Voith-CFO Toralf Haag hat in den vergangenen Monaten einiges geleistet. Jetzt soll er als CEO des Anlagenbauers M&A-Targets ausfindig machen.

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05.11.18
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CFO des Monats: Toralf Haag

Voith hat CFO Toralf Haag zum CEO befördert. Der Finanzchef hat in seiner bisherigen Amtszeit schon zahlreiche Finanzkennzahlen des Anlagenbauers deutlich aufgebessert.

Gerade einmal zwei Jahre hat Toralf Haag gebraucht, um sich beim Anlagenbauer Voith vom CFO zum Konzernchef hochzuarbeiten. Mitte Oktober verkündeten die Heidenheimer, Haag werde Stephan Schaller ersetzen, der das Traditionsunternehmen nach nur sieben Monaten im Amt überraschend verlassen hat.

Innerhalb kürzester Zeit scheint sich Haag das Vertrauen der Familie Voith erarbeitet zu haben. Im Oktober 2016 stieß er zu Voith und folgte damals auf Herrmann Jung. Neu-CFO Haag hatte vor seinem Wechsel zu den Schwaben über zehn Jahre die Finanzen des Schweizer Chemie- und Pharmaunternehmens Lonza verantwortet. 

Voith-CFO Toralf Haag nutzt Kuka-Millionen

Bei Voith hat Haag sich in den vergangenen Monaten vor allem der Optimierung des Finanzbereichs gewidmet. Geld dafür war reichlich vorhanden: Eine geglückte Beteiligung an dem Roboterbauer Kuka, die noch Vorgänger Jung eingefädelt hatte, spülte dem Traditionskonzern 2016 gut 1,2 Milliarden Euro in die zuvor recht klamme Kasse.

Mit den Zuflüssen aus dem Kuka-Verkauf konnte Haag zahlreiche Finanzkennzahlen verbessern. So beträgt die Eigenkapitalquote heute 27,2 Prozent, nachdem diese zu Haags Dienstantritt im Oktober 2016 bei gerade einmal 15 Prozent gelegen hatte.

Die Kuka-Millionen haben auch dazu geführt, dass Voith mittlerweile über ein ordentliches finanzielles Polster verfügt: Der Konzern wies Ende März dieses Jahres ein Nettoguthaben in Höhe von 574 Millionen Euro aus – 400 Millionen Euro mehr als anderthalb Jahre zuvor. 

CFO Haag passt Finanzierung an

Der Voith-CFO hat die gute Liquiditätslage genutzt, um die Finanzierung an den gewonnenen Spielraum anzupassen. Im Mai dieses Jahres etwa hat Haag variable Tranchen aus einem Schuldscheindarlehen getilgt. Dafür hat er fast 140 Millionen Euro in die Hand genommen. Auch ein Bankdarlehen in China über 57 Millionen Euro hat der Finanzchef zurückgeführt.

Zudem refinanzierte er im April den Konsortialkredit, der bis 2021 gelaufen wäre, vorzeitig. Dabei reduzierte er das Volumen von 770 auf 550 Millionen Euro, was ebenfalls die neue Liquiditätssituation reflektieren dürfte. Das neue Darlehen läuft nun bis 2023 und sichert Voith auch vor dem Hintergrund einer potentiellen Zinswende auf lange Sicht günstiges Geld.

Die deutliche Verbesserung der Finanzkennzahlen sorgt dafür, dass die Ratingagenturen Voith positiver beurteilen: Standard & Poor’s (BBB-), Moody’s (Baa3) und Scope (BBB) sehen Voith allesamt wieder im Investmentgrade. Speziell Haags CFO-Vorgänger Jung dürfte diese Entwicklung freuen: Ihm war die Rückkehr des Traditionskonzerns in die Bonititätselite stets wichtig gewesen.

Die gute Finanzlage hat den Finanzchef in den vergangenen Monaten aber auch vor weniger schöne Aufgaben gestellt: Voith hat plötzlich ein Geldanlageproblem. Deshalb hat der Finanzchef die flüssigen Mittel im ersten Halbjahr (Stichtag 31. März 2018) um 170 auf 412 Millionen Euro reduziert. Rund 92 Millionen Euro steckte der CFO stattdessen in kurzfristige Wertpapiere. Durch das Manöver sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Voith Negativzinsen zahlen muss.

Voith-CEO Haag will Digitalisierung nutzen

All diese Maßnahmen haben die Voith-Eigner offenbar von Haags Qualitäten überzeugt. Als CEO muss er nun beweisen, dass er nicht nur den Finanzbereich optimieren, sondern auch strategisch denken kann. Voith will unter anderem durch kleinere M&A-Deals wachsen, wie Haags Vorgänger Stephan Schaller noch im September gegenüber dem „Handelsblatt“ verkündet hatte. Eine Zielliste soll dafür bereits in der Schublade liegen.

Das vielleicht wichtigste Vorhaben der Heidenheimer ist der Aufbau einer fünften Sparte im High-Tech-Segment neben den Bereichen Paper, Hydro, Turbo und Digital Solutions. Hierfür traut sich Voith zu, einen höheren dreistelligen Millionenbetrag investieren zu können. Die M&A-Pläne hatten Ex-CEO Schaller und Haag noch zusammen erarbeitet. Die Umsetzung fällt nun allein in die Hände von Haag.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

Eine Übersicht über alle bisherigen CFOs des Monats gibt es auf der dazu gehörigen FINANCE-Themenseite „CFO des Monats“.