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Delivery-CFO Emmanuel Thomassin liefert künftig in London ab

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Delivery Heros langjähriger CFO Emmanuel Thomassi räumt im Herbst seinen Posten. Ihn zieht es nach London. Foto: Delivery Hero/Montage: FINANCE
Delivery Heros langjähriger CFO Emmanuel Thomassi räumt im Herbst seinen Posten. Ihn zieht es nach London. Foto: Delivery Hero/Montage: FINANCE

Emmanuel Thomassin liefert bald woanders ab. Der CFO der Lieferplattform Delivery Hero wird Ende September seinen Posten räumen. Das gab das MDax-Unternehmen am heutigen Montag bekannt. Thomassin wolle sich künftig „einer anderen beruflichen Herausforderung“ widmen, heißt es in der Mitteilung. Diese wird er in Großbritannien finden, wo er im Oktober beim Londoner Zahlungsdienstleister Wise als CFO starten wird.

Er folgt auf den bisherigen CFO Matthew Briers, der das Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt hat. Bis Oktober wird Kingsley Kemish, Senior Group Financial Director, den CFO-Posten interimistisch ausführen.

Bei Delivery Hero ist Thomassins Nachfolge noch nicht gesichert. Derzeit sei der Aufsichtsrat des Unternehmens damit befasst, seine Nachfolge zu evaluieren, „um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten“.

Thomassin war zehn Jahre bei Delivery Hero

Der Finanzexperte war im Januar 2014 als CFO zur Lieferplattform gekommen und demnach zehn Jahre für das Unternehmen tätig. In dieser Zeit hat er unter anderem den Börsengang von Delivery Hero im Sommer 2017 begleitet. Der IPO hatte ein Volumen von fast 1 Milliarde Euro erreicht und erzielte am ersten Handelstag eine Marktkapitalisierung von rund 4,4 Milliarden Euro. Zwischen 2020 und 2022 war das Unternehmen sogar im Dax vertreten.

In den vergangenen Jahren hat Thomassin einige finanzielle Großprojekte des Unternehmens umgesetzt: Für Delivery Hero verkaufte er etwa im Dezember 2018 das Deutschlandgeschäft an den niederländischen Konkurrenten Takeaway für 930 Millionen Euro oder verkaufte zuletzt im Januar dieses Jahres Deliveroo. Aber die Lieferplattform hat auch Geschäft übernommen: Sie kaufte etwa Talabat und Zomato, 2019 für 4 Milliarden US-Dollar den südkoreanischen Lieferdienst Woowa Brothers sowie 2020 den Bringdienst Instashop für 360 Millionen Dollar.

MDax CFOs: Thomassin verdiente am wenigsten

Das FINANCE-Gehaltsranking der MDax-CFOs zeigte im vergangenen Jahr: Mit 418.000 Euro verdiente er satte 3,9 Millionen Euro weniger als Top-Verdiener Thomas Olemotz von Bechtle. Grund für diese enormen Gehaltsunterschiede ist der Long-Term Incentive (LTI) von Thomassin, der aus jährlichen Tranchen in Form von Aktienoptionen besteht.

2021 waren dem CFO aus dieser Vergütungskomponente 11,2 Millionen Euro ausgezahlt worden. Im Geschäftsjahr 2022 erhielt der Manager jedoch keine LTI-Zahlungen, weswegen sein Salär lediglich aus seinem Fixgehalt von 350.000 Euro sowie aus Kurzzeitboni in Höhe von 68.000 Euro bestand. Damit ist er der einzige MDax-CFO, dessen Gehalt 2022 nicht die 500.000-Euro-Marke überschritten hat.

Der Aufsichtsrat findet lobende Abschiedsworte für den scheidenden CFO: Martin Enderle, Vorsitzender des Aufsichtsrats bei Delivers Hero betont den unermüdlichen Einsatz und das Engagement von Thomassin für das Unternehmen. „Er war zweifellos eine treibende Kraft hinter dem finanziellen Erfolg und der Stärke des Unternehmens während seiner langen Amtszeit als CFO“, so Enderle.

Delivery-Hero-Aktie im Sinkflug

Seit über einem Jahr bewegt sich der Aktienkurs der Lieferplattform auf einem niedrigen Niveau. Der Aktienhöchstwert von mehr als 130 Euro pro Aktie liegt bereits über zwei Jahre zurück. Seit Jahresbeginn liegt der Aktienpreis bei ungefähr 25 Euro. Am heutigen Montagvormittag zeichnet die Aktie einen Kurs von 25,47 Euro pro Aktie.

Im ersten Halbjahr 2023 konnte Delivery Hero den Umsatz um mehr als 11 Prozent auf rund 22 Milliarden Euro steigern. Aufhorchen lässt aber speziell das bereinigte Ebitda, das nach den ersten sechs Monaten 2023 mit 9,2 Millionen Euro einen positiven Wert erreichte.

Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2022 stand hier ein sattes Minus von 323 Millionen Euro zu Buche. Delivery Hero spricht daher im Halbjahresbericht auch von einem „signifikanten Meilenstein auf dem Weg in Richtung Profitabilität“. Für das Gesamtjahr 2023 erwartet Delivery Hero ein Wachstum von rund 15 Prozent beim Gesamtumsatz.

Esra Laubach ist Redakteurin bei FINANCE und widmet sich schwerpunktmäßig den Themen Transformation, Restrukturierung und Recht. Sie ist Sprach- und Kommunikationswissenschaftlerin. Vor FINANCE war sie rund fünf Jahre als Legal-Journalistin für den Juve Verlag in Köln tätig, wo sie auch ihr journalistisches Volontariat absolvierte. Esra Laubach arbeitete während ihres Studiums multimedial u.a. für das ARD-Morgenmagazin, mehrere Zeitungen und moderierte beim Hochschulradio Kölncampus.