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„Downsizing ist nicht das Ziel unserer Fusion“

Thinkstock / Getty Images

Über 100 Unternehmen finanzieren Sie im Moment mit Eigen- und Mezzanine-Kapital – eines der größten Beteiligungsportfolios Deutschlands. Entsprechend viel Dealflow dürften Sie sehen. Wie ist die Lage im deutschen PE-Geschäft aktuell?

Die Nachfrage seitens der Unternehmen nach Wachstumsfinanzierungen für Sprunginvestitionen ist eher moderat, und das dürfte wegen der abgeschwächten Konjunktur erst einmal auch so bleiben. Dafür sehen wir einen nach wie vor robusten Dealflow von Anschlussfinanzierungen für auslaufende Mezzanine-Programme.

Wir haben schon einige Unternehmen mit individuellem Mezzanine dabei unterstützt, auslaufende Standard-Mezzanine-Tranchen zu tilgen – meist aber in Kombination mit klassischem Fremdkapital und Eigenmitteln, die die Unternehmen aus dem Cashflow generiert haben. Parallel zu den Mezzanine-Programmen wird dieser Dealflow 2013/2014 auslaufen. Wo wir deutlich mehr Dealflow sehen als in früheren Jahren, sind Nachfolgetransaktionen.

Das hören wir auch von anderen PE-Investoren. Wieso platzt der Knoten bei Nachfolgetransaktionen gerade jetzt?

Dass liegt sicher auch daran, dass einige Beteiligungshäuser inzwischen positive Referenztransaktionen vorweisen können. Das hilft auch uns: Von den letzten drei Transaktionen, die wir getätigt haben, waren zwei Nachfolgefinanzierungen. Hinzu kommt, dass durch Basel 3 bei vielen Unternehmen Eigenkapitalbedarf aufgedeckt wird. Das steigert generell die Nachfrage nach Beteiligungskapital, und das gilt natürlich auch für Familienunternehmen.

VR Equitypartner soll das Firmenkundengeschäft der Genossenschaftsbanken mit Eigenkapitallösungen unterstützen. Entwickeln Sie sich zu einem Spezialfinanzierer innerhalb der Genossenschaftsbanken, einer verlängerten Werkbank des Firmenkundengeschäfts?

Auf keinen Fall sind wir die verlängerte Werkbank des Kreditgeschäfts. Wir haben – das war übrigens auch schon vor der Fusion so – zwei wichtige Quellen für unseren Dealflow, die wir auch weiterhin beide nutzen werden: die genossenschaftliche Finanzgruppe einerseits und unser Netzwerk, zu dem insbesondere M&A-Berater zählen, andererseits.

Das heißt: Wir suchen Transaktionen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Kundenkreises der Volksbanken Raiffeisenbanken. Wir schauen uns jedes in Frage kommende Unternehmen gründlich an und prüfen, ob es unsere Investitionskriterien erfüllt.Das gilt sowohl für die Aufteilung Direktbeteiligung/Mezzanine als auch für eine möglicherweise bestehende Verbundenheit des zu erwerbenden Unternehmens zur Finanzgruppe.

Ihr aktuelles Investitionsvolumen in Höhe von 570 Millionen Euro verteilt sich auf mehr als 100 Zielunternehmen. Geht es bei Ihrer Fusion auch darum, dieses extrem granulare Portfolio zu straffen und das Private-Equity-Exposure der DZ Bank bzw. der WGZ Bank zu reduzieren?

Nein, auf keinen Fall. Downsizing ist nicht das Ziel unserer Fusion – im Gegenteil. Wir wollen definitiv wachsen! Dafür haben uns unsere Gesellschafter auch die nötigen Linien eingeräumt. Da ist noch Luft.

Haben Ihre Gesellschafter die Fusion zum Anlass genommen, die Linien für zusätzliche Engagements zu kürzen, so dass Sie jetzt gemeinsam weniger freie Linien haben als vorher getrennt?

Nein, die addierten Linien sind in etwa gleich geblieben. Eins plus Eins ist Zwei – mindestens. Bei unserer Fusion ging es um die Bündelung unserer Kräfte zugunsten einer optimierten Kundenansprache und somit eine größere Effizienz und nicht um Fokussierung oder gar Schrumpfung.   

Ihre Vorgängergesellschaft DZ Equity hat mit dem Mezzanine-Programm Gemit ähnlich schlechte Erfahrungen gemacht wie die Initiatoren anderer Programme wie Preps oder Equinotes. Sehen Sie für Ihre neue Firma noch eine Zukunft im Mezzanine-Geschäft?

Das Thema Standardprogramme ist von der DZ Equity Partner bereits vor Jahren beendet worden, lange vor der Fusion.  Bei der WGZ Initiativkapital war es nie ein Thema. Was wir heute auch nicht mehr tun, ist die Investition in Private-Equity-Fonds Dritter. Unser Kerngeschäft sind Direktbeteiligungen und individuell auf den Bedarf des Unternehmers zugeschnittene Mezzanine-Finanzierungen. Wir sehen in beiden Bereichen erhebliches Potential und sind gut aufgestellt, um in den nächsten Monaten sowohl unsere Portfoliounternehmen als auch unsere eigene Gesellschaft erfolgreich weiterzuentwickeln.

Info

Im Oktober 2012 sind die beiden genossenschaftlichen Beteiligungsgesellschaften DZ Equity Partner und WGZ Initiativkapital zu VR Equitypartner fusioniert. Mit einem Investitionsvolumen von 570 Millionen Euro und mehr als 100 finanzierten Unternehmen verwaltet VR Equitypartner jetzt eines der größten Private-Equity- und Mezzanine-Portfolios im deutschen Mittelstand. Das Unternehmen wird von dem Ex-WGZ Initiativkapital-Chef Martin Völker und dem früheren DZEP-Chef Peter Sachse geführt.

Olivier Weddrien, langjähriger Co-Geschäftsführer von DZ Equity Partner, hat das Unternehmen im vergangenen Sommer verlassen, um gemeinsam mit dem südafrikanischen Milliardär Vincent A. Mai einen neuen Private-Equity-Fonds für den deutschen Mittelstand aufzubauen.