Wird Surteco bald verlassen: CFO Andreas Riedl.

Surteco

20.12.19
CFO

Surteco muss restrukturieren und verliert CFO

Nach rund drei Jahren im Amt wird CFO Andreas Riedl Surteco verlassen. Im gleichen Atemzug kündigt der Möbelzulieferer umfangreiche Restrukturierungsmaßnahmen an – auch zahlreiche Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.

Surteco verliert seinen Finanzchef: Wie der börsennotierte Möbelzulieferer aus Buttenwiesen mitteilte, will CFO Andreas Riedl seinen am 30. Juni 2020 auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Dies habe persönliche Gründe, teilte ein Unternehmenssprecher auf FINANCE-Nachfrage mit. Bis zum Vertragsende will Riedl seine Aufgaben als Finanzvorstand aber noch ausüben. Erst im Anschluss daran möchte Riedl sich neuen Aufgaben außerhalb der Surteco-Gruppe widmen, heißt es in der Mitteilung.

Surteco besetzt CFO-Posten nicht nach

Wohin Andreas Riedl im Juli wechseln wird, ist indes noch nicht bekannt. Einen CFO-Nachfolger für Riedl sucht Surteco aktuell nicht, wie der Sprecher mitteilte. Seine Aufgaben wird nach seinem Ausscheiden zunächst CEO Wolfgang Moyses übernehmen, der selbst erst seit diesem Oktober von dem Kunststoffhersteller Simona zu Surteco gewechselt ist, um den damaligen Vorstandschef Herbert Müller abzulösen. Zur „Stärkung der operativen Funktionen“ wird zudem ein zusätzlicher Chief Operating Officer (COO) im Laufe des Jahres 2020 den Vorstand erweitern.

Andreas Riedl ist bereits seit Juli 2017 CFO der Surteco Group. Im Unternehmen tätig ist Riedl allerdings bald 15 Jahre: Im Jahr 2006 wechselte er aus dem Financial Reporting der Allianz als Prokurist für Finanzen, Rechnungswesen und Investor Relations zu den Schwaben. Seine Karriere startete der CFO nach seinem Studium in der Wirtschaftsprüfung von KPMG. „Der Aufsichtsrat dankt Herrn Riedl für seine langjährige erfolgreiche Tätigkeit in der Surteco-Gruppe und bedauert die Entscheidung“, heißt es.

Surteco muss umfassend restrukturieren

Doch nicht nur auf Vorstandsebene gibt Surteco Veränderungen bekannt. Die Schwaben teilten zudem mit, dass sie „umfassende Strukturanpassungen“ eingeleitet haben. Die Restrukturierung umfasst dabei drei Punkte: Zunächst wird die Geschäftsführung der Surteco GmbH vom Vorstand der Surteco Group übernommen. Der Vorsitzende der Surteco GmbH, Dieter Baumanns, sowie Geschäftsführer Peter Schulte werden das Unternehmen verlassen. Die beiden weiteren Geschäftsführer Maximilian Betzler und Andreas Pötz bleiben weiterhin an Bord und übernehmen künftig auch operative Aufgaben.

Des Weiteren will Surteco Vertriebsgesellschaften in Spanien und in der Türkei schließen. Die Schwaben verfügen über zahlreiche Vertriebsstandorte, unter anderem in den USA, Südamerika, Australien, Asien und in mehreren europäischen Städten. Zuletzt sieht der Restrukturierungsplan vor, dass etwa 175 Arbeitsplätze, insbesondere im Segment Decoratives, abgebaut werden. Unter Decoratives fasst Surteco die Fertigung von Kantenbändern, Folien, Trennpapieren und dekorativen Drucken. Mit dieser Maßnahme wollen die Schwaben ihre Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland erhöhen.

FINANCE-Köpfe

Andreas Riedl, Surteco SE

Nach seinem BWL-Studium an der Universität Augsburg beginnt Andreas Riedl seine berufliche Laufbahn im Bereich Wirtschaftsprüfung bei KPMG in München. Danach wechselt er zur Konzernholding der Allianz SE in das Financial Reporting. Seit 2006 arbeitet er bei dem Folienhersteller Surteco, und ist seit Juli 2017 bis Juni 2020 als Finanzchef des Unternehmens tätig.

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Insgesamt werden die geplanten Maßnahmen das laufende Geschäftsjahr mit Aufwendungen zwischen 15 und 20 Millionen Euro belasten. Zusätzlich rechnet Surteco mit weiteren Sonderabschreibungen auf Anlagen und Bestände. In den kommenden zwei bis drei Jahren sollen die Einsparungen den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) auf 55 bis 65 Millionen Euro heben, teilte der Unternehmenssprecher auf Anfrage mit. Für das laufende Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Ebit zwischen 38 und 40 Millionen Euro.

Surteco: „Geplante Restrukturierung ist alternativlos“

„Die geplanten Restrukturierungen sind ohne Alternative“, lässt sich CEO Moyses in der Mitteilung zitieren. Dass Surteco mit einer nachlassenden Nachfrage zu kämpfen hat, hatte sich bereits im November bei der Vorlage der Neunmonatszahlen angedeutet. Die Prognose für das Gesamtjahr bestätigte Surteco damals zwar, teilte aber schon mit, Maßnahmen „zur weiteren Verbesserung der Profitabilität“ zu prüfen.

In den ersten neun Monaten dieses Jahres erwirtschaftete Surteco einen Umsatz in Höhe von 519,3 Millionen Euro, ein Minus von 2,8 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Das Ebit lag mit 31,6 Millionen Euro etwa auf Vorjahresniveau.

Allerdings entwickeln sich die drei Geschäftsbereiche Decoratives, Technicals und Profiles unterschiedlich stark. Während Profiles, das die Herstellung von Sockelleisten und technischen Profilen umfasst, und Decoratives sich positiv entwickelten, sah es bei Technicals anders aus. Der Bereich, der imprägnierte Produkte und Folien umfasst, setzte in den ersten neun Monaten dieses Jahres 69,6 Millionen Euro um, was im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einem Minus von 16,6 Prozent entspricht. Zudem erzielte Technicals ein Ebit von lediglich 1,7 Millionen Euro, nach 3,7 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Surteco will weiter investieren

Die Gründe für diese Entwicklung sind Surteco zufolge der Rückgang im Laminatbereich sowie ein Sondereffekt aus der Veräußerung des US-Imprägniergeschäfts. „Wenn sich die Konjunktur abkühlt, investieren die Kunden nicht in neue Möbel oder Inneneinrichtung. Das bekommen auch wir zu spüren“, kommentiert der Unternehmenssprecher die stagnierende Geschäftsentwicklung.

Dennoch will Surteco im kommenden Jahr weiter investieren – und zwar in „zukunftsweisende Projekte“. Die Schwaben wollen in Produktionsanlagen und Lagerflächen im starken Bereich Profiles investieren und im Segment Decoratives neue Fertigungslinien und eine Digitaldruckanlage installieren. „Unsere geplanten Investitionen belaufen sich in etwa auf die Höhe der Abschreibungen im abgelaufenen Geschäftsjahr“, teilt der Surteco-Sprecher mit. Das waren im Jahr 2018 etwas mehr als 40 Millionen Euro.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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