Osram will sich vom Lampengeschäft mit der Glühbirne und den LRDs verabschieden.

Osram

22.04.15
CFO

Radikaler Schritt: Osram trennt sich von Lampengeschäft

Osram scheint seine Antwort auf den radikalen Wandel in der Lichtbranche gefunden zu haben: Der Leuchtenhersteller will sich aufspalten. Dabei hatte das Management diese Option lange abgelehnt.

Jetzt also doch: Der Leuchtenhersteller Osram will sich von seinem Lampengeschäft mit traditionellen Glühbirnen und LEDs trennen. Auf Basis seiner Beratungen vom 15. April beabsichtigt der Vorstand „das Lampengeschäft der Allgemeinbeleuchtung zu verselbstständigen“, heißt es in einer knappen Ad-Hoc-Mitteilung des früheren Siemens-Konzerns. Endgültig darüber entscheiden soll der Aufsichtsrat aber erst am 28. April.  

Für Osram ist dies ein radikaler Schritt: Die Münchener schneiden ihr klassisches Kerngeschäft ab und konzentrieren sich auf das lukrative Business mit Spezialbeleuchtung und Nischenanwendungen für Industriekunden. Eine Abspaltung war in der Branche bereits länger diskutiert worden. Insbesondere der Kapitalmarkt hatte dieses Szenario geradezu herbeigesehnt: Der Osram-Aktienkurses legte nach Bekanntgabe der Abspaltung um bis zu sechs Prozent zu.

Industrie- und Automotivegeschäft stärkt Osram

Denn Osram kämpft schon seit Jahren mit dem defizitären LED-Allgemeinbeleuchtungsgeschäft und dem zwar profitablen, aber schrumpfenden Altgeschäft mit der Glühbirne. Im Geschäftsjahr 2013/2014 erzielte Osram mit dem Glühbirnengeschäft einen Umsatz von rund 2 Milliarden Euro, der Konzernumsatz lag bei 5,1 Milliarden Euro, der Konzerngewinn nach Steuern betrug 193 Millionen Euro. Die LED-Sparte hat 90 Millionen Euro verloren. Trotz aufgelegten Sparprogrammen und einem Rückbau des traditionellen Glühlampengeschäfts konnte das Unternehmen das Blatt bislang nicht wenden.  

Sein Geld verdient Osram dagegen vor allem im profitablen Industrie- und Automotivegeschäft, mit dem es das noch defizitäre LED-Massengeschäft quersubventioniert. Trotz  dieser Ausgangssituation hatte das Management um CEO Olaf Berlien und CFO Klaus Patzak eine Abspaltung immer wieder bestritten. Das Unternehmen werde sich nicht komplett neu erfinden, sondern in der Grundstruktur mit unterschiedlichen Geschäften bleiben, wie es ist, sagt CEO Berlien vor einigen Monaten in einem Interview.

IPO oder Verkauf?

Vor knapp zwei Monaten kündigte CFO Patzak in einem Interview mit FINANCE TV  aber bereits an, dass das Management darüber nachdenkt, ob die aktuelle Konzernstruktur wirklich beibehalten werden soll. „Bei unserem Strategieprozess gibt es keine Denkverbote“, betonte der Finanzchef schon damals.

Ob es sich bei der angekündigten Abspaltung um einen Verkauf oder einen Börsengang handelt, wird Osram jetzt in den kommenden Monaten beantworten müssen. In der Mitteilung des Konzerns heißt es lediglich, dass durch die Abspaltung „die Grundlage für Weiterentwicklung“ des Lampengeschäfts  geschaffen werden soll, „auch unter Einbeziehung von Partnern“.

julia.becker[at]finance-magazin.de

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