Nach acht Jahren bei Deag wird Roman Velke neuer Finanzvorstand des Konzertveranstalters.

Olaf Matzat

19.03.19
CFO

Deag macht Eigengewächs zum neuen CFO

Deag befördert Roman Velke zum neuen Finanzchef. Er löst Ralph Quellmalz ab, der den Konzertveranstalter nach einer Fehlentscheidung wieder stabilisierte.

Neuer Finanzchef bei der Deutschen Entertainment Aktiengesellschaft (Deag): Ab April nimmt Roman Velke auf dem CFO-Sessel Platz, wie der Konzertveranstalter bekannt gab. Er wird Ralph Quellmalz ablösen. Roman Velke, von Haus aus Wirtschaftsprüfer, arbeitet schon seit 2011 bei Deag. Zuletzt war er Bereichsvorstand für Business & Financial Affairs und M&A in der zweiten Managementebene. In dieser Position unterstützte er den Vorstand unter anderem bei M&A-Projekten, dem strategischen Auf- und Ausbau von Geschäftsfeldern und Corporate Finance.

Vor seiner Zeit bei Deag arbeitete der Wirtschaftsprüfer neun Jahre lang bei der mittelständischen Prüf- und Beratungsgesellschaft BDO. In seiner neuen Position als CFO wird er neben den Finanzen auch den Bereich Investor Relations verantworten.

CFO Quellmalz kam in schwieriger Situation zu Deag

Der bisherige CFO Ralph Quellmalz verlässt „Deag im besten Einvernehmen zum Ende der regulären Amtszeit auf eigenen Wunsch hin“, teilt der Berliner Entertainmentkonzern mit. Quellmalz, der „sich neuen beruflichen Herausforderungen stellen möchte“, kam vor drei Jahren zur Deag und löste damals Christian Diekmann als CFO ab, der zum COO und CDO wurde. Quellmalz kam von dem Anlagenbauer KHD Humboldt Wedag International, wo er seit 2013 CFO war.

Bei seinem Amtsantritt stand Quellmalz vor einer großen Herausforderung: Der Konzertveranstalter hatte wegen eines geplatzten Rockfestivals am Nürburgring 2015 mehr als 20 Millionen Euro verloren, und das bei einem Konzernumsatz von lediglich 200 Millionen Euro damals. Es war der Versuch des Unternehmens, ins Festivalgeschäft einzusteigen, um weniger abhängig vom schwankenden Konzertstammgeschäft zu werden.

Deag platzierte Mittelstandsanleihe

In der Folge stritt Deag vor Gericht um die verlorenen Gelder. Die Verluste belasteten auch das Eigenkapital stark – von den einst 30 Prozent vor dem Ausbau des Festivalgeschäfts blieb nur weniger als die Hälfte übrig. Um gegenzusteuern platzierte der neue Finanzchef Quellmalz unter anderem im Sommer 2016 eine Wandelanleihe über insgesamt 5,1 Millionen Euro. Rund ein Jahr später sammelte Deag bei einer Kapitalerhöhung rund 5 Millionen Euro ein.

Inzwischen hat sich die Lage bei Deag entspannt. Im Herbst sammelte der Finanzchef 25 Millionen Euro über eine Mittelstandsanleihe ein, die auf große Nachfrage stieß. Gemessen am Kupon von 6 Prozent stufte der Markt das Papier allerdings als Hochzinsanleihe mit spekulativem Charakter ein. Mit dem frischen Kapital hat Deag Anfang dieses Jahres die restlichen Anteile von 24,9 Prozent am Ticketshop MyTicket von dem Medienkonzern Axel Springer übernommen

Deag steuert auf eines der besten Jahre zu

Auch die Unternehmenszahlen entwickelten sich positiv: Im dritten Quartal 2018 stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 65 Prozent auf 34,9 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verließ den roten Bereich und verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr von minus 1,2 Millionen Euro auf ein kleines Plus von 100.000 Euro. Es war das erste positive Ebit im dritten Quartal seit 2012. Die Eigenkapitalquote erholte sich im dritten Quartal immerhin von 9,6 auf 14,3 Prozent.

Für das Gesamtjahr 2018 erwartet Deag einen Umsatz von 200 Millionen Euro und einen Gewinn vor Steuern von mehr als 10 Millionen Euro – es wäre eines der besten Jahre der Firmengeschichte. Für den neuen Finanzchef Roman Velke ist das zumindest ein guter Rückenwind – wenn auch nach wie vor die Herausforderung bleibt, Deag vom klassischen Konzertgeschäft unabhängiger zu machen.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de