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Chinesischer PE-Investor drängt nach Deutschland

Heimat Shanghai, Zielmarkt Deutschland: Mandarin Capital Partners drängt auf den deutschen PE-Markt. Der Ex-3i-Mann Markus Solibieda soll das Deutschlandgeschäft aufbauen.
Thinkstock / Getty Images

Der italienisch-chinesische Private-Equity-Fonds Mandarin Capital Partners (MCP) expandiert nach Deutschland. Für die Leitung des deutschen Büros in Frankfurt hat der PE-Investor den früheren 3-Manager Markus Solibieda angeheuert. Solibieda muss für den hierzulande noch weitgehend unbekannten Mid-Cap-Fonds nun M&A-Targets im deutschen Mittelstand finden.

MCP will deutsche Mittelständler bei ihrer Expansion in China unterstützen und dafür das eigene Know-how und Netzwerk in die Waagschale werfen. „Wir suchen deutsche Nischenmarktführer, die gerade eine Internationalisierungsstrategie entwickeln und in China Absatzkanäle oder Produktionsstätten aufbauen wollen“, beschreibt die in Peking beheimatete Partnerin Ghao Zen gegenüber FINANCE die Investmentstrategie des PE-Investors.

Zweiter Fonds von MCP im Fundraising

Aus seinem 2007 aufgelegten und 328 Millionen Euro großen ersten PE-Fonds hat MCP in zehn Unternehmen investiert, die nach Angaben des PE-Investors bislang 20 Add-on-Akquisitionen und drei große Greenfield-Projekte abgeschlossen haben. Mit einem Brutto-Multiple von 1,6x und einem IRR von 19 Prozent ist die Performance des Fonds ordentlich, zahlreiche PE-Fonds aus dem schwierigen Vintage-Jahr 2007 haben deutlich schwächer abgeschnitten. Der deutsche Mittelstandsinvestor Halder realisierte mit einem Netto-IRR von 15 Prozent bei seinen 2007 erworbenen Portfoliounternehmen eine ähnliche Performance wie MCP. Acht der ursprünglich zehn Portfoliounternehmen sind noch immer im Besitz von Mandarin Capital Partners.

Aktuell befinden sich das europäisch-chinesische Team im Fundraising, für den Nachfolgefonds Mandarin Capital Partners II wird ein Zielvolumen von 400 Millionen Euro angestrebt. Mit einem Abschluss des Fundraisings rechnet Zhen bis Mitte des kommenden Jahres.

30 bis 40 Millionen Euro Eigenkapital kann MCP in jeden M&A-Deal investieren. Doch bis das auch in Deutschland gelingt, muss Solibieda noch Aufbauarbeit leisten: „Wir brauchen Zeit, um uns in Deutschland zu etablieren und Zugriff auf einen guten Dealflow zu bekommen.“ Ein größeres deutsches Team will Solibieda erst nach und nach aufbauen, bis auf weiteres werden mögliche deutsche Investitionsgelegenheiten auch von den Teams in Mailand und China bewertet und mit begleitet. Damit verfolgt MCP eine ähnlich vorsichtige Wachstumsstrategie in Deutschland wie der zweite aktuelle Newcomer am deutschen PE-Markt, der belgische PE-Investor Gimv, der bei der Dealabwicklung ebenfalls stark auf die Kernbüros im Ausland zurückgreifen muss. 

Exits an chinesische Strategen?

Bei seinen Bemühungen, mit deutschen Mittelständlern ins Geschäft zu kommen, könnte Solibieda auf Vorbehalte stoßen – nicht nur, weil er dabei auf gut etablierte Platzhirsche wie ECM und die Deutsche Beteiligungs AG trifft, die erst im vergangenen Jahr neue, für deutsche Verhältnisse große PE-Fonds eingeworben haben. Schließlich wissen die Verkäufer und die Managementteams, dass ein PE-Investor immer nur auf Zeit investiert und dann den Exit anpeilt. Strategische Käufer aus China dürften bei der starken Verankerung von MCP in dem Land bei der Exitstrategie eine wichtige Rolle spielen – ein Gedanke, mit dem sich nicht jedes deutsche Managementteam anfreunden wird.

Doch Zhen betont, dass es keine Festlegungen gebe: „Es ist nicht vorgegeben, dass wir unsere Portfoliounternehmen nach China verkaufen. Es gibt keine bevorzugte Exitstrategie für eine bestimmte Region.“

michael.hedtstueck[at]finance-magazin.de

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Michael Hedtstück ist Chefredakteur von FINANCE-Online und FINANCE-TV und verantwortet die Online-Aktivitäten des FINANCE-Magazins. Er ist zweifacher Träger des Deutschen Journalistenpreises.

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