Klöckner & Co

30.07.19
CFO

Klöckner & Co bekommt wieder einen CFO

Klöckner & Co-Chef Gisbert Rühl gibt die Verantwortung für das Finanzressort an das Konzernurgestein Oliver Falk ab. Grund ist eine größere Verschiebung im Management des Stahlhändlers.

Der Stahl- und Metallhändler Klöckner & Co bekommt wieder einen ausschließlich für das Finanzressort verantwortlichen Finanzchef: Anfang August wird Oliver Falk neuer CFO. Der 57-Jährige übernimmt von Vorstandschef Gisbert Rühl, der das Finanzressort seit dem Weggang des hoch angesehenen Marcus Ketter im Mai schon zum zweiten Mal in seiner Amtszeit in Personalunion mit betreut hatte.

Ursächlich für den Wechsel an der Spitze des Finanzbereichs ist der Rücktritt von Chief Operating Officer Jens Wegmann. Einen Teil von dessen Aufgaben – die Führung des operativen Geschäfts von Klöckner & Co in Europa – übernimmt nun Rühl, der dafür die Finanzverantwortung an Falk abgibt.

Dritter Vorstand neben Rühl und Falk wird der Chef des Nordamerikageschäfts John Ganem. Die neu formierte Führungsspitze plant, den durch sinkende Stahlpreise in Bedrängnis geratenen Traditionskonzern dezentraler aufzustellen und die Holding auf ihre Kernaufgaben zurückzubauen.

Oliver Falk arbeitet seit 25 Jahren für Klöckner & Co

Der neue CFO arbeitet bereits seit mehr als 25 Jahren im Klöckner-Konzern. Nach dem BWL-Studium mit anschließender Promotion in der Universität zu Köln arbeitete Falk zunächst im Controlling und übernahm später die CFO-Position zuerst in der Chemie- und später dann auch in der Metallhandelssparte. Seit 2012 ist er CFO der Deutschlandaktivitäten, seit 2017 darüber hinaus aller europäischen Geschäfte. Dort erwirtschaften 3.500 Mitarbeiter einen Umsatz von 2 Milliarden Euro. Das ist knapp ein Drittel des aktuellen Konzernumsatzes.

Erstaunlich mutet an, dass Klöckner Falk ausgerechnet jetzt befördert. Sowohl als der damalige CFO Rühl 2009 zum Vorstandschef aufstieg als auch bei der Berufung von Marcus Ketter drei Jahre später kam Falk nicht zum Zug – und auch nicht im Februar, als Ketter seinen Wechsel zum Anlagenbaukonzern Gea ankündigte. Ein Unternehmenssprecher ordnete diesen Umstand auf FINANCE-Anfrage hin jedoch anders ein: „Oliver Falk ist seit 1992 in relevanten Führungspositionen in unserem Unternehmen tätig und damit auch in der Tiefe mit dem operativen Geschäft vertraut. Wir sind überzeugt, dass die Kombination von finanztechnischer und operativer Erfahrung eine exzellente Voraussetzung ist, die Funktion des CFO auszufüllen.“

FINANCE-Köpfe

Marcus A. Ketter, GEA Group

1993 beginnt Ketter als Controller beim Essener Energieerzeuger Steag. Zwei Jahre später leitet er das Vorstandsbüro des Unternehmens. Im Januar 1998 beginnt er sein MBA-Studium an der Columbia Business School in New York. Nach seinem Abschluss im Mai 1999 geht er als Vice President Finanzen und Controlling zur Steag RTP Systems im Silicon Valley. Ketter wird nach der Übernahme von Steag RTP durch die an der Nasdaq notierte Mattson Technology deren Vice President Treasurer.

Im Januar2003 wechselt Ketter zu ThyssenKrupp und hat dort verschiedene Führungspositionen inne: Unter anderem als Senior Vice President Controlling, M&A und IT der ThyssenKrupp Services und zuletzt als kaufmännischer Geschäftsführer von ThyssenKrupp Elevator (CENE). Von Juli 2011 bis Ende 2012 ist Ketter Finanzvorstand und Arbeitsdirektor des im SDax notierten Anlagenbauers Schuler in Göppingen, der dann von der Andritz AG aus Graz übernommen wird. Zum Januar 2013 wechselt Ketter als Finanzvorstand zu dem im SDax notierten Duisburger Stahl- und Metallhändler Klöckner & Co.

Im Februar 2019 wird bekannt, dass Ketter das Unternehmen verlässt, um ab Mitte Mai den CFO-Posten bei dem Maschinenbauer Gea zu übernehmen. 

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Klöckner & Co kämpft gegen die Flaute am Stahlmarkt

Der Zeitpunkt für Falks Aufstieg in den Vorstand ist freilich kein leichter. Der weltweite Einbruch der Stahlpreise sowie die rückläufige Nachfrage aus der Automobilindustrie hinterlassen auch in den Zahlen von Klöckner & Co tiefe Spuren. Erst vor einer Woche musste das Unternehmen die Gewinnprognosen kürzen. Der Aktienkurs ist unter 5 Euro gefallen und liegt auf einem historischen Tiefstand.

Um von den Preisbewegungen am Stahlmarkt nicht mehr so stark abhängig zu sein, hat Rühl dem Konzern eine Digitalisierungsoffensive verordnet, die auch Ex-Finanzchef Ketter stark vorantrieb. Unter anderem digitalisiert Klöckner die Bestellprozesse seiner Kunden, baut aber auch eine konzernunabhängige Online-Handelsplattform für Stahl und Metalle auf, deren Betrieb höhere Margen abwerfen soll als die traditionelle Belieferung von Industriekunden mit Stahlprodukten. Im ersten Quartal erwirtschafteten die Duisburger schon 27 Prozent ihrer Umsätze über digitale Kanäle. Das sind 8 Prozentpunkte mehr als im Vorjahreszeitraum – aber immer noch zu wenig, um die aktuelle Marktschwäche aufzufangen.


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