Von Klöckner & Co zu Gea: Finanzchef Marcus Ketter wechselt die Seiten und wird Nachfolger des in Ungnade gefallenen Helmut Schmale.

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12.02.19
CFO

Gea wirbt Klöckner-CFO ab

CFO Marcus Ketter verlässt den Stahlhändler Klöckner, um bei Gea anzuheuern. Bei dem Maschinenbauer soll Ketter das ramponierte Image am Kapitalmarkt wiederherstellen – und bekommt dabei Hilfe von einem alten Weggefährten.

Gea hat nach langer Suche einen neuen CFO gefunden: Marcus Ketter, seit 2013 Finanzvorstand des Duisburger Stahlhändlers Klöckner & Co, wird am 20. Mai den CFO-Posten bei dem Maschinenbauer übernehmen. Der bisherige Finanzchef Helmut Schmale wird dann aus dem Unternehmen ausscheiden, wie Gea mitteilte.

Das Unternehmen hatte die Trennung von dem inzwischen 62-jährigen Schmale bereits im April vergangenen Jahres angekündigt. Nach wiederholten Gewinnwarnungen war Schmale, der seit zehn Jahren das Finanzressort von Gea leitet, nicht mehr zu halten. Der Aufsichtsrat beugte sich dem Druck des Kapitalmarkts und teilte mit, Schmale werde seinen bis 2021 laufenden Vorstandsvertrag nicht mehr erfüllen. Einen genauen Zeitpunkt für den Abgang des CFOs nannte das Unternehmen damals nicht.

Bei Gea trifft Marcus Ketter auf einen alten Kollegen

Knapp ein Jahr später hat Gea mit der Verpflichtung Ketters nun einen neuen Finanzchef gefunden. Dieser trifft bei den Düsseldorfern auf einen alten Bekannten: In der kommenden Woche übernimmt Stefan Klebert den Chefposten bei Gea. Klebert und Ketter hatten von Juli 2011 bis Ende 2012 bereits zusammen bei dem Industriekonzern Schuler gearbeitet – in gleicher Rollenverteilung wie künftig bei Gea: Klebert als CEO, Ketter als Finanzvorstand und Arbeitsdirektor.

Allerdings verließ Ketter den Göppinger Pressenhersteller nach der Übernahme durch den österreichischen Anlagenbauer Andritz und heuerte Anfang 2013 als CFO bei Klöckner & Co an. Der Wechsel zu den Duisburgern katapultierte Ketter vom SDax in den MDax, doch 2016 stieg Klöckner aus dem Auswahlindex ab. 

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Marcus A. Ketter, GEA Group

1993 beginnt Ketter als Controller beim Essener Energieerzeuger Steag. Zwei Jahre später leitet er das Vorstandsbüro des Unternehmens. Im Januar 1998 beginnt er sein MBA-Studium an der Columbia Business School in New York. Nach seinem Abschluss im Mai 1999 geht er als Vice President Finanzen und Controlling zur Steag RTP Systems im Silicon Valley. Ketter wird nach der Übernahme von Steag RTP durch die an der Nasdaq notierte Mattson Technology deren Vice President Treasurer.

Im Januar2003 wechselt Ketter zu ThyssenKrupp und hat dort verschiedene Führungspositionen inne: Unter anderem als Senior Vice President Controlling, M&A und IT der ThyssenKrupp Services und zuletzt als kaufmännischer Geschäftsführer von ThyssenKrupp Elevator (CENE). Von Juli 2011 bis Ende 2012 ist Ketter Finanzvorstand und Arbeitsdirektor des im SDax notierten Anlagenbauers Schuler in Göppingen, der dann von der Andritz AG aus Graz übernommen wird. Zum Januar 2013 wechselt Ketter als Finanzvorstand zu dem im SDax notierten Duisburger Stahl- und Metallhändler Klöckner & Co.

