Überraschender Aufstieg: Sunrise-CFO André Krause steigt zum Unternehmenschef auf.

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03.01.20
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Sunrise-CFO André Krause steigt zum CEO auf

Nach dem Debakel um die Übernahme von UPC Schweiz werden beim zweitgrößten Schweizer Telekomunternehmen Sunrise die Spitzenpositionen neu besetzt. Für den scheidenden CEO Olaf Swantee übernimmt ab sofort CFO André Krause.

Paukenschlag zum Jahreswechsel: Nach der geplatzten Übernahme des Kabelunternehmens UPC Schweiz verkündet das Schweizer Telekomunternehmen Sunrise personelle Abgänge auf höchster Ebene: So übernimmt Sunrise-CFO André Krause mit sofortiger Wirkung den Chefposten von CEO Olaf Swantee. Dieser soll seinen Nachfolger aber noch bis zur Generalversammlung im April 2020 unterstützen, „um einen reibungslosen Führungswechsel zu gewährleisten“, hieß es in einer Unternehmensmitteilung. Swantee stand fast vier Jahre an der Spitze des Unternehmens.

Sunrise-CFO kam von Telefónica Deutschland

André Krause ist Deutscher und kam 2011 als Finanzvorstand zu Sunrise nach Zürich. Zuvor war der gelernte Betriebswirt, der seine Karriere beim Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen in Düsseldorf begann, sieben Jahre bei Telefónica Deutschland beschäftigt. Dort stieg der 49-Jährige vom Vice President, Strategy & Consulting zum CFO auf. Bei den Schweizern war er nach Sunrise-Aussage „maßgeblich an der Transformation des Unternehmens beteiligt“ und trieb als CFO den Börsengang im Jahr 2015 und den späteren Verkauf der Mobilfunkmasten voran.

Neben dem Abgang von CEO Olaf Swantee gab das Unternehmen auch noch bekannt, dass sich sowohl Verwaltungsratschef Peter Kurer als auch sein Vize Peter Schöpfer dazu entschieden hätten, bei der Generalversammlung nicht erneut für eine Wiederwahl zu kandidieren. Damit wird Sunrise – mit knapp 1,9 Milliarden Franken Umsatz und einer Ebitda-Marge von rund 30 Prozent die Nummer Zwei am Schweizer Telekommarkt – im April in beiden zentralen Gremien eine komplett neue Führung bekommen.

Großaktionär Freenet vereitelte die UPC-Übernahme

Der Hintergrund dieses personellen Einschnitts liegt auf der Hand: Ende Oktober 2019 musste Sunrise die geplante Übernahme der Liberty-Global-Tochter UPC absagen. Der Kaufpreis hätte 6,3 Milliarden Schweizer Franken (5,7 Milliarden Euro) erreicht. Vorausgegangen war ein erbitterter Streit mit dem größten Aktionär Freenet, der den Deal für einen Fehler hielt.

Während die Schweizer mit potenziellen Synergieeffekten im Wert von 3,1 Milliarden Franken für den Deal warben, warnte auf der Gegenseite Freenet-CFO und Sunrise-Verwaltungsratsmitglied Ingo Arnold in der Öffentlichkeit vor einem zu hohen Kaufpreis und einer nachteiligen Dealstruktur, die „den Verkäufer nicht ausreichend an den Risiken“ beteilige. So hätte Sunrise den Zukauf über eine milliardenschwere Kapitalerhöhung zu Lasten der eigenen Eigentümer finanzieren wollen, während die Synergien weitgehend der Verkäuferseite zugutegekommen wären.

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Ingo Arnold, Freenet AG

Ingo Arnold beginnt seine berufliche Laufbahn im Treasury des Konsumgüterherstellers Henkel, wo er mehr als zehn Jahre unterschiedliche Finanzfunktionen besetzt. Danach wechselt er für drei Jahre zu dem Energiekonzern Veba Oil & Gas, um dort das Treasury zu leiten.

Im Jahr 2001 verschlägt es Arnold in die Telekommunikationsbranche zum Mobilfunker Debitel, wo er eine leitende Position bekleidet. 2008 kauft Freenet den Wettbewerber Debitel vom Finanzinvestor Permira. Im Zuge des M&A-Deals steigt Arnold bei Freenet ein, zunächst als Leiter Controlling & Treasury, später übernimmt er die Führung der Ressorts Finance und Investor Relations. Im Januar 2019 tritt Arnold das Amt als Finanzvorstand von Freenet an.

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Sunrise-UPC-Debakel kostete Millionen

Der Streit gipfelte dann darin, dass die Schweizer ihren größten Aktionär Freenet von allen Beratungen rund um den Deal ausschließen wollten. Arnold und Freenet-Chef Christoph Vilanek motivierte dies aber umso mehr, noch mehr Aktionäre gegen die geplante Kapitalerhöhung aufzubringen. Neben dem Aktionärsberater Institutional Shareholder Services (ISS) konnten sie auch die aktivistischen Investoren Axxion und AOC auf ihre Seite bringen.

Der Rest ist Geschichte: Einen Tag vor der außerordentlichen Generalversammlung musste die Sunrise-Führung die Veranstaltung absagen. Im November wurde der Deal dann auch offiziell abgeblasen, und Sunrise musste eine Break-up-Fee in Höhe von rund 120 Millionen Franken aufbringen.

martin.barwitzki[at]finance-magazin.de