 ist Kaufhof eine Vertriebslinie der Metro Group.

Nach der Übernahme wechselt Frese von Kaufhof zu Metro und leitet die folgenden zwei Jahre die Abteilung Konzernentwicklung/M&A. Ab August 1998 leitet er ein Jahr lang die Geschäfte des Kaufhof-Warenhauses in Bonn. Von 1999 bis 2003 ist er Sprecher der Geschäftsführung der Kaufhof-Tochter Gemini Medienvertriebsgesellschaft. 2002 wechselt der Betriebswirt zurück zu Kaufhof Warenhaus und wird Bereichsleiter für Expansion & Kooperation.

2004 wird Frese Bereichsleiter für Controlling & Projekte. Von 2009 bis 2010 ist er Bereichsleiter Planung & Controlling bei der Metro. 2010 wird er zum Finanzchef von Metro Cash & Carry Europe/MENA ernannt, im Januar 2012 zum CFO der gesamten Metro-Gruppe. Seit April 2012 ist er zudem CFO von Metro Cash & Carry.

Im Zuge der Abspaltung des Elektronikhandels („Media-Markt“, „Saturn“) vom Metro-Konzern wechselt Frese im Sommer 2017 als CFO in den Vorstand des neuen Unternehmens Ceconomy.

zum Profil

Ceconomy-Gewinnwarnung lässt Aktienkurs abstürzen

Die Aktionäre hatten auf die erneute Gewinnwarnung von Ceconomy, die nur rund drei Wochen nach der vorherigen erfolgte, deutlich reagiert: Der Kurs stürzte am vergangenen Dienstag zeitweise um mehr als 20 Prozent ab.  
 
Ceconomy hatte mitgeteilt, dass das erwartete Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) für das abgelaufene Geschäftsjahr nur bei rund 630 Millionen Euro liegen wird. Am 18. September war der Konzern in seinem angepassten Ausblick noch von einem Wert zwischen 680 und 710 Millionen Euro ausgegangen. Auch dies war schon deutlich weniger als ursprünglich versprochen.

Ceconomy leidet unter Schwierigkeiten im operative Geschäft. Die starke Konkurrenz durch Onlinehändler setzt Media Markt und Saturn unter Druck. Beide Häuser sind im Onlinehandel schwach. Von seinem defizitären Russlandgeschäft hatte sich der Konzern im Sommer getrennt, dafür aber hohe Sonderlasten verbuchen müssen.

antonia.koegler[at]finance-magazin.de


Mehr über den Finanzchef des Elektronikhändlers erfahren Sie auf dem Profil von Mark Frese in unserer Rubrik FINANCE-Köpfe.