Im Februar 2019 wird bekannt, dass Ketter das Unternehmen verlässt, um ab Mitte Mai den CFO-Posten bei dem Maschinenbauer Gea zu übernehmen. 

zum Profil

Trotz einer schwachen Aktienkursperformance machte sich Ketter bei Klöckner einen Namen als Treiber von Strukturprogrammen:  Zunächst setzte der Volkswirt von 2013 bis 2016 mehrere Effizienzprogramme auf und führte den Stahlhändler gemeinsam mit CEO Gisbert Rühl zurück in die schwarzen Zahlen. Anschließend trieb er die Digitalisierung des Geschäftsmodells mit voran. Klöckner gehört zu den Konzernen aus der Stahlindustrie, die mit der Digitalisierung schon am weitesten vorangekommen sind. 

Gea: Konzern außer Kontrolle?

Ketters Veränderungswille wird bei Gea dringend gebraucht. Der auf die Nahrungsmittelindustrie spezialisierte Maschinenbauer hat seit drei Jahren mit stagnierenden Umsätzen zu kämpfen, die Profitabilität sinkt. Fünf Gewinnwarnungen und Prognoseverfehlungen seit Herbst 2016, irritierende Auftritte auf Investorenkonferenzen und eine Fülle operativer Probleme haben die beiden lange Zeit erfolgreichen Gea-Manager Jürg Oleas und Helmut Schmale viel Ansehen gekostet.

Erst vergangene Woche hatte das Unternehmen seine erst im März 2018 nach unten korrigierten Mittelfristziele für 2022 komplett eingestampft. Diese sahen ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von 3,5 bis 4,5 Prozent vor. Die Marge auf das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sollte bis 2022 auf 13,5 bis 15,5 Prozent steigen. 2018 lag dieser Wert vorläufigen Zahlen zufolge bei 10,5 Prozent.

Für das gerade angelaufene Geschäftsjahr rechnet Gea nun mit einem moderaten Umsatzrückgang. Für das Ebitda erwartet der Konzern einen Rückgang auf 440 bis 480 Millionen. Zum Vergleich: 2018 lag das Ergebnis bis 515 bis 520 Millionen Euro. Die Gea-Aktie verlor daraufhin noch einmal ein Fünftel ihres Wertes. Sebastian Growe, Analyst der Commerzbank, sprach von einem Konzern „außer Kontrolle“.

Die Kontrolle wieder herstellen muss nun das künftige Führungsduo Klebert und Ketter. Für den neuen CFO gab es am Kapitalmarkt bereits erste Vorschusslorbeeren: Die Gea-Aktie legte heute Nachmittag nach Bekanntwerden der Berufung des neuen Finanzchefs um 2 Prozent zu. 

Elliott hat reduziert, ist aber bei Gea immer noch dabei

Das dürfte auch den Gea-Großaktionär GBL freuen. Die Beteiligungsgesellschaft des im Dezember verstorbenen belgischen Investors Albert Frère, die inzwischen von seinem Sohn Gérald geführt wird, ist seit Anfang Dezember mit 8,5 Prozent an Gea beteiligt. Mit Colin Hall sitzt seit kurzem auch ein Vertreter von GBL im Gea-Aufsichtsrat.

Schwieriger könnte für Neu-CFO Ketter das Zusammentreffen mit Vorstandsschreck Paul Singer werden: Dessen Hedgefonds Elliott hat den Anteil an Gea zwar zuletzt leicht reduziert, ist aber immer noch mit über 4 Prozent beteiligt und extrem unzufrieden mit der Performance des Konzerns.

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Der Stahlhändler Klöckner & Co prescht bei der Digitalisierung voran und krempelt seine Finanzabteilung um. CFO Marcus Ketter über seine Spezialeinheit in Berlin und „ein großes Ding“.

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Klöckner holt keinen neuen CFO

Bei Klöckner wird es indes keinen Nachfolger für den Finanzchef geben: CEO Gisbert Rühl wird das Finanzressort künftig mit übernehmen – nicht zum ersten Mal. „Wir haben ein sehr gutes Team unterhalb des Vorstands, das Herrn Rühl unterstützen wird“, erklärte ein Unternehmenssprecher gegenüber FINANCE. Rühl habe von 2009 bis 2012 bereits bewiesen, dass er beide Ämter in Personalunion ausführen könne. „Mit dieser Aufstellung fühlen wir uns für die Zukunft gut gerüstet.“

desiree.backhaus[at]finance-magazin.de

Mehr zu Vita und Karriere-Highlights des neuen Gea-CFOS finden Sie im FINANCE-Köpfe-Profil von Marcus Ketter.