Die US-Amerikaner Thor Industries wollen den Hymer-Deal nachverhandeln.

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25.01.19
Deals

M&A-Deals: Hymer, Heideldruck, Deag

Thor Industries will den Milliardendeal mit Hymer nachverhandeln, Heidelberger Druckmaschinen findet einen chinesischen Ankeraktionär und Deag kauft Axel Springer bei MyTickets heraus. Diese und andere M&A-Deals finden Sie in unserem FINANCE-Wochenrückblick.

Thor Industries will Hymer-Übernahme nachverhandeln

Die Übernahme des schwäbischen Caravanherstellers Hymer durch Thor Industries schien eigentlich in trockenen Tüchern: Aufgrund einer laufenden Untersuchung bei der Nordamerika-Tochter von Hymer will der US-Wettbewerber das Nordamerika-Geschäft nun aus dem Deal herausnehmen. Wie Hymer mitteilte, wurden bei der Erwin Hymer Group North America Unregelmäßigkeiten im Berichtswesen gefunden. Mehrere Manager der Nordamerika-Tochter wurden bereits suspendiert, so Hymer weiter.

Es ist noch unklar, wie sich der Ausschluss des Nordamerikageschäfts auf den im September 2018 verkündeten Milliardendeal auswirkt. Thor fordert jedoch, dass der Kaufpreis und Verbindlichkeiten angepasst werden, die der US-Konzern im Zuge der Transaktion übernehmen wird. Hymer soll jedoch weiterhin die vereinbarten 2,3 Millionen Aktien erhalten. Thor erwartet den Abschluss der Übernahme im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres, was am 30. April endet.

Heidelberger Druck holt chinesischen Investor ins Boot

Der Maschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen hat in dem chinesischen Unternehmen Masterwork Group einen strategischen Ankeraktionär gefunden. Der chinesische Hersteller von Bogenstanzen und Heißfolienprägemaschinen soll sich über eine Barkapitalerhöhung mit rund 8,5 Prozent am Grundkapital von Heidelberger Druckmaschinen beteiligen.

Die entsprechende Kapitalmaßnahme soll voraussichtlich bis Ende des ersten Kalenderquartals 2019 umgesetzt werden, wobei der Ausgabepreis der Aktien 2,68 Euro betragen soll. Die relevanten Gremien beider Seiten sowie die chinesischen Behörden müssen noch zustimmen. Heidelberger Druckmaschinen und Masterwork führen seit 2013 eine Vertriebspartnerschaft.

Deag kauft Axel Springer bei MyTicket heraus

Die Deag Deutsche Entertainment Aktiengesellschaft übernimmt 24,9 Prozent der Anteile am Ticketshop MyTicket von dem Medienkonzern Axel Springer. Damit hält Deag künftig 100 Prozent an MyTicket. Ein Kaufpreis wurde nicht genannt.

Der Konzertveranstalter Deag möchte international expandieren und Minderheiten sukzessive reduzieren, um den eigenen Aktienwert zu steigern. Wie die Deag weiter mitteilte, sei ab Sommer 2019 eine Zusammenarbeit mit dem Schweizer Ticketing-Software-Anbieter SecuTix geplant.

Weitere Meldungen

Der Heidelberger Zahlungsverkehrsdienstleister Heidelpay Group übernimmt die Frankfurter Universum Inkasso Gruppe, einen Anbieter für den White Label-Rechnungskauf. Das Bundeskartellamt hat dem Deal bereits zugestimmt. Der Kaufpreis ist nicht bekannt. Heidelpay hatte zuvor bereits den österreichischen Zahlungsanbieter mPAY24 sowie den Hamburger Zahlungsverkehrsdienstleister StarTec Payment & Service übernommen. Der Fintech-Dienstleister und sein hinter ihm stehender Private-Equity-Fonds Anacap wurden bei dem Erwerb von Universum von der M&A-Beratung Skye Partners (Federführung: Holger Scheer) begleitet.

Der Stuttgarter Autobauer Daimler gibt seine Hälfte an dem E-Motorenhersteller EM-motive an den Joint-Venture-Partner Bosch ab, wie der Autozulieferer mitteilte. Daimler bleibe weiterhin Kunde von EM-motive, stellt mit dem Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen aber keine eigenen E-Motoren mehr her. 

