Praktiker

25.01.13
CFO

FINANCE-Exklusiv: Der Stuhl von Praktiker-CFO Schürholz wackelt

Praktiker-CFO Markus Schürholz hat ein schwieriges Jahr hinter sich. Bei der Restrukturierung der Verbindlichkeiten und im Umgang mit Investoren zog er viel Kritik auf sich. Wie FINANCE jetzt erfahren hat, wackelt Schürholz‘ Stuhl – jetzt läuft die Suche nach einem Nachfolger.

Der 28. Januar 2013 dürfte ein wichtiges Datum für Praktiker-CFO Markus Schürholz werden. Am kommenden Montag tagt der Aufsichtsrat der Baumarktkette. Wie FINANCE aus informierten Kreisen erfahren hat, soll das Gremium, das Aufsichtsratschef Erhard Grossnigg leitet, über die CFO-Personalie diskutieren. Finanzchef Markus Schürholz ist angeschlagen und scheint den Rückhalt im Aufsichtsrat verloren zu haben, Personalberater suchen bereits nach einem Nachfolger für den 48-Jährigen, heißt es gegenüber FINANCE.

Hinter CFO Schürholz liegt ein extrem anstrengendes Jahr 2012, das weitgehend von den Finanzquerelen der Baumarktkette bestimmt wurde. Mehrfach schrammte Praktiker an der Insolvenz vorbei, bis im Herbst schließlich ein neues Finanzierungskonzept unter Einbindung der Wiener Privatbank Semper Constantia beschlossen und – mit einigem Stolpern – umgesetzt wurde.

Das neue Jahr startete nicht weniger anstrengend: Am 9. Januar musste die Baumarktkette einen Vertreter für die Anleihegläubiger bestimmen. Investoren, die Praktiker zu dem Schritt drängten, machen sich nicht ohne Grund große Sorgen um die Rückzahlung des Papiers. Bereits im Frühjahr 2012  hatte der ehemalige CEO Thomas Fox einen Anlauf genommen, die Zinszahlungen zu reduzieren, und war damit durchgefallen. Den besagten Bond über 250 Millionen Euro hatte Markus Schürholz im Februar 2011 begeben. Noch im gleichen Jahr wurde die Misere von Praktiker bekannt, die sich dann vergangenes Jahr zuspitzte. Dies wird ihm heute zur Last gelegt. In der Kommunikation mit den Investoren und auf der Hauptversammlung attestieren Beobachter dem CFO kein glückliches Händchen.

Abgang bei Escada

Der Verlust seiner Position bei Praktiker wäre ein herber Dämpfer für die Karriere des Finanzexperten, in der es bislang trotz nicht immer exzellenter Ergebnisse immer aufwärts ging. Der gebürtige Düsseldorfer studierte BWL und begleitete in den neunziger Jahren verschiedene Positionen im Haniel-Konzern. Kaufmännischer Geschäftsführer wurde er zur Jahrtausendwende beim Arzneimittelhändler Ratiopharm, darauf folgte ein Zwischenspiel beim Parfümhändler Douglas.

Eine schwierige Mission übernahm Schürholz als CFO von Escada im Jahr 2006, die in der Insolvenz im Ende 2009 endete. Ironie des Schicksals: Damals war eine Anleihe, die sich nicht restrukturieren ließ, der Sargnagel für den Münchener Modekonzern. Schürholz verließ Escada, und der ehemalige Premiere-CFO Michael Börnicke übernahm das Ruder. Nun droht sich für Schürholz diese Episode bei Praktiker zu wiederholen.

markus.dentz[at]finance-magazin.de