Bei Investitionen halten sich Unternehmen derzeit zurück. Dieser Befund bestätigt sich auch im aktuellen CFO-Panel: Ein Viertel der Finanzverantwortlichen gibt im Herbst 2025 an, dass sie lediglich nötige oder strategische Investitionen vornehmen; weitere 14 Prozent setzen Investitionen aus, bis sich das Umfeld verbessert. Und fast 38 Prozent machen keinerlei Angaben – auch das ein Krisenindiz. Ein konkretes Beispiel lieferte im Herbst der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV. Er kürzte sein Budget für Investitionen bis 2030 um 5 Milliarden Euro. Solche Maßnahmen reihen sich auch bei Unternehmen der deutschen Industrie aneinander.
Dass sich die wirtschaftliche Lage eingetrübt hat, schlägt sich auch in den Aussichten der Betriebe auf die kommenden 12 bis 15 Monate nieder. Im Frühjahr gaben noch 82 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, dass sich ihre Unternehmen weiterhin positiv entwickeln oder zumindest das bestehende Niveau halten würden. Im Herbst sind nur noch 58 Prozent dieser Ansicht, ein Rückgang um 24 Prozentpunkte. Die aktuelle Umfrage zeichnet also ein erheblich trüberes Bild.
Litanei an negativen Einflüssen
Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Teilnehmer schreiben einer ganzen Litanei an Entwicklungen einen starken oder sehr starken Einfluss auf ihr Unternehmen zu: von fehlender digitaler Infrastruktur über Inflation bis hin zu überbordenden Umweltauflagen. Für acht verschiedene Punkte liegen die Anteile alle in einem Korridor zwischen 21 und 33 Prozent. Auch die individuellen Antworten umfassen eine breite Spanne an Themen: „Unklare und volatile politische Entscheidungen“ führt ein CFO an, ein anderer die „schwache Automobilbranche in Deutschland und Europa“.
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Die Teilnehmenden
43 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des CFO-Panels vom September 2025 decken eine breite Spanne an Unter nehmen ab. Rund ein Viertel nennt einen Umsatz von bis zu 250 Millionen Euro. Die größte Gruppe erzielt einen Umsatz von mehr als 1 Milliarde Euro. Rund ein Drittel der Betriebe beschäftigt mehr als 1.000 Mitarbeitende.
Die Wechselfälle in der Handels- und Zollpolitik der US-Administration unter Präsident Donald Trump gehören ebenfalls zu den negativen Faktoren. 54 Prozent der CFOs werten sie als Risiko. Das liegt vor allem daran, dass die Maßnahmen weltweite Lieferketten bedrohen und sowohl das Zollregime als auch die Finanzmärkte seit Trumps Amtsübernahme einem Zickzack-Kurs unterliegen.
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Für die Unternehmen bedeutet dies in der Konsequenz, dass sie versuchen, sich vor diesen Risiken zu schützen. Als effiziente oder hocheffiziente Maßnahmen kristallisieren sich aus der Umfrage zwei Aspekte heraus: Kosten und Liquidität sowie Digitalisierung und Automatisierung inklusive des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI). Entsprechend rückt der Fokus auf IT im Arbeitsalltag der Finanzverantwortlichen am stärksten nach vorn – um rund 13 Prozentpunkte.
KI ist kein Selbstläufer
Für Finanzverantwortliche ist aber auch klar, dass der Einsatz von KI kein Selbstläufer ist. In den individuellen Antworten betonen zwei Teilnehmer, dass „gut ausgebildete Mitarbeiter“ dafür unerlässlich sind. Knapp 35 Prozent der CFOs bewerten Fortbildung als effizient oder sehr effizient, um ihr Unternehmen vor wirtschaftlicher Unbill zu bewahren. Weitere 26 Prozent halten es für ein moderat effizientes Mittel.
Die Digitalisierung ist also das zentrale Zukunftsthema für viele Betriebe. Das bestätigt der Blick darauf, welche Investitionen die Unternehmen tatsächlich noch tätigen. Dort steht die Digitalisierung mit 49 Prozent für die Finanzverantwortlichen ganz oben auf der Liste, gefolgt von einer umfassenderen Transformation des Unternehmens. Alle anderen Aspekte bleiben mit weitem Abstand zurück.
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Überraschend ist auf den ersten Blick, dass Direktinvestitionen im Ausland und Verlagerungen in Niedriglohnländer unter den Teilnehmern als Maßnahmen mit geringer oder sehr geringer Effizienz gelten. Das mag jedoch sehr von der Branche abhängen: Erst im Sommer machte der Lkw-Bauer Daimler Truck Schlagzeilen mit dem Plan, Tausende von Jobs in Deutschland abzubauen.
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FINANCE CFO-Panel
Für das FINANCE CFO-Panel befragt die Redaktion in Zusammenarbeit mit Horváth & Partners jährlich im Frühjahr und im Herbst Finanzchefs aus dem deutschsprachigen Raum anonym zu ihrer Markteinschätzung. Die aktuelle Umfrage des FINANCE-Magazins lief von Mitte bis Ende September 2025. Neben wiederkehrenden Fragen zu den operativen Prioritäten der CFOs enthält sie Schwerpunktfragen zu aktuellen Themen und Entwicklungen.
Kosten im Ausland gestiegen
Ein Grund für die Zurückhaltung mancher Finanzverantwortlicher in der Umfrage dürfte sein, dass sich die Basis für solche Vorhaben in drei wichtigen Punkten verändert hat. Dieser Ansicht ist Partner Achim Wenning von der Managementberatung Horváth: Zum einen sei die Masse an Aufgaben rückläufig, die sich für solche Maßnahmen eignen – unter anderem, weil KI und automatisierte Prozesse stärker zum Einsatz kommen. Zum anderen falle der Abstand zwischen den Kosten hierzulande und in vielen Zielländern geringer aus als noch vor wenigen Jahren. Die hohen Kosten für den Abbau von Personal würden sich also häufig nicht mehr lohnen, zumal damit der Verlust von Fachkräften und deren Know-how einhergehe.
Eines ist aber klar: In dem derzeit sehr volatilen Umfeld empfinden viele Finanzverantwortliche ihre Aufgaben insgesamt als deutlich umfangreicher als noch beim CFO-Panel vom Frühjahr. Auch das Ausmaß an Stress hat zugelegt, den die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wahrnehmen. Damit sich das wieder ändert, müssten sich die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erst stabilisieren.
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Das komplette CFO-Panel vom Herbst 2025 einschließlich eines Interviews mit Achim Wenning, Partner bei Horváth & Partners, können Sie hier kostenlos herunterladen.
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Raphael Arnold ist Redakteur bei FINANCE. Er studierte in Gießen und Alexandria (Ägypten) Geschichte, Geografie und Arabisch. Schon vor und während des Studiums schrieb er für verschiedene Tageszeitungen. Bei den Nürnberger Nachrichten absolvierte er ein Volontariat und arbeitete im Anschluss in deren Wirtschaftsredaktion. Danach war er über 13 Jahre für den US-Investment News Service OTR Global als Researcher und Projektmanager tätig. Beim Juve Verlag verantwortete er bis Oktober 2024 knapp acht Jahre lang die Österreich-Publikationen.