Der Rüstungskonzern Rheinmetall gründet mit dem britischen Wettbewerber BAE Systems das Gemeinschaftsunternehmen BAE Systems Land UK. An dem Joint Venture halten die Deutschen 55 Prozent, die restlichen Anteile liegen bei den Briten. Dem „Handelsblatt“ zufolge wollen sich die Düsseldorfer mit dem Deal einen Großauftrag der Regierung in London sichern, der von Experten auf rund zwei Milliarden Euro geschätzt werde.

Der Finanzinvestor Waterland übernimmt das Healthcare-Unternehmen Rehacon aus Gelsenkirchen. Rehacon betreibt mehr als 100 Reha-Therapiezentren und wurde 1992 von dem Physiotherapeuten Michael Reeder gegründet. Reeder verkauft seine Anteile, hat sich mit einem Teil des Verkaufserlöses aber wieder rückbeteiligt und bleibt auch Geschäftsführer. Mit 600 Mitarbeitern erwirtschaftet Rehacon einen Umsatz von 36 Millionen Euro. Zu finanziellen Details der Transaktion und zu den beteiligten Beratern wurden keine Angaben gemacht.  

Der Internethändler für Druckerpatronen und Toner Media-Concept Bürobedarf hat mit der Bayerischen Beteiligungsgesellschaft einen neuen Finanzinvestor gefunden. Eigenen Angaben zufolge übernehme die BayBG dabei eine stille Beteiligung in substantieller Höhe. Weiterer Gesellschafter ist der Private-Equity-Investor Hannover Finanz. Media-Concept beschäftigt über 100 Mitarbeiter und setzt jährlich rund 100 Millionen Euro um.

Der Baumaterialienhersteller China National Building Materials (CNBM) erwirbt weitere 3,64 Prozent der Anteile an dem deutschen Maschinenbauer Singulus. CNBM hatte im September 2018 bereits in einem ersten Schritt rund 13,11 Prozent der Anteile des Maschinenbauers übernommen und den Kauf weiterer 3,64 Prozent Aktien in einem zweiten Schritt angekündigt.

Die Presse-Grosso-Unternehmen Leverdy (Leverkusen), Wilhelm Schmitz (Duisburg), PMG Print Medien Gesellschaft (Gelsenkirchen) und Keppel (Krefeld) haben sich zu dem Gemeinschaftsunternehmen Qtrado zusammengeschlossen. Damit entsteht Deutschlands größter Pressegroßhändler mit einem konsolidierten Umsatz von rund 250 Millionen Euro (2017). Den operativen Betrieb will Qtrado mit Hauptsitz in Leverkusen zum April 2019 aufnehmen. Leverdy wurde von Flick Gocke Schaumburg (Federführung: Philipp Rulf), Wilhelm Schmitz von Breidenbach und Partner (Federführung: Ralf Mertens), PMG von Luther (Federführung: Arnd Becker) und Keppel von Hoffmann Liebs (Federführung: Claus Eßers) beraten. Für alle Fusionsteilnehmer wurden zudem Flick Gocke Schaumburg, Gleiss Lutz sowie Bürger & Bischoff tätig.

Der zum Private-Equity-Investor Equistone gehörende Digital-Dienstleister PIA Performance Interactive Alliance übernimmt die Digitalagentur UDG United Digital Group. Verkäufer ist der Finanzinvestor EQT. Über Details der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart. Der Abschluss des Deals wird für Ende Februar 2019 erwartet, wobei die zuständigen Kartellbehörden diesem noch zustimmen müssen. Equistone wurde beim Kauf von KPMG (Financial & Tax), Renzenbrink & Partner (Legal M&A), Ashurst (Legal Financing) und GCA Altium (Financing) beraten.

Der deutsch-niederländische Finanzinvestor Main Capital verkauft das Softwareunternehmen Axxerion an die Nemetschek Group, einen Münchener Softwareanbieter für den Bausektor. Main Capital hatte 2016 in Axxerion investiert, um sein Portfolio im Bereich Real Estate zu erweitern. Dieser Strategie folgend hat Axxerion im September 2018 den Immobiliensoftwareanbieter Plandatis erworben.

