CFOs müssen zunächst lernen, die Karriereleiter hochzuklettern. Dabei sollten sie nicht auf schnelle Ergebnisse pochen.

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17.02.15
CFO

Endlich CFO: Der 100-Tage-Mythos

Frischgebackene CFOs wollen ihrem Unternehmen häufig schnell ihren Stempel aufdrücken. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass in den ersten 100 Tagen Ergebnisse her müssen. Dabei sind anfangs ganz andere Qualitäten gefragt.

Als neuberufener CFO ist es oft schwierig: Wenn er nicht intern befördert wurde, erwarten den Neuankömmling ein unbekanntes Unternehmen und neue Kollegen. Viele Finanzchefs setzen sich zudem unter Druck, möglichst schnell Erfolge liefern zu müssen. Auch in der Fachliteratur finden sich oft Hinweise, dass binnen 100 Tage erste Ergebnisse sichtbar werden müssen.

Viel wichtiger ist es jedoch, Zeit gut zu managen, Beziehungen aufzubauen und ein Top-Team zusammenzustellen, findet Rolf Epstein vom Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte. Das braucht Zeit und besonders dieser Faktor ist begrenzt: „Viele Finanzchefs neigen dazu, sich die Agenda anfangs mit zu vielen Aufgaben vollzupacken, wodurch sie schnell den Überblick verlieren“, sagt Epstein. Wichtig sei es, Themen zu priorisieren und entsprechend zu sortieren. „CFOs, die neu in ein Unternehmen kommen, müssen sich auch Zeit nehmen können, Dinge kritisch zu hinterfragen.“

Notfalls müssen Projekte gestoppt werden. Das schaffe Platz im vollen Terminkalender und erleichtere den Einstieg. Seine Erkenntnisse zieht Epstein aus verschiedenen Workshops, in denen sich mehr als 500 Vorstände aus aller Welt über die ersten Monate in neuen Unternehmen ausgetauscht haben.

CFOs sollten zuhören

Die ersten Tage sollten CFOs, folgt man Epstein, noch primär zum Zuhören nutzen. „Gleich zu Beginn muss der ankommende CFO möglichst viele Gespräche mit dem CEO führen, aber auch mit dem Audit-Komitee und Stakeholdern“, sagt Epstein. So müssen sich CFOs ein Bild darüber verschaffen, was von ihnen erwartet wird und wie die Rolle als Finanzchef interpretiert werden soll. So entgehe man dem Risiko, Erwartungen zu verfehlen.

Die oft als so wichtig kolportierten 100 Tage hält Epstein für zu wenig, um diese Dinge anzugehen: „Wir empfehlen CFOs erst einmal, eine 180-Tage-Agenda aufzustellen. In den ersten 100 Tagen sollten sie sich einen Überblick über die Organisation verschaffen und zum Beispiel entscheiden, in welchen Bereichen neue Mitarbeiter eingestellt werden müssen.“ So würden die Grundlagen für eine erfolgreiche Zeit geschaffen.

Mut zu harten Schritten

Neueinstellungen ziehen aber oft auch Kündigungen nach sich. Notfalls müssen langjährige Angestellte entlassen werden, die schlicht nicht mehr die nötige Leistung bringen. Ein Schritt, der unter verbleibenden Mitarbeitern für Unmut sorgen könnte. Umso wichtiger sei es daher, sich der Unterstützung des CEOs und der weiteren Stakeholder in den Vorgesprächen zu vergewissern.

jakob.eich[at]finance-magazin.de