Lange hat es gedauert, aber nun zeigen die Restrukturierungsmaßnahmen von ThyssenKrupp-CFO Guido Kerkhoff Wirkung.

Thyssen-Krupp

14.05.14
CFO

CFO Guido Kerkhoff bringt ThyssenKrupp in die Spur

Drei Jahre biss sich Guido Kerkhoff die Zähne an ThyssenKrupp aus, nun fruchten die Restrukturierungsmaßnahmen des CFOs endlich: Der Stahlkonzern schreibt wieder schwarze Zahlen. Hedgefonds Cevian redet ein gewichtiges Wörtchen mit.

Der Erfolg ließ lange auf sich warten, jetzt kann ThyssenKrupp-Finanzchef Guido Kerkhoff endlich erste Erfolge verbuchen: Erstmals seit sieben Quartalen schreibt Deutschlands größter Stahlproduzent wieder schwarze Zahlen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnten Auftragseingang, Umsatz und bereinigtes Ebit gesteigert und Netto-Finanzschulden gesenkt werden, insgesamt fuhren die Essener einen Periodenüberschuss von knapp 270 Millionen Euro ein – eine Verbesserung um rund 400 Millionen Euro. Nun ist eine ausgeglichene Jahresbilanz in greifbare Nähe gekommen, vergangenes Jahr betrug der Verlust noch 1,5 Milliarden Euro.

Maßgeblich dürfte vor allem der M&A-Deal im vergangenen Dezember gewesen sein: Nach zähen Verhandlungen gelang CFO Kerkhoff der Verkauf des verlustreichen US-Stahlwerks in Alabama an ein Konsortium um Arcelor-Mittal und die japanische Nippon Steel – rund 1,5 Milliarden Euro spülte der Deal in die Kassen. Zusammen mit der inzwischen weitgehend abgeschriebenen Anlage in Brasilien, für die indes noch immer kein Käufer gefunden ist, hatten die Wertberichtigungen der beiden Anlagen jahrelang die Bilanz des Konzerns verhagelt. Doch selbst bei Steel Americas scheint jetzt eine Besserung eingetreten zu sein. Insgesamt verbuchte der Konzern im ersten Halbjahr einen Anstieg in Umsatz und Auftragseingang.  

Hedgefonds Cevian drängt auf Erfolge

Zusätzlichen Spielraum hatte der Finanzchef auch durch eine Kapitalerhöhung im Dezember geschaffen, bei der das Eigenkapital von 2,5 Milliarden Euro auf 3,3 Milliarden Euro gestiegen ist. Doch auch der Einfluss des aktivistischen Hedgefonds Cevian, nach der Krupp-Stiftung zweitgrößter Aktionär des Konzerns, hatte sich dadurch verstärkt, inzwischen hat er seinen Anteil auf 15 Prozent ausgebaut. Den Druck des Investors, Ergebnisse zu zeigen, dürfte der Finanzchef in den vergangenen Monaten immer stärker gespürt haben: Cevian, der auch bei Bilfinger investiert ist, gilt als aktiver Investor, der starken Druck auf das Management ausübt – jetzt drängt er auf einen Posten im Aufsichtsrat.

Trotz des Lichtblicks bleibt noch immer viel zu tun für den Finanzchef: Noch immer liegen die Netto-Finanzschulden des Konzerns bei 4 Milliarden Euro, auch der Cashflow ist mit minus 360 Millionen Euro weiterhin negativ. 2011 hatte CFO Guido Kerkhoff gemeinsam mit CEO Heinrich Hiesinger das Ruder im Konzern übernommen, um die Schäden durch die Expansion nach Amerika zu beseitigen. Zuvor hatte Kerkhoff als Vorstand für das Geschäft in Europa der Telekom schon maßgeblich zur Entschuldung des Unternehmens beigetragen.

julia.becker[at]finance-magazin.de