Insolvenzverwalter Volker Grub 75 Jahre: Mit Fällen wie Bauknecht, Schiesser oder Metabo wurde Insolvenzverwalter Volker Grub bekannt.

MSL Group

19.09.12
CFO

Insolvenzverwalter Volker Grub 75 Jahre

Seit mehr als vier Jahrzehnten begleitet Volker Grub Unternehmen durch Restrukturierungen und Insolvenzphasen. Heute wird er 75 Jahre alt. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht.

Wohl kaum ein deutscher Insolvenzverwalter ist so bekannt wie Volker Grub. Das liegt auch daran, dass der 75-Jährige in den vergangen Jahrzehnten durchaus schlagzeilenträchtige Fälle betreute. Bereits 1978 brachte ihn die Pleite des bayerischen Fernsehgeräteherstellers Körting bundesweit in die Medien, der zahlungsunfähige Fernsehgerätehersteller ging an Gorenje, ein Elektrogeräte-Kombinat im damaligen Jugoslawien.

Wenige Jahre später übernahm Grub die Sanierung der Bauknecht-Gruppe, deren Elektromotorengeschäft er als erstes deutsches Unternehmen aus der Insolvenz heraus an die Börse führte. Er betreute den Verkauf der Stuttgarter Südmilch an Campina und übernahm interimsweise den Vorsitz beim Kornwestheimer Schuhproduzenten Salamander.

Nach seinem Salamander-Mandat, mit 65 Jahren, hätte Grub dann eigentlich in Rente gehen können. Doch weit gefehlt. „Warum soll ich mein Hobby aufgeben?“ soll er einmal auf die Frage nach eventuellen Ruhestandsplänen entgegnet haben. Dem 75-Jährigen macht die Arbeit trotz hohen Stressfaktors Spaß. Wenn er mit schwäbischem Zungenschlag über die Abenteuer und Hürden der jüngsten Restrukturierung spricht, sind ihm der Stolz und die Freude über besonders gelungene Kniffe und Wendungen anzumerken. Dabei strahlt Grub eine freundliche Ruhe aus, die einen glauben lässt, dass bestimmt alles wieder in Ordnung kommt – für Restrukturierungsfälle sicherlich eine hilfreiche Eigenschaft.

Bauchgefühl hilft bei M&A-Deals

In diesem Jahr hat Grub bereits zwei prominente Fälle erfolgreich beendet: Als Treuhänder war er für die Familienaktionäre der Metabo AG engagiert, der Werkzeughersteller Metabo ging im Juni an die französische Beteiligungsgesellschaft Chequers.

Auch für die Traditionsmarke Schiesser hat der einstige Schiesser-Insolvenzverwalter im Frühjahr eine neue Heimat gefunden: Nach Verkaufsverhandlungen, IPO-Anläufe und einem Intermezzo von Modezar Joop ging Schiesser schließlich an den israelischen Konzern Delta Galil. Für den Insolvenzverwalter war besonders die komplexe Schiesser-Konzernstruktur eine Herausforderung, wie Grub im Gespräch mit FINANCE berichtet. Am Ende gelang ihm ein seltener Erfolg: die Vollbefriedigung der Schiesser-Gläubiger.

Nach mehr als vierzig Jahren im Geschäft mit Distressed-M&A-Deals kann Grub inzwischen gut einschätzen, was er von seinen Verhandlungspartnern zu erwarten hat. Wann die Schmerzgrenze des Gegenübers erreicht ist, beurteilt er „mit einer Mischung aus Bauchgefühl und viel Erfahrung“, sagt er. Seinen Geburtstag heute feiert er in großem Kreise. Dem Vernehmen nach hatte er größte Mühe, den Tag von Geschäftsterminen frei zu halten.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de

Volker Grub wurde am 19. September 1937 im schwäbischen Bermaringen bei Ulm geboren. In der Schule lagen seine Stärken in Mathematik und Physik, nach dem Schulabschluss studierte Grub Rechtswissenschaften und promovierte zum Dr. oec. an der Universität Hohenheim.

Mit 28 Jahren eröffnete er eine Rechtsanwaltskanzlei in Stuttgart, 1969 übernahm er die ersten Konkurs- und Vergleichsmandate. Von 2001 bis 2004 hatte er mit seinem Heidelberger Kollegen Jobst Wellensiek eine gemeinsame Kanzlei. Heute ist Grub mit 25 Anwälten und Betriebswirten in Stuttgart, München, Frankfurt am Main und Freiburg vertreten. Für seine beruflichen Leistungen erhielt er die Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württemberg (1997) und das Bundesverdienstkreuz (1999).