BNP Paribas

11.06.12
CFO

„Deutschland ist Kernmarkt“

Torsten Murke, neuer Deutschlandchef der BNP Paribas, betrachtet Deutschland weiter als wichtigen Kernmarkt der Bank. CFOs sollten die Franzosen besonders dann auf der Rechnung haben, wenn sie internationale Wachstumspläne realisieren wollen, sagte er im Gespräch mit FINANCE.

BNP Paribas bleibt in Deutschland auf Wachstumskurs. In den letzten beiden Jahren hat die Bank die Anzahl ihrer Kunden hierzulande von 100 (2010) auf mehr als 150 (Ende 2011) deutlich gesteigert. An diesem Kurs soll auch der jüngste Führungswechsel nichts ändern: Anfang April hatte Torsten Murke, zuvor stellvertretender Leiter des Deutschlandgeschäfts, Joachim von Schorlemer abgelöst. „Deutschland ist einer der europäischen Kernmärkte von BNP. Bei der Frage nach der Kapitalallokation, die maßgeblich für die Kreditvergabe ist, wird Deutschland klar als Wachstumsmarkt eingestuft“, sagte Murke gegenüber FINANCE. Durch die globale Aufstellung könne die Bank deutsche Unternehmen beispielsweise in die aufstrebende Märkte in Asien oder Lateinamerika begleiten. Opportunitäten für das Neukundengeschäft ergeben sich Murke zufolge derzeit beispielsweise durch den Rückzug deutscher Institute von der internationalen Bühne.

Im Gegensatz zu anderen Auslandsbanken verfügt BNP durch sechs Niederlassungen, u.a. in Köln, Hamburg und München, über eine große räumliche Nähe zu den deutschen Firmenkunden – ein Erbe der Fortis-Akquisition. „Das wissen unsere Kunden sehr zu schätzen“, betont Murke. „Unsere Strategie wird global entschieden, die Umsetzung bleibt aber lokal.“ Auch in der Kundenbetreuung gibt es aktuelle Personalien: Aymar de Liedekerke Beaufort wird ab Juni in Deutschland der neue Head of Corporate & Transaction Banking Europe (CTBE) und soll das Geschäft mit dem großen deutschen Mittelstand weiter intensivieren. Er folgt auf Achim Klüber (früher RBS), der das Unternehmen auf eigenen Wunsch verlassen hatte. Ab 1. Juli wird Daniel von Heyl (zuvor Bank of America Merrill Lynch) das Großkundengeschäft in Deutschland leiten.

Die Euro-Krise ist auch an der starken BNP nicht spurlos vorübergegangen. Neben Abschreibungen auf Anleihen von europäischen Peripheriestaaten traf das Thema US-Dollar-Funding die Bank. „In Konsortien mit amerikanischen Banken können wir dafür Lösungen finden, indem wir die Euro-Linie stellen“, erklärt Murke. Den Vorteil der BNP sieht der Deutschlandchef in der Aufstellung der Bank als „One-Stop-Shop“: Das Institut bietet von Debt- über Equity Capital Markets und Cash Management bis hin zur M&A-Beratung ein breites Spektrum an Produkten. Gerade das M&A-Geschäft sei unter Vorgänger Joachim von Schorlemer laut einem Bericht der F.A.Z. aber noch nicht richtig in Fahrt gekommen. Von Torsten Murke, der lange Jahre seines Berufslebens im Investmentbanking tätig war, erhoffe sich die Konzernführung in Paris eine deutliche Belebung dieser „Königsdisziplin“.

markus.dentz[at]finance-magazin.de

Das ausführliche Interview mit Torsten Murke können Sie in einer kommenden Ausgabe von FINANCE lesen.