Joachim Preisig (Foto) gibt den CFO-Posten bei Freenet ab. Sein Nachfolger wird Eigengewächs Ingo Arnold.

Freenet

05.10.18
CFO

Langjähriger Freenet-CFO Preisig geht überraschend

Nach rund zehn Jahren bei Freenet verlässt CFO Joachim Preisig den Telekomkonzern. Sein Nachfolger ist am Kapitalmarkt weniger bekannt. Die Aktionäre nehmen den CFO-Wechsel negativ auf.

Freenet bekommt überraschend einen neuen Finanzvorstand: Der langjährige CFO Joachim Preisig verlässt das Telekommunikationsunternehmen zum 31. Dezember auf eigenen Wunsch, heißt es in einer Mitteilung. Er wolle sich neuen Herausforderungen widmen. Wohin es Preisig zieht, ist nicht bekannt. Der Aufsichtsrat respektiere seinen Entschluss und habe „mit großem Bedauern“ den Vertrag von Preisig aufgehoben, heißt es bei Freenet.

Mit Preisig verlässt ein erfahrenes und langjähriges Vorstandsmitglied den Konzern. Vor seiner Zeit bei Freenet hatte der Betriebswirt, der zudem eine Offiziersausbildung in der Schweizer Armee abgeschlossen hat, bereits viele Jahre in der Telekommunikationsbranche gearbeitet, unter anderem bei O2, T-Mobile und der Deutschen Telekom.

2006 wurde Preisig CFO bei dem Mobilfunkanbieter Debitel, der 2008 von Freenet übernommen wurde. In diesem Zuge zog auch Preisig in den Freenet-Vorstand ein, wo er auch für die Integration von Debitel verantwortlich zeichnete. Nach einem kurzen Intermezzo als Interims-CEO war Preisig seit 2010 schließlich CFO von Freenet.

CFO Joachim Preisig hat viele M&A-Deals begleitet

In seiner Zeit als Finanzchef begleitete Preisig eine Vielzahl an M&A-Deals: Unter anderem kaufte Freenet 2013 die Gravis Computervertriebsgesellschaft, kurz darauf außerdem Jesta Digital sowie Anteile an Motion TM Vertrieb. Im März 2016 erwarb Freenet für 714 Millionen Euro einen Anteil von 23,8 Prozent an dem Schweizer Telekommunikationskonzern Sunrise.

Beinahe zur gleichen Zeit fädelte Preisig die Übernahme des Kölner TV-Dienstleisters Media Broadcast im Volumen von 295 Millionen Euro ein. Freenet stieg mit der Transaktion in das Geschäft mit digitalem Radio und Fernsehen ein. Im Sommer dieses Jahres kaufte Freenet zudem knapp 10 Prozent an Ceconomy.

Die Finanzstruktur hat der CFO mehrfach angepasst. Unter anderem begab Freenet 2016 einen Schuldschein über 560 Millionen Euro und löste damit eine auslaufende Highyield-Anleihe ab. Anfang dieses Jahres hat Freenet einen Teil einer auslaufenden Brückenfinanzierung mittels einer Amend & Extend-Transaktion in ein klassisches Bankdarlehen gewandelt.

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Joachim Preisig, Freenet AG

Seine berufliche Karriere startet Joachim Preisig 1987 als Assistent bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC in Zürich. Bis 1996 arbeitet er unter anderem als Finanzchef bei einem Hightech-Unternehmen im Business-to-Business- und Logistikbereich (Steinbeck Holding in Zürich und Steinbeck Global Logistics in Bremen) sowie bei dem Konsumgüterhersteller Vinito.

Dann wechselt er zum Mobilfunkanbieter O2 und wird dort Managing Director Marketing & Sales. Gleichzeitig leitet er als Geschäftsführer auch den Bereich Finanzen und Controlling. 2002 zieht es Preisig nach Bonn zu T-Mobile. Dort übernimmt er den Posten des CFOs, bevor er ein Jahr später den Zentralbereich Konzerncontrolling bei der Deutschen Telekom verantwortet.

2006 übernimmt er für zwei Jahre das Amt des CFOs bei dem Mobilfunker Debitel, bevor er 2008 zu Freenet wechselt. Dort ist er zunächst zwei Jahre als Chief Operations & Integration Officer tätig. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Interims-CEO ist Preisig seit 2010 CFO von Freenet. Ende Dezember 2018 verlässt er das Unternehmen.

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Ingo Arnold wird neuer Freenet-CFO

Den Weggang des langjährigen CFOs nahm der Markt negativ auf, seit Bekanntwerden hat das Papier rund 4 Prozent verloren und rutschte unter die Marke von 20 Euro. „Der überraschende Abschied von Preisig sorgt für Verunsicherung“, zitiert die Nachrichtenagentur dpa-AFX einen Aktienhändler. Ein anderer Marktteilnehmer sagte demnach: „Preisig war das Gesicht von Freenet am Kapitalmarkt.“

Sein Nachfolger hingegen dürfte dem Markt weitaus weniger bekannt sein, und auch seine Vorstellung in der Freenet-Mitteilung zum CFO-Wechsel fällt knapp aus: Neuer CFO wird Ingo Arnold, ein Eigengewächs des Unternehmens.

Arnold ist seit 2001 bei Freenet und war zuletzt für die Bereiche Controlling, Treasury, Forderungsmanagement und Investor Relations verantwortlich. Seine Präsenz am Markt wird er in den kommenden Monaten noch deutlich ausbauen müssen, um das neue Gesicht des Konzerns am Kapitalmarkt zu werden.

julia.schmitt[at]finance-magazin.de

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