Der neue TUI-Chef Friedrich Joussen und sein Vorgänger Michael Frenzel: CFO Horst Baier hat Joussen den Weg geebnet.

TUI

12.02.13
CFO

Neuer TUI-Chef: Friedrich Joussen hat eine lange To-Do-Liste

Nach 19 Jahren nimmt TUI-Chef Michael Frenzel morgen seinen Hut. Sein Nachfolger Friedrich Joussen tritt an, um den Konzern aus der Lethargie zu reißen. Was der Neue anpacken muss, welchen Spielraum er hat, woran er scheitern könnte.

Morgen endet eine Ära in Hannover: Nach 19 Jahren auf dem Chefsessel zieht sich Michael Frenzel als TUI-CEO zurück. Ihm folgt der frühere Vodafone-Manager Friedrich Joussen. Die To-Do-Liste des neuen TUI-Chefs ist lang: Joussen muss eine Lösung finden, um die TUI AG mit der britischen TUI Travel zu fusionieren, ohne dass die Verlustvorträge in Höhe von 5,6 Milliarden Euro verloren gehen, den Ausstieg aus Hapag-Lloyd vorantreiben und Wachstumsmärkte in Asien erschließen.

Die wichtigste Aufgabe ist zugleich die schwerste: TUI hält 56 Prozent an TUI Travel und hat im Januar nach kurzer Prüfung die aktuellen Übernahmepläne fürs Erste wieder verworfen. Aus guten Gründen, denn um aus einer Position der Stärke heraus eine Fusion mit TUI Travel einzufädeln, fehlt TUI das Geld – ein Herauskaufen der Minderheitsaktionäre würde mindestens 2 Milliarden Euro kosten. Und den umgekehrten Weg – einen Reverse Takeover – zu gehen, hat auch Tücken, wie TUI-Analyst Jochen Rothenbacher bei FINANCE-TV warnte: „Dann würde ein Großteil der Verlustvorträge von 5,6 Milliarden Euro verlorengehen. Außerdem würden die freien Aktionäre von TUI Travel eine Übernahme von TUI wohl kaum unterstützen.“

CFO Horst Baier hat den Schuldenberg abgetragen

Doch Joussen hat auch einen Trumpf in der Hand: Die Finanzlage bei TUI ist längst nicht mehr so desolat wie beim Abgang von Ex-CFO Rainer Feuerhake im Frühjahr 2010. Der Nachfolger auf dem CFO-Posten, der bei Continental und TUI groß gewordene Horst Baier, nutzte die ordentliche Geschäftsentwicklung bei Hapag-Lloyd, um das finanzielle Engagement des Reisekonzerns bei der Reederei zielstrebig abzubauen. So sank innerhalb der vergangenen zwei Jahre der Schuldenstand von TUI um mehr als 2 Milliarden Euro auf zuletzt nur noch 178 Millionen Euro, was dem neuen Führungsgespann Joussen/Baier endlich wieder finanzielle Spielräume verschafft.

Wenn es Joussen und Baier gelingen sollte, die verbleibende Hapag-Lloyd-Beteiligung von 22 Prozent wie geplant bis 2014 loszuwerden, könnte TUI schon bald über eine satte Net-Cash-Position in Höhe eines mittleren dreistelligen Millionenbetrags verfügen. Die mögliche Fusion von Hapag-Lloyd mit der Reederei Hamburg Süd könnte die Gelegenheit zum Verkauf der Beteiligung bieten. TUI könnte am Ende dieses Prozesses aber auch in einer hochkomplexen Aktionärsstruktur gefangen sein, die den Rückzug aus dem Frachtgeschäft um viele Jahre verzögern könnte. In diesem Fall müsste Joussen diplomatisches Geschick beweisen und mit den Großaktionären Oetker, Klaus-Michael Kühne und der Stadt Hamburg Wege ausloten, wie TUI aussteigen könnte, ohne die fragile Machtbalance aufzubrechen.

Cashflow reicht für kleine M&A-Deals

Ob Joussen ein erfolgreicher CEO sein wird, entscheidet sich aber rund um die offene Flanke TUI Travel. Finden er und seine Berater keinen Weg, die Unternehmen auf kluge Weise zu fusionieren, hätte er wenige Möglichkeiten, den Konzern strategisch voranzubringen.

Gestaltungsspielraum für Joussen bieten zwar noch die touristischen Wachstumsmärkte in Asien und Osteuropa. Diese muss TUI stärker besetzen, und auch das Internetgeschäft ist noch immer mehr Last als Chance. Doch ohne Zugriff auf den Großteil des operativen Geschäfts, das bei TUI Travel liegt, wären diese Projekte nur Trippelschritte nach vorne.

Immerhin dürfte die Finanzierung so lange kein Problem sein, wie Joussen keinen großen M&A-Deal plant. Das Touristikgeschäft ist zwar krisenanfällig und ertragsschwach, wirft aber ordentliche Cashflows ab. In normalen Jahren liegt der operative Cashflow mit knapp 1 Milliarde Euro in etwa doppelt so hoch wie die Sachinvestitionen des Konzerns. Darauf kann Joussen bauen. Aber wenn er den Konzern wirklich umkrempeln will, braucht er Geduld. 19 Jahre Frenzel lassen sich nicht im Handstreich ausradieren.   

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de