Mit dem Verkauf von Dea will RWE seine Bilanzrelationen wieder in Ordnung bringen.

RWE

05.03.13
CFO

Dea-Verkauf: RWE prüft großen M&A-Deal

Mit einem großen Wurf im M&A-Bereich will RWE seine Bilanzrelationen wieder in Ordnung bringen. Wie der Energiekonzern heute mitteilte, prüft er den Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea. Das Ziel, über Beteiligungsverkäufe bis zum Jahresende 7 Milliarden Euro zu erzielen, war allerdings zu ehrgeizig.

Es sind harte Worte, mit denen RWE-Vorstandschef Peter Terium die Finanzkennzahlen des Konzerns kommentiert: „Wir sind ein Unternehmen, das für seine Zukunft hart arbeiten muss“, erklärte der CEO. Hart Arbeiten müssen wird auch Finanzvorstand Bernhard Günther, der erst im Januar bei RWE zum CFO aufgestiegen ist. Denn die gewünschte Zielmarke des Konzerns – nachhaltiger, robuster und internationaler zu werden – hat dem CEO zufolge zwar Bestand. Das Ziel könne aufgrund des eingeschränkten finanziellen Spielraums aber nur mit verringertem Tempo verfolgt werden.

Dabei lief das Geschäftsjahr für RWE besser, als von vielen Marktbeobachtern erwartet. RWE erzielte bei einem Umsatz von 53,2 Milliarden Euro ein EBITDA von 9,3 Milliarden Euro und ein betriebliches Ergebnis von 6,4 Milliarden Euro. Beide Ergebniskennzahlen liegen 10 Prozent über den Vorjahreswerten, weil im Gegensatz zu 2011 weniger Sonderbelastungen in Folge des Atomaussteigs anfielen.  

Beteiligungsverkäufe sollen Spielraum erweitern

Den finanziellen Spielraum will der Konzern unter anderem über M&A-Deals erweitern. Bis zu 7 Milliarden Euro, so der ursprüngliche Plan, sollten bis Ende dieses Jahres aus Beteiligungsverkäufen erzielt werden. Doch schon jetzt zeigt sich, dass das zu ehrgeizig war – und die Preisvorstellungen von RWE anscheinend auch zu ambitioniert. Das Desinvestitionsprogramm hat bislang erst rund 2,1 Milliarden Euro eingebracht. Es habe sich gezeigt, „dass wir für einen Teil der zur Veräußerung stehenden Beteiligungen keinen angemessenen Preis erzielen können“, sagte CEO Terium zur Begründung.

Beteiligungen zu günstig abzugeben kann sich RWE freilich nicht leisten – die Nettoschulden sind mit 33 Milliarden Euro bereits jetzt rund 3,5x so hoch wie das EBITDA, erklärtes Ziel ist der Faktor 3. Für dieses Jahr, stellte Terium klar, wird das nichts mehr. Bei Verkäufen unter Wert würde sich der Verschuldungsfaktor sogar verschlechtern, fürchtet der CEO, da ja auch die Ergebnisbeiträge der verkauften Einheiten wegfielen.

Damit die Bilanz dennoch nicht aus dem Ruder läuft, hat sich Terium nun offenbar dazu durchgerungen, den Verkauf von RWEs Kronjuwelen zu forcieren. Nicht mehr nur Minderheitsbeteiligungen oder kleine Auslandsgeschäfte stehen nun im Schaufenster, sondern gleich die gesamte Förderung von Erdöl und Erdgas, die in der RWE Dea gebündelt ist. RWE will alle Anteile an RWE Dea verkaufen – Details des geplanten M&&A-Deals will der Konzern zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben. Durch den Verkauf will RWE in den kommenden Jahren Investitionen einsparen – und dadurch letztlich die Finanzkraft des Konzerns für das Kerngeschäft stärken.

Gewinne werden volatiler

Im zurückliegenden Geschäftsjahr förderte RWE Dea 2,6 Milliarden Kubikmeter Gas und 2,4 Millionen Kubikmeter Öl. Das betriebliche Ergebnis von RWE Dea fiel dem Geschäftsbericht zufolge mit 685 Millionen Euro um 23 Prozent höher aus als 2011, was höheren ÖL- und Gaspreisen sowie einer Aufwertung des US-Dollars gegenüber dem Euro zu verdanken war. Analystenschätzungen zufolge bringt es Dea auf einen Unternehmenswert von rund 4,5 Milliarden Euro. Damit könnte Terium auf einen Schlag dem aufgegebenen M&A-Ziel von 7 Milliarden Euro doch noch nahe kommen – vor allem dann, wenn auch noch der beabsichtigte Verkauf von Net4Gas, des Betreibers des tschechischen Ferngasnetzes, gelingen sollte. Beide Unternehmensteile waren bereits 2011 als mögliche Verkäufe im Gespräch.

Doch fest steht auch: die M&A-Deals würden das Risikoprofil von RWE stark verändern. Die Verschuldung wäre zwar wieder im Zielkorridor, aber beide Geschäfte haben den Konzern in der zuletzt schwierigen Zeit stabilisiert. Sowohl die Öl- und Gasförderung als auch der Netzbetrieb sind stabile Ergebnislieferanten, während es im Stromgeschäft durch die Energiewende drunter und drüber geht. Die Gewinnentwicklung des einst so stabilen Versorgers dürfte deutlich volatiler werden.

sabine.reifenberger[at]finance-magazin.de