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Darum sollte Private Equity in die Heizungsbranche investieren

Auch in der Heizungsbranche warten auf Private-Equity-Investoren spannende Investment-Cases.
pixelkorn - stock.adobe.com

Noch ist Private Equity nicht ganz mit der Heizungsbranche warm geworden – doch das könnte sich bald ändern, denn in der Branche gibt es spannende Investment-Cases für Finanzinvestoren, glaubt die Strategie- und M&A-Beratung S&B Strategy. Ein Einstieg in die Heizungsbranche könnte vor allem gerade jetzt interessant sein, da die Branche bedingt durch Verordnungen wie den EU-Green-Deal vor einem historischen Umbruch steht.

„Europa soll bis 2050 klimaneutral werden, daher müssen fast alle bestehenden Gebäude ihre Heizungssysteme auf neue, nachhaltige Standards umrüsten“, berichtet Christoph Blepp, Managing Partner bei S&B Strategy. Das Aufrüsten auf nachhaltige Heizungslösungen wie beispielsweise mit nachhaltigem Strom betriebene Wärmepumpen betreffe außerdem so gut wie alle Neubauten. Die Transformation zu nachhaltigem Heizen ist also ein langfristiger Branchentrend – und bietet der Strategieberatung zufolge damit ein attraktives Renditepotential für Finanzinvestoren.

Doch welche Heizungsunternehmen eignen sich am besten für ein Private-Equity-Investment? „Finanzinvestoren sollten nach kleinen bis mittelgroßen Heizungs- und Sanitärinstallateuren suchen, die auch komplexe Installationen stemmen können“, rät Blepp. Dieses Feld ist noch sehr kleinteilig – in Deutschland gibt es dem Berater zufolge über 1.000 Anbieter – und bietet demnach großes Konsolidierungspotential für eine Buy-and-build-Strategie.

Wiederkehrende Umsätze bei B2B-Heizungsfirmen

Ebenfalls attraktiv: B2B-Energiedienstleister. „Diese Firmen, die beispielsweise Vertragsmodelle für Energiedienstleistungen anbieten, sind meistens regional verwurzelt, genießen das Vertrauen in der Region und eignen sich daher besonders für Plattform-Investments“, meint Blepp. Ihr Vorteil: Weil diese Firmen größere Projekte bearbeiten und dadurch auf weniger Fahrten zu den Kunden angewiesen sind – wie klassische Installateure – fallen die „Drive-Time-Kosten“ für Vertriebs- und Installationsteams geringer aus. Ein massiver Werthebel, glaubt der Berater.

Zudem setzen einige dieser Unternehmen mit der Anlagenvermietung auf Geschäftsmodelle mit wiederkehrenden Umsätzen. Auch eine europaweite Expansion ist möglich, meint der Berater: „Gerade weil sich alle EU-Länder auf die neuen Standards umstellen müssen, ist eine Expansion über die deutschen Ländergrenzen hinaus nicht ausgeschlossen.“

Die Finger lassen sollten Private-Equity-Investoren hingegen von den großen Heizungsherstellern wie Vaillant, Viessmann, Stiebel Eltron oder Weishaupt. „Hier herrscht bereits eine hohe Konzentration und die Transaktionswahrscheinlichkeit ist gering“, findet Blepp. Ein möglicher Grund: Diese Unternehmen liegen oft in Familienhand.

Es gibt auch einen Haken bei Heizungsinvestments: Sie sind meistens nur für Small- und Midcap-Investoren geeignet. „Interessante Firmen findet man ab 5 Millionen Ebitda – das ist vielen Private-Equity-Investoren zu klein für ein Plattform-Investment“, meint der Strategieberater. Aber gerade weil die Branche für größere Finanzinvestoren weniger interessant ist, könnte in der Heizungsindustrie die Stunde der Small- und Midcap-Investoren schlagen.

Heizungsbranche mit bis zu 20 Prozent Ebitda-Marge

Wer sich in die Heizungsbranche traut, den erwarten dafür ordentliche Erträge: Dem Berater zufolge sind Ebitda-Margen von bis zu 20 Prozent möglich. Eine Voraussetzung dafür ist allerdings eine hohe Auslastung des Geschäfts: „Nur eine hohe Auslastung und damit verbunden wenig Zeit zwischen den einzelnen Aufträgen steigern die Profitabilität maßgeblich“, so Blepp. Finanzinvestoren, die sich für die Heizungsbranche interessierten, sollten sich daher einen Installateur mit einer bereits hohen Auslastung aussuchen – oder die Auslastung nach der Übernahme schnell hochfahren.

