CFO Julian zu Putlitz schließt das Kapitel Sixt

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16.10.18
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CFO Julian zu Putlitz schließt das Kapitel Sixt

Julian zu Putlitz verlässt nach neun Jahren den Autovermieter Sixt, sein Nachfolger muss in große Fußstapfen treten. Der neue CFO kommt vom Autozulieferer Brose – und verfügt bisher über wenig Kapitalmarkterfahrung.

Neun Jahre war Julian zu Putlitz CFO beim Autovermieter Sixt. Im November wird der 50-Jährige das Unternehmen jedoch verlassen, „um sich neuen beruflichen Herausforderungen zu stellen“, wie Sixt mitteilt. Wohin es Putlitz zieht, ist noch nicht bekannt. Sein Aufsichtsratschef Friedrich Joussen und CEO Erich Sixt bedankten sich für seinen „überaus erfolgreichen Einsatz“.

Seinen Nachfolger hat Sixt bereits gefunden: Der 41-jährige Jörg Bremer kommt vom mittelständischen Autozulieferer Brose, wo er 2004 seine Karriere begonnen hat und anschließend verschiede CFO-Posten bekleidete, unter anderem bei der Brose-Tochter in Nordamerika. Dies passt zu seiner vielleicht wichtigsten Aufgabe bei Sixt – dem Vorantreiben der internationalen Wachstumsstrategie vor allem in den USA.

Sixt wuchs unter CFO Putlitz rasant

Das Erbe, das Bremer antritt, ist gewaltig. Unter Putlitz hat Sixt eine herausragende Entwicklung am Aktienmarkt genommen. Seit dem Amtsantritt des CFOs 2009 ist der Aktienkurs zwischenzeitlich um nahezu das vierzehnfache von 8 auf über 108 Euro Ende September gestiegen. Der Kursrutsch der vergangenen zwei Wochen hinterließ auch Spuren bei Sixt, aktuell notiert das Papier bei knapp 88 Euro. 

Sixt-Aktie ist unter CFO Julian zu Putlitz explodiert

Der Hausse liegen große Fortschritte im operativen Geschäft zugrunde: Die Umsätze wuchsen zwischen 2009 und 2017 um 1 auf 2,6 Milliarden Euro. Vor allem im Ausland legte Sixt zu. Die Auslandsumsätze kletterten während Putlitz‘ Amtszeit von 338 Millionen auf 1,1 Milliarden Euro. Die USA ist heute der zweitwichtigste Markt für den deutschen Autovermieter. Der Gewinn vor Steuern (EBT) im Konzern stieg im selben Zeitraum um das neuzehnfache auf 287 Millionen Euro.

Verabschieden könnte sich Putlitz im November mit Rekordzahlen. Bereits im April hatte Sixt seine Gewinnziele für das laufende Geschäftsjahr erhöht. Das erste Halbjahr war das Beste der Unternehmensgeschichte. Umsatz und Vorsteuergewinn stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 11 beziehungsweise 28 Prozent auf 1,35 Milliarden beziehungsweise 326,9 Millionen Euro. Darin enthalten ist jedoch ein Einmalertrag in Höhe von rund 200 Millionen Euro aus dem Verkauf des Joint-Venture-Anteils am Carsharing-Anbieter Drive Now an den Autobauer BMW.

Putlitz sicherte Wachstum mit Bonds und Schuldscheinen

Unter Julian zu Putlitz verkaufte Sixt nicht nur lukrativ seinen Anteil an Drive Now, sondern brachte zudem im April 2015 das Leasinggeschäft an die Börse. Bei all diesen Projekten sei es Putlitz einem Unternehmenssprecher zufolge vor allem darum gegangen, das rasante Wachstum des Vermietungsgeschäfts auf der Finanzierungsseite gut abzusichern.

Dafür hat Putlitz in neun Jahren einen bunten Strauß an Finanzierungsinstrumenten genutzt. 1,25 Milliarden Euro hat der CFO während seiner Amtszeit für Sixt über Bonds eingesammelt. Alle zwei Jahre platzierte Putlitz 250 Millionen Euro. Den Zinssatz der Anleihen konnte er ausgehend von 4,125 Prozent bei den Folgeemissionen sukzessive auf zuletzt 1,5 Prozent senken. 

Weiteres Kapital für das Sixt-Wachstum beschaffte Putlitz über Schuldscheine. Im Juli 2016 sammelte er so 375 Millionen Euro ein. Vor wenigen Monaten folgten weitere 200 Millionen Euro über ein Schuldscheindarlehen, das zum ersten Mal komplett digital über die Plattform VC Trade des Fintechs Value Concepts mit emittiert wurdeWir wollen Innovationen Vorschub leisten und sind bei einer solchen Entwicklung gerne dabei", kommentierte zu Pulitz die Transaktion vor wenigen Wochen bei der FINANCE-Schwesterpublikation DerTreasurer. In neun Jahren sammelte Putlitz einem Unternehmenssprecher zufolge unter dem Strich über 3 Milliarden Euro am Kapitalmarkt ein. 

„Unter der Regie von Julian zu Putlitz hat sich Sixt am Kapitalmarkt einen sehr guten Ruf erworben“, lobt Aufsichtsratschef Joussen. Von diesem Vertrauensbonus muss nun der neue Finanzchef Jörg Bremer zehren. In dessen Lebenslauf fehlen Kapitalmarkterfahrungen bislang noch. Doch dies galt auch für Putlitz, als dieser 2009 bei Sixt an Bord ging.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de