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Darum sollte Private Equity in die Food-Branche investieren

Auch in der Food-Branche warten auf Private-Equity-Investoren spannende Investmentcases.
Lisovskaya/iStock/Getty Images

Seit der Ausbreitung des Coronavirus heißt es fast überall nur noch: Nur Investments in Healthcare und Software sind für Private Equity derzeit noch eine sichere Nummer. Doch auch abseits davon locken Chancen – nicht nur, wie bereits beschrieben, in der Bauindustrie, sondern auch in der Food-Branche.

Lange Zeit tauchte diese Industrie allenfalls am Rand der Radarschirme von Private-Equity-Investoren auf. Während es im Largecap-Bereich durchaus nennenswerte Food-Buy-outs gab, etwa von Iglo oder Kraft Heinz, waren Nahrungsmittelhersteller in den Portfolios deutscher Mittelstandsinvestoren nur gelegentlich als risikomindernde Beimischung zu finden.

Dabei wird die Nahrungsmittelbranche immer weniger „langweilig“, wie der Branchenexperte Werner Motyka von dem Beratungshaus Munich Strategy findet: „Der Trend geht zu frischeren und gesünderen Produkten, und Essen wird immer mehr zum Lifestyle.“ Während größere, traditionelle Konzerne diese Entwicklung oft verschlafen hätten, seien jüngere Unternehmen hier auf dem Vormarsch – und deshalb für Private Equity interessant.

Diese Food-Segmente interessieren Private Equity

Doch nach welchen Unternehmen sollten Finanzinvestoren konkret Ausschau halten? Werner Motyka sieht drei Arten von interessanten Investment-Cases für Private Equity: „Zunächst sind Segmentspezialisten attraktiv – also Unternehmen, die in ihrem Gebiet technologisch bestens aufgestellt sind und die für ihre Zielgruppen klar definierte Probleme lösen.“

Beispielhaft vorgemacht hätten dies der Finanzinvestor Emeram mit dem Tiefkühlkosthersteller Frostkrone oder die DBAG mit dem Investment in den Fleischproduzenten Abbelen. Private-Equity-Investoren könnten solche Unternehmen bei der Internationalisierung oder der Expansion in benachbarte Segmente unterstützen.

Ähnlich spannend für Private Equity sind Food-Unternehmen mit Filialexpertise. Dazu zählt Motyka überraschenderweise auch Filialbäckereien, durch deren Reihen in den vergangenen Jahren eine Pleitewelle gerauscht ist, die auch Private-Equity-Häuser getroffen hat, beispielsweise den „Lila Bäcker“ der DBAG. Aber Motyka sieht bei Filialbäckereien auch Stärken: „Sie sind oft operativ und im Vertrieb sehr effizient aufgestellt, zeigen eine hohe Marktnähe, sind aber meist nur in einer Region vertreten und dementsprechend wie gemacht für eine regionale Expansion.“

Zuletzt sieht Werner Motyka attraktive Targets unter B2B-Unternehmen wie zum Beispiel unter sogenannten „Ingredients-Herstellern“: „Schon vor Corona trumpften diese Unternehmen mit ihrer technologischen Kompetenz in einem Produktbereich und mit ihrem Fokus auf die technische Problemlösung und Beratung ihrer Geschäftskunden. Das wird sich auch nach der Coronakrise nicht nachhaltig verändern.“

Vorsicht vor zu schillernden Investment-Cases

Doch nur weil der Lebensmittelbereich in Summe nicht-zyklisch und stabil ist, heißt das nicht, dass jedes Investment in diesen Bereich risikoärmer ist als beispielsweise Investments in eher exportorientierte Unternehmen. Denn gerade in der Food-Branche existieren zahlreiche Unternehmen, die lediglich einem kurzlebigen Trend nacheifern und nicht nachhaltig rentabel genug für ein fremdfinanziertes Private-Equity-Investment sind. „Insbesondere der Hype um Produkte, die frei von gewissen Inhaltsstoffen wie etwa Laktose oder Gluten sind, hat seinen Zenit etwas überschritten. Das Thema ‚plant-based‘ ist weiterhin wichtig, aber hier gilt es zu differenzieren“, warnt Food-Experte Motyka.

Interessieren sich Finanzinvestoren für ein solches Unternehmen, helfe es, sich zu fragen, wie expansionsfähig das Geschäftsmodell ist: „Investoren sollten überlegen, wie man die Themen richtig ausspielen und kombinieren kann. Zum Beispiel lässt sich mit veganen und zusätzlich ethisch produzierten oder nachhaltig verpackten Produkten ein größerer Markt erschließen als alleine mit veganen Produkten.“ Finanzinvestoren, die in thematischen Clustern denken, könnten auch abseits der für alle sichtbaren Trends spannende Übernahmekandidaten finden.

Private Equity trifft auf Familienunternehmen

Private-Equity-Investoren müssen zudem auf eine weitere Besonderheit der Food-Branche achten, erklärt Motyka: „Der Markt ist nicht nur von vielen kleinen Mittelständlern geprägt, zum Beispiel im Bereich Süß- und Trockenwaren. Viele Anbieter, darunter auch größere mit 200 bis 300 Millionen Euro Umsatz, befinden sich in Familienhand.“

Das mag für den ein oder anderen Investor eine Hürde sein, besonders weil familiengeführte Unternehmen selten ausgereifte M&A-Erfahrung mitbringen. Dennoch kann sich laut Motyka so ein Investment auszahlen: „Familienunternehmen aus der Food-Branche haben in der Regel eine starke Marke und eine hervorragende Stellung in ihrem Segment. Das ist eine gute Basis für einen Private-Equity-Investor.“

Stimmen Sie der Aussage zu, dass in der Food-Branche spannende Investment-Cases für Private Equity zu finden sind?

Multiples in Food-Branche fangen unter 6x Ebitda an

Für Hersteller mit einer starken Marke müssen Finanzinvestoren rund 8x Ebitda auf den Tisch legen, so Motyka. Die Bewertungs-Multiples für ein Unternehmen ohne starke Markenkompetenz liegen dem Berater zufolge zwischen 6x bis 7x Ebitda. „Bei einem überschaubaren, regionalen Player mit unter 20 Millionen Euro Umsatz können Private-Equity-Investoren auch schon mal für unter 6x Ebitda einsteigen“, weiß der Experte.

Solche Opportunitäten wären zum Beispiel als Add-on-Akquisitionen interessant, über die sich mit wenig Kapitaleinsatz das Plattforminvestment schnell vergrößern ließe. Zweistellige Multiples sieht Werner Motyka bei PE-Deals in der Branche eher selten – zumal die Multiples schon vor Corona eher leicht rückläufig gewesen seien: „Durch die Krise werden viele Bewertungen jetzt einen Einbruch erleben“, prognostiziert Motyka. Mittelfristig werden sich die Bewertungen aber wieder auf ihr altes Niveau erholen, erwartet er.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

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Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.

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