Die Beteiligungsgesellschaft Harald Quandt Industriebeteiligungen hat Ende Dezember 2018 die Procilon Group übernommen, einen Anbieter von Softwarelösungen für Informationssicherheit und Datenschutz mit Sitz in Leipzig. Firmengründer Steffen Scholz soll aktiver Mitgesellschafter bleiben. Über weitere Details der Transaktion wurde Stillschweigen vereinbart. Beim Kauf wurde Harald Quandt Industriebeteiligungen von der Wirtschaftskanzlei Gütt Olk Feldhaus (Federführung: Sebastian Olk, Kilian Helmreich) beraten. Procilon wurde von der Wirtschaftskanzlei CMS (Federführung: Jörg Lips) unterstützt.

Der Arzneimittelhersteller Dermapharm erwirbt den spanischen Kräuterextrakthersteller Euromed und das deutsche Verpackungsunternehmen CFP Packaging. Mit der Übernahme von Euromed erwägt Dermapharm die Einführung eigener Produkte auf dem spanischen Markt. 2019 wird ein Umsatz von rund 70 Millionen Euro für Euromed erwartet. Für CFP Packaging hat Dermapharm vorgesehen, die Produktion und die Arbeitsplätze noch im Laufe des Jahres 2019 in den nahe gelegene Hauptproduktionsstandort von Dermapharm nach Brehna zu verlagern.

Der Private-Equity-Investor Perusa hat im Rahmen eines Management-Buy-outs den Werbeartikel-Hersteller Senator und dessen Tochtergesellschaften an den Geschäftsführer von Senator, Daniel Jeschonowski, verkauft. Senator beschäftigt rund 300 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2017 einen Umsatz von rund 40 Millionen Euro. Die Wirtschaftskanzlei Gütt Olk Feldhaus (Federführung: Sebastian Olk, Tilmann Gütt) hat Perusa bei der Veräußerung unterstützt.

Eine Gruppe von Investoren, angeführt von der Beteiligungsgesellschaft Crosslantic, übernimmt den Toilettenpapierhersteller Hakle mit Sitz in Düsseldorf von dem Luxemburger Private-Equity-Fonds Palero. Crosslantic ist in den letzten Jahren bereits ein Mitgesellschafter von Hakle gewesen. Die M&A-Beratung Saxenhammer hat die Investorengruppe bei der Übernahme beraten.

Das Technologieunternehmen Freudenberg mit Sitz in Weinheim verkauft seine IT-Sparte Freudenberg IT an das kanadische IT-Unternehmen Syntax Systems, hinter dem der kanadische Finanzinvestor Novacap steht. Die Höhe des Kaufpreises soll nicht genannt werden. Die Kartellbehörden müssen dem Deal noch zustimmen. Freudenberg wurde von der Kanzlei Freshfields (Federführung: Marius Berenbrok) unterstützt. Novacap und Syntax wurden von Hengeler Mueller und der Bostoner Kanzlei Choate Hall & Stewart beraten.

Der Luxemburger Immobilienfonds Aermont kauft den deutschen Projektentwickler für Wohnimmobilien Wilma Immobilien von der Wilma Europe Holding. Die Parteien vereinbarten Stillschweigen über den Kaufpreis. Die zuständigen Behörden müssen dem Deal noch zustimmen. Wilma Europe wurde beim Verkauf von der Wirtschaftskanzlei White & Case (Federführung: Holger Wolf, Stefan Koch) beraten.

Die Fremaux-Delorme-Gruppe, ein französischer Hersteller von Bett-, Bad- und Tischwäsche, erwirbt eine Mehrheitsbeteiligung an dem Schweizer Hersteller von luxuriösen Heimtextilien Christian Fischbacher Bed & Bath. Die CF Holding wurde beim Verkauf von der M&A-Beratung Proventis Partners begleitet.

Die Beteiligungsgesellschaft Avedon kauft das sächsische Unternehmen Spindel- und Lagerungstechnik Fraureuth (SLF). Die Parteien haben über die Transaktionsdetails Stillschweigen vereinbart. Der Hersteller von Industrielagern und Spindeln beschäftigt rund 400 Mitarbeiter. Das Beratungsunternehmen Oaklins (Federführung: Florian von Alten, Christian Jellentrup) und die Wirtschaftskanzlei KMS Krauß Mäckler (Federführung: Jörg Krauß) haben die Gesellschafter von SLF unterstützt. Die Käuferseite wurde unter anderem von Mayer Brown (Federführung: Joachim Modlich) beraten.

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