Personio wird nach drei Finanzierungsrunden mit einer halben Milliarde bewertet. Die Finanzabteilung aufzubauen ist kein Kinderspiel.

Personio

09.04.20
CFO

Personio: Wie der Einhorn-Kandidat seine Finanzabteilung aufbaut

Das Start-up Personio ist schon 500 Millionen Euro wert und damit ein halbes Einhorn. Jetzt soll ein CFO kommen, um die Finanzabteilung weiter aufzubauen. Personio-Gründer Hanno Renner erzählt, was genau zu tun ist.

Herr Renner, Personio wird seit der jüngsten C-Finanzierungsrunde mit einer halben Milliarde US-Dollar bewertet. Personio entwickelt Human-Resources-Software und hat insgesamt schon 130 Millionen US-Dollar von diversen Investoren eingesammelt. Wie meistern Sie die Finanzkommunikation ohne CFO?
Ich übernehme selbst die Kommunikation mit den Investoren. Michael Kuntz, unser VP Legal & Finance, der unter anderem die Finance Abteilung leitet, war in die bisherigen Finanzierungsrunden auch immer sehr stark involviert. Am schwierigsten waren die Gespräche in der ersten Finanzierungsrunde. Damals mussten wir erst einmal erklären, was wir eigentlich machen. Bei der zweiten Runde konnten wir dann schon schneller Interessenten finden, und außerdem haben wir auch noch die vorherigen Investoren angefragt. Am Ende hatten wir rund sechs Term Sheets.

Die Series C-Runde kam dann im Januar dieses Jahres früher als erwartet. Aber wir hatten die Möglichkeit, Accel an Bord zu holen. Das ist für uns deshalb so strategisch wertvoll, weil Accel erstens ein führender Tech-Investor ist und zweitens Erfahrung hat, Start-ups an die Börse zu führen, etwa Spotify. Alles in allem hat die Finanzierungsrunde mit Accel nur sechs Wochen gedauert – vom Erstgespräch bis zur Unterschrift. Für die nächsten Schritte brauchen wir jetzt aber wirklich einen CFO, und wir sind auf der Suche.

Der Börsengang ist bei vielen Start-ups nach der C-Finanzierungsrunde der logische nächste Schritt. Ist das der Grund, warum Sie jetzt einen CFO suchen?
Nein. Natürlich haben wir uns schon Gedanken über einen IPO gemacht, aber in den nächsten ein bis zwei Jahren ist das nicht geplant. Stattdessen könnte ich mir noch eine zusätzliche Finanzierungsrunde vorstellen. Auch weitere Zukäufe im technologischen Bereich sind nicht ausgeschlossen. Allerdings suchen wir derzeit nicht aktiv nach geeigneten Targets und wollen eher organisch wachsen. Einen CFO suchen wir deshalb, weil Michael Kuntz aus privaten Gründen eine andere Rolle im Unternehmen einnehmen wird. Das heißt, es bietet sich für uns eine gute Möglichkeit, jemand von Extern dazuzuholen, der schon bei anderen Unternehmen die Finanzabteilung ausgebaut und skaliert hat.

Welchen Zustand in der Finanzabteilung wird ihr künftiger Finanzchef vorfinden?
Generell ist es ein Prozess, diese Abteilung weiter aufzubauen und zu strukturieren. Mit Michael Kuntz entstand die Finanzabteilung schon vor fast vier Jahren. Aber wenn die Company wächst, muss auch die Finanzabteilung wachsen – sie ist also permanent im Ausbau. Aktuell besteht sie aus 15 Mitarbeitern, die in Legal, Business Intelligence, Finance, Office Management, Accounting und Controlling arbeiten. 

Was hätten Sie rückblickend beim Aufbau der Finanzabteilung besser machen können?
Als Start-up legt man den Fokus immer zuerst einmal auf das Produkt, interne Funktionen wie Finance oder HR hinken oft hinterher – bis man merkt, dass man dringend einen Accountant und einen Controller braucht. Auch beim Subscription Management haben wir etwas zu lange gewartet. Wir haben die Prozesse wie etwa Gutschriften schreiben drei Jahre manuell verarbeitet. Dabei kann man so ein System schon am ersten Tag einführen, das ist kein großer Aufwand. Das wussten wir aber erst später, als es dann viel aufwendiger war.

Als dritte Lektion nehme ich mit, dass Start-ups ab einer gewissen Kundenanzahl standardisierte Prozesse einführen sollten. Man sollte nicht für einen Kunden eine Ausnahme machen, weil der anders bezahlen möchte als andere. Sonst wird es schwierig, zu skalieren. Wenn abzusehen ist, dass das gesamte Unternehmen wächst, sollte die Finanzabteilung Prozesse vereinfachen und skalieren. Diesen einen sinnvollen Zeitpunkt, das alles einzuführen, gibt es aus meiner Sicht zwar nicht. Ich bin mir aber sicher, dass er relativ früh in der Unternehmensentwicklung liegen sollte. 

Klappt der Weg zum ganzen Einhorn besser mit CFO?
Die Bewertung ist nicht unser Ziel. Es geht in erster Linie darum, die Umsätze, die vergangenes Jahr im zweistelligen Millionenbereich lagen, zu steigern – und dann schließlich profitabel zu werden.

sarah.backhaus[at]finance-magazin.de

Hanno Renner gründete 2015 zusammen mit Arseniy Vershinin, Roman Schumacher und Ignaz Forstmeier das Start-up Personio und ist seitdem CEO des Unternehmens. Davor arbeitete er als Yacht-Skipper.

Das Münchener Start-up Personio bietet eine Personalmanagement-Software an, mit der alles rund um das Thema HR digital verwaltet werden kann, wie zum Beispiel Urlaubsanträge oder Arbeitsverträge. Kunden sind unter anderem Hellofresh und Holidaycheck. Das Unternehmen beschäftigt rund 350 Mitarbeiter und will in diesem Jahr die Mitarbeiterzahl auf 700 aufstocken. Investoren sind unter anderem Index Ventures, Northzone und Global Founders Capital. Insgesamt wurden bereits 130 Millionen US-Dollar in das Unternehmen gepumpt. Laut der Beratungsfirma GP Bullhound gilt Personio als einer der nächsten Kandidaten, die zum Einhorn aufsteigen könnten. Das Start-up wird mit einer halben Milliarde bewertet.