Die Plattform sollten die Private-Equity-Investoren allerdings erst komplett professionalisieren, bevor sie den nächsten Player in einer anliegenden Region zukaufen, um die Plattform zu vergrößern. Das liegt vor allem daran, dass viele mittelständische Installateure noch Unterstützung bei der Professionalisierung ihres Geschäfts benötigen.

Bis die Plattform bereit für Add-ons ist, könne es dem Berater zufolge bis zu fünf Jahre dauern. Das Hochfahren der Plattform gehe dann aber vergleichsweise schnell. „Wem das zu langsam geht, der kann parallel Add-ons tätigen, parallel restrukturieren und später integrieren“, meint Blepp.

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Das Thema Recruiting spielt bei Heizungsinvestments ebenfalls eine wichtige Rolle, denn die Branche leidet unter einem starken Fachkräftemangel. Um eine Plattform aufzubauen, müssen die Finanzinvestoren aber auch personell aufstocken. Blepp weiß einen Ausweg: „Derzeit gibt es gerade eine Nachfolgewelle in der Heizungsindustrie. Die Investoren können Mitarbeiter dieser Firmen rekrutieren oder gleich die ganze Firma kaufen, wenn das in die Investmentstrategie passt.“

Heizungs-Multiples liegen zwischen 4x und 8x Ebitda

Bei Heizungsinvestments heißt es für Finanzinvestoren vielleicht ein bisschen mehr „hands-on“ als bei klassischen Private-Equity-Branchen. Dafür sind die Zielunternehmen günstig – und das Renditepotential außerordentlich, glaubt Blepp: „Es gibt bereits interessante mittelständische Installateure für 4x Ebitda, teure Unternehmen kosten bis zu 8x Ebitda.“ Zum Vergleich: Die Bewertungs-Multiples für einige Assets in der Bauzulieferindustrie lagen S&B zufolge im vergangenen Jahr bei teilweise über 12x Ebitda – Tendenz steigend.

Auch die jährlichen Renditen können sich laut dem Berater sehen lassen: „Ein Eigenkapitalinvestment von rund 20 Millionen Euro könnten Finanzinvestoren in fünf Jahren bei den richtigen Bedingungen verachtfachten.“ Sprich: Der Aufwand ist nicht zu unterschätzen, wenn man seinen Einsatz derart vervielfachen möchte. Die jährliche Rendite (IRR) läge in diesem Fall allerdings auch bei rund 70 Prozent.

„Ihr Eigenkapitalinvestment können Finanzinvestoren bei den richtigen Bedingungen verachtfachen.“

Christoph Blepp, Managing Partner bei S&B Strategy

Das Jahr 2020 dürfte auf die Heizungsbranche zudem keinen negativen Einfluss gehabt haben – ganz im Gegenteil: Wegen Corona haben vor allem Privathaushalte die freie Zeit und das nicht verwendete Urlaubsgeld in die Sanierung ihrer Heizsysteme gesteckt, hat Blepp beobachtet. Daher dürfte die Branche derzeit sogar von einem kleinen positiven Einmaleffekt profitieren – ein gutes Momentum, das Private Equity zum Einstieg nutzen kann.

olivia.harder[at]finance-magazin.de

Info

Noch mehr Hintergrundinformationen zu Finanzinvestoren finden Sie auf der FINANCE-Themenseite Private Equity. In drei weiteren Artikeln beleuchten wir, weshalb die Branchen Bau, Food und Chemie für Private Equity spannend sind.

Olivia Harder ist Redakteurin bei FINANCE und verfolgt schwerpunktmäßig die aktuellen Entwicklungen im Private-Equity- und M&A-Geschäft. Sie hat Philosophie, Politikwissenschaften, Soziologie und Geographie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen studiert, wo sie auch einen Lehrauftrag innehatte. Vor FINANCE arbeitete Olivia Harder in den Redaktionen mehrerer Wochen- und Tageszeitungen, unter anderem beim Gießener Anzeiger.