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Investor Lars Windhorst will bei Hertha aussteigen

Olympiastadion Berlin, Stadion von Hertha BSC
Investor Lars Windhorst will seine Anteile an Hertha BSC vollständig verkaufen. Foto: uslatar - stock.adobe.com

Die schlechten Nachrichten rund um den Investor Lars Windhorst reißen nicht ab. Nachdem erste Gerüchte bereits den Weg in die Medien machten, schrieb Windhorst am gestrigen Mittwoch in einem Beitrag auf „Facebook“, er wolle seine Zusammenarbeit mit Hertha BSC beenden und dem Hauptstadtverein seine Anteile zurückverkaufen. Windhorst ist mit Anteilen in Höhe von 374 Millionen Euro Mehrheitseigner von Hertha. Er war 2019 mit seiner Holdinggesellschaft, der Tennor Gruppe, bei dem Bundesligisten eingestiegen, 2020 hatte er seine Anteile auf 66,6 Prozent aufgestockt. Aktuell hält Tennor 64,7 Prozent an der Hertha.

Windhorst begründet seinen geplanten Ausstieg in dem Statement damit, dass der aktuelle Hertha-Präsident Kay Bernstein „erkennbar an einer vertrauensvollen und seriösen Zusammenarbeit nicht interessiert“ sei. Es gebe keine Basis und keine Perspektive mehr.

Windhorst im Clinch mit Bernstein-Vorgänger Gegenbauer

Investor Windhorst lag bereits mit Bernsteins Vorgänger Werner Gegenbauer im Clinch. Diesen, so wurde Windhorst stets nachgesagt, hatte der Hertha-Aktionär aus dem Amt haben wollen. Dieser Streit endete in einem Eklat. Laut einem Bericht der „Financial Times“ gab es den Verdacht gegen Windhorst, dass dieser eine israelische Privatdetektei engagiert habe, um eine Kampagne gegen Gegenbauer zu orchestrieren.

Die Kampagne soll unter anderem darauf abgezielt haben, gegen Gegenbauer in den sozialen Netzwerken Stimmung zu machen, um den Hertha-Präsidenten zu stürzen. Dass Gegenbauer letztlich zurücktrat, hatte die Sicherheitsfirma angeblich als ihren Erfolg verbucht.

Die Medienberichte bezüglich dieser möglichen Kampagne wies Windhorst in dem Facebook-Post allerdings als Unsinn von sich. „Statt gemeinsam mit uns an der Aufklärung zu arbeiten, hat Präsident Bernstein entschieden, sich ohne Prüfung der Beweislage den Vorverurteilungen anzuschließen“, fährt Windhorst in seinem Statement die neue Hertha-Vereinsführung an. Bernstein habe in einem Gespräch mit Windhorst als Ziel seiner Aktivitäten „den Break mit Tennor“, also Windhorsts Unternehmensgruppe, genannt.

Unter diesen Voraussetzungen sei eine weitere Zusammenarbeit zum Wohle von Hertha BSC ausgeschlossen, schrieb Windhorst. Deshalb werde er das Engagement bei Hertha beenden und dem Club offiziell anbieten, die „Mehrheits-Anteile in Höhe von 64,7 Prozent zum damaligen Kaufpreis zurückzukaufen“.

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Hertha lässt Vorwürfe durch Kanzlei prüfen

Hertha selbst wiederum erklärte in einer Stellungnahme am gestrigen Mittwochabend, dass man die durch die „Financial Times“ veröffentlichten Vorwürfe durch eine Anwaltskanzlei prüfen lasse. Mit Beginn der Amtszeit von Präsident Kay Bernstein habe es mit Blick auf die Kritikpunkte in der Vergangenheit diverse Gespräche hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen Tennor und Hertha BSC gegeben. Ein persönliches Treffen zwischen den Hertha-Funktionären und dem streitbaren Investor habe es auch am Mittwochmorgen gegeben. Was Windhorst anschließend über Facebook verbreitete, entspreche allerdings nicht dem Besprochenen und Verabredeten, stellt Hertha klar.

Laut dem „Spiegel“ hatte das Hertha-Präsidium ebenfalls am gestrigen Mittwochabend eine Sitzung abgehalten, in der das Präsidium über einen Antrag