Die A.T.U-Chefs Christian Sailer (links) und Norbert Scheuch kämpfen um den Turnaround. Trotz des Haircuts sind noch nicht alle finanziellen Altlasten bereinigt.

A.T.U.

07.04.15
CFO

ATU: „Debt-Restrukturierung war der Befreiungsschlag“

Rund 16 Monate nach dem Haircut steckt die Werkstattkette A.T.U noch immer mitten in der Restrukturierung. Zwar rücken schwarze Zahlen in den Blick, aber ATU-CEO Norbert Scheuch und CFO Christian Sailer hadern mit einem Immobiliendeal von Alteigentümer Peter Unger, der ihnen jetzt zu schaffen macht.

Vor einem Jahr ist es Ihnen gelungen, über eine finanzielle Restrukturierung die Insolvenz der A.T.U-Unternehmensgruppe abzuwenden. Wie genau sah die Restrukturierung aus?

Sailer: Wir konnten durch die finanzielle Restrukturierung unsere Schulden um mehr als 600 Millionen Euro senken.  Gleichzeitig erhielten wir neues Eigenkapital in Höhe von rund 100 Millionen Euro sowie zusätzliche Kreditlinien über 75 Millionen Euro. Wir haben ein freiwilliges Umtauschangebot gemacht, wonach die vorrangigen Anleihegläubiger ihre Forderungen in Vorzugsanteile und Stammanteile tauschen konnten. Über 90 Prozent der Stammanteile sind über die Kapitalerhöhung von Centerbridge Partners, Goldman Sachs Investment Partners und Babson Capital gekommen. Centerbridge ist seitdem Mehrheitsaktionär von A.T.U. 

Wie zufrieden sind Sie im Nachhinein mit der finanziellen Restrukturierung?


Sailer: Für uns war das ein Befreiungsschlag. Wir konnten damit unsere Zinslast von über 65 auf 15 Millionen Euro pro Jahr reduzieren. Das gibt uns den Freiraum für die notwendigen Investitionen und Maßnahmen, um den Umbau des Unternehmens durchzuführen.

Ist es mit der finanziellen Restrukturierung gelungen, alle Kostentreiber vom Unternehmen zu nehmen?

Scheuch: Leider nein. Es gibt eine Verzerrung zwischen der internen und der öffentlichen Wahrnehmung. Die Öffentlichkeit hatte gesehen, dass auf A.T.U hohe Schulden lasten. Alle dachten, wenn die weg sind, ist alles gut. Dabei hat uns unserer früherer Eigentümer Peter Unger einen Mühlstein um den Hals gehängt. Unger hatte damals die Immobilienbestände des Unternehmens in großen Paketen an Hedgefonds mit Immobiliengesellschaften verkauft. Wir müssen deshalb sehr hohe Mieten zahlen. Diese Hypothek aus der Vergangenheit können wir leider momentan nicht lösen. Diese Hedgefonds weigern sich größtenteils, überhaupt mit uns über unser Immobilienportfolio zu sprechen.

A.T.U-CFO Christian Sailer: „Wir liegen im Plan“

Dafür haben Sie bei den Personalkosten gespart und im vergangenen Jahr 1.700 Stellen abgebaut.

Scheuch: Früher war es Strategie bei A.T.U, dass jeder Kunde sofort und ohne Termin drankommen sollte. Voraussetzung dafür war allerdings, dass man mit Überkapazitäten arbeitet. Das ist heute nicht mehr bezahlbar. Deshalb haben wir die Stellen abgebaut, unsere Strategie geändert und vergeben nun neben dem Schnellservice auch Termine. Damit können wir sehr viel genauer planen. Dank der guten und konstruktiven Zusammenarbeit mit unserem Betriebsrat und den Gewerkschaften war der Stellenabbau nahezu geräuschlos möglich.

Sie haben Ihren Geldgebern in den vergangenen Jahren einiges abverlangt: Die Forderungen von Anleihegläubigern der Junior Notes fielen aus, Ihr Mehrheitseigner Centerbridge musste 100 Millionen Euro frisches Eigenkapital zuschießen. Wie verläuft heute die Zusammenarbeit mit Ihren Investoren?

Scheuch: Die Zusammenarbeit mit den US-Investoren verläuft äußerst angenehm. An der Schnittstelle zum Unternehmen taucht nur unser Mehrheitsaktionär Centerbridge auf. Da fällt es uns leicht, Entscheidungen zu treffen: Das Schöne an Centerbridge ist, dass er es gewohnt ist, mit Unternehmen in Umbausituationen umzugehen. Unser Mehrheitsinvestor bringt daher die notwendige Ruhe mit. Die Verantwortlichen sind sehr sachlich und arbeiten transparent.

Wann rechnen Sie wieder mit schwarzen Zahlen?


Sailer: Unser Ziel ist es, 2016 wieder ein positives Ergebnis zu erzielen. Bisher sind wir im Plan.

vanessa.wilke[at]finance-magazin.de

Norbert Scheuch ist seit Februar 2014 CEO der A.T.U-Unternehmensgruppe. Zuvor war er Geschäftsführer des Betonpumpenherstellers Putzmeister und verantwortete dort die Sanierung und den Verkauf an einen chinesischen Investor. Christian Sailer ist seit 2008 CFO von A.T.U. Unter seiner Verantwortung erfolgte die Restrukturierung und Entschuldung von A.T.U um mehr als 600 Millionen Euro. Dies ist eine Kurzversion des langen A.T.U.-Interviews aus der aktuellen Print-Ausgabe von FINANCE.

Wie sich die Finanzierungskrise von A.T.U hochschaukelte und wie die Rettung im Detail aussah – alle Infos nur hier auf unserer FINANCE-Themenseite zu A.T.U