Jenoptik-CFO Rüdiger Andreas Günther verlässt überraschend den Tech-Konzern.

Jenoptik

02.05.14
CFO

Jenoptik verliert CFO Rüdiger A. Günther

Finanzchef Rüdiger Andreas Günther will spätestens im nächsten Frühjahr den Technologiekonzern Jenoptik verlassen. FINANCE-Informationen zufolge geht Günther wegen unterschiedlicher Vorstellungen zur Umsetzung der geplanten Wachstumsstrategie.

Der TecDax-Konzern Jenoptik verliert seinen Finanzvorstand: Rüdiger Andreas Günther will seinen Ende März 2015 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Der Aufsichtsrat hat die Entscheidung „mit großem Bedauern” zur Kenntnis genommen, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens heißt. Offenbar traf Günthers Ankündigung das Unternehmen unvorbereitet,  ein Nachfolger wurde noch nicht präsentiert. Dies soll aber „schnellstmöglich“ geschehen, teilte Jenoptik mit.

Der 55-jährige Betriebswirt und Ex-Investmentbanker Günther ist erst  seit April 2012 Finanzvorstand bei Jenoptik und verantwortete die Bereiche Rechnungswesen, Controlling, Treasury, Steuern, Risikomanagement und Compliance, M&A, Investor Relations sowie das strategische Management des Immobilienportfolios. Seit seinen früheren CFO-Mandaten bei Claas, Infineon und Arcandor zählt Günther zu den bekanntesten CFOs Deutschlands.

FINANCE-Informationen aus dem Umfeld des Unternehmens zufolge ist Günthers Abgang aber noch nicht endgültig beschlossene Sache. Allerdings schwillt bei Jenoptik intern seit längerem eine Debatte über die Vehemenz, mit der die geplante rasche Expansion des Technologieunternehmens vorangetrieben werden soll. Günther gilt als Verfechter einer offensiveren Wachstumsstrategie, die auch größere Akquisitionen und Investitionen nicht scheut. Manche Großaktionäre sollen hingegen eher kurzfristigen Ertragsoptimierungen den Vorzug geben.

Rüdiger A. Günther für wichtiges Optimierungsprojekt verantwortlich

Neben der Umsetzung der Wachstumsstrategie ist die Modernisierung der Finanzabteilung und der unternehmensweiten IT-Landschaft, insbesondere im Controllingbereich, Günthers wichtigstes Projekt bei Jenoptik. Günther hat dieses Vorhaben bei seinem Amtsantritt von CEO Michael Mertin übernommen. Für das IT-Projekt „Jenoptik One ERP“ (JOE) nimmt Jenoptik rund 20 Millionen Euro in die Hand, wie Günther im Interview mit FINANCE-TV berichtete.

Als Ziel des Projekts gab Günther an, Jenoptik zu einer schlagkräftigen, transparenten Hochleistungsorganisation zu machen – laut Günther eine wichtige Voraussetzung für die geplanten Wachstumsinitiativen in Asien und Nordamerika. Günthers Kündigung stehe nicht mit etwaigen aktuellen Entwicklungen bei JOE im Zusammenhang, erklärte eine Jenoptik-Sprecherin gegenüber FINANCE: „Rüdiger Günther wird bis zu einem Ausscheiden aus dem Vorstand für die Projekte verantwortlich bleiben.“ Auch nach der Ernennung eines neuen Finanzchefs solle JOE wie geplant fortgesetzt werden: „Unsere Exzellenzprogramme inklusive JOE sind strategische Projekte. Im Zuge der Veränderung an der Spitze des Finanzressorts wird es zu keinen Veränderungen am Set-up und den Zeitplänen der Projekte kommen.“   

Aktienkurs seit Günthers Amtsantritt mehr als verdoppelt

Die Personalie hat den Kapitalmarkt überrascht. Jenoptik hatte erst vor einem Monat gute Zahlen für 2013 vorgelegt und befindet sich auf Wachstumskurs. Zusammen mit Vorstandschef Mertin hatte Günther seit seinem Amtsantritt den Umsatz auf 600 Millionen Euro gesteigert. Die Nettoverschuldung konnte allein 2013 von 74,5 Millionen Euro auf 44,1 Millionen Euro reduziert werden, die Eigenkaptalquote verbesserte sich auf 53 Prozent. Für das laufende Jahr hatte Günther ein Umsatzwachstum von mindestens 5 Prozent in Aussicht gestellt. Von Günther weiß man, dass er das Marktpotential der Jenoptik-Technologien und -Patente noch lange nicht für ausgeschöpft hält. 

Die positive Geschäftsentwicklung spiegelt sich auch im Aktienkurs wider: Seit Günthers Amtsantritt stieg dieser von 5,50 Euro auf 12 Euro. Anfang April hatte allerdings der drittgrößte Aktionär, die Münchener Rück-Tochter Ergo, ihren Jenoptik-Anteil von 8,5 Prozent verkauft und damit für leichten Kursdruck gesorgt. Es gibt auch Spekulationen, wonach der mit 14 Prozent größte Aktionär, die österreichische Unternehmerfamilie Humer, einen Ausstieg erwägt. Sollten die Österreicher tatsächlich in naher Zukunft aussteigen, könnten die Karten für die künftige Besetzung des Jenoptik-Finanzressorts noch einmal neu gemischt werden.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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