Klare Worte zur Lage der Lufthansa: Simone Menne will die Airline wieder zurück zu alter Stärke führen.

Lufthansa

24.10.13
CFO

Lufthansa-CFO Menne: „Müssen Easyjet aus dem Markt heraushalten“

Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne legte gestern Abend in einer Präsentation die Karten auf den Tisch. Sie erklärte, welche Ziele das Management mit dem Effizienzprogramm „Score“ verfolgt, mit dem Kauf neuer Flugzeuge und mit der Stärkung von Germanwings. Für den Ist-Zustand fand Menne klare Worte.

In einer programmatischen Präsentation bei der privaten Hochschule Frankfurt School hat Lufthansa-Finanzchefin Simone Menne gestern Abend tiefe Einblicke in die Finanzstrategie des Dax-Konzerns gegeben. Bei der Beschreibung der aktuellen Lage der Lufthansa sparte sie nicht an klaren Worten: „Falls Germanwings nicht nachhaltig aus der Verlustzone kommt, müssen wir uns überlegen, ob wir für die Kurzstrecke nicht einen ganz harten Low Cost Carrier wie Easyjet kreieren“, sagte Menne. Bei Germanwings hatte die Lufthansa erst kürzlich weite Teile des innerdeutschen Zubringergeschäfts gebündelt, um die hohen Verluste des europäischen Passagebereichs einzudämmen. „Wir haben das nicht getan, um große Gewinne einzufahren“, bekannte Menne, „sondern um den Markteintritt von Easyjet in Deutschland zu verhindern.“

Simone Menne: „Die AUA war beinahe insolvent“

Auch auf Kosten- und Prozessseite kämpft die Finanzchefin gegen die schwache Ertragslage der Airline. Im Rahmen des Effizienzprogramms „Score“ harmonisiert die Lufthansa beispielsweise über ihre Tochter-Airlines hinweg Flugzeugtypen und –ausstattungen, um die Komplexität zu verringern – „und natürlich auch, um die Einkaufskosten zu senken“. Einen wichtigen Beitrag soll auch der Aufbau besserer Shared Service Center liefern. In diesem Punkt übte Menne deutliche Selbstkritik: „Im Vergleich zu anderen Dax-Konzern sind wir hier nicht besonders modern.“ Als ersten Schritt hat der Vorstand vor kurzem erst die Schließung zweier Service-Standorte in Deutschland beschlossen.

Die Strategie, die das Lufthansa-Management im Kernmarkt Deutschland verfolgt, rollt es auch bei den Auslandsbeteiligungen aus, vor allem beim aktuell größten Sorgenkind des Konzerns, der Austrian Airlines. „Letztes Jahr stand die AUA kurz vor der Insolvenz“, sagte Menne mit Blick auf die harten Kostensenkungen, die die Lufthansa in Österreich durchgesetzt hat.

Offenbar geht Menne davon aus, dass die harten Einschnitte erst der Anfang sind. „Die Erlöse pro Flugticket werden weiter sinken, die Kosten gleichzeitig aber steigen“, erwartet die Finanzchefin. In einem Chart demonstrierte sie die Marktentwicklungen, die der Lufthansa zu schaffen machen. Demnach sind seit 2002 die Erlöse zwar um 5 Prozent pro Jahr gewachsen – die Kosten allerdings um 6 Prozent. Vor allem Posten, die das Management kaum beeinflussen könne, seien laut Menne für den Kostenanstieg verantwortlich: „Kerosin hat sich um 19 Prozent pro Jahr verteuert, die Flughafengebühren um 9 Prozent.“

Menne will die Lufthansa für Zukäufe fit machen

Dennoch benannte Menne die Steigerung des Unternehmenswerts als eines ihrer Hauptziele. M&A-Deals und hohe Investitionen in die Modernisierung der Flotte bezeichnete die Finanzchefin als entscheidende Werthebel. So hat die Lufthansa erst im November nahezu 60 neue Langstreckenflugzeuge bestellt, deren Listenpreis sich auf 14 Milliarden Euro summiert – fast ausschließlich als Ersatz für alte, ineffiziente Flugzeuge.

Die neuen Modelle würden 25 Prozent weniger Kerosin verbrauchen und mit 20 Prozent geringeren Stückkosten operieren, versprach Menne – ohne die Tücken dieser Großinvestition zu verschweigen: „Die bestellten Flugzeuge werden zwischen 2017 und 2025 ausgeliefert und teilweise bis 2050 im Flugbetrieb sein. Das ist der Planungshorizont, mit dem wir arbeiten“, sagte die Finanzchefin. „Wir haben uns im Vorstand mehr als einmal gefragt, ob in zehn Jahren unsere Nachfolger uns für diese Entscheidung verehren oder verfluchen werden.“ Doch sie habe ein gutes Gefühl, die richtige Entscheidung getroffen zu haben: „Den Dreamliner haben wir Gott sei Dank nicht bestellt“, erlaubte sie sich einen Seitenhieb auf Boeing, dessen neues Vorzeigemodell nahezu wöchentlich mit Pannen für Schlagzeilen sorgt.

Die Idee hinter den tiefen Einschnitten in Strategie, Kosten und Aufstellung der Kranich-Linie: Die Effekte aus „Score“ sollen die Lufthansa zusammen mit den Milliardeninvestitionen für die anstehende Marktkonsolidierung wieder in die frühere Position der Stärke zurückbringen, erklärte Menne. „Wir wollen die sein, die sich ihre Partner aussuchen – nicht umgekehrt“, stellte sie klar. „Dafür brauchen wir finanziellen Spielraum.“

Die Finanzchefin rechnet fest damit, dass sich der Airline-Markt in Europa bald bereinigen wird. „In Europa kommen die Top 5 Airlines auf einen Marktanteil von 42 Prozent, in den USA auf 89 Prozent. Das ist die Realität – aber das wird so nicht bleiben.“            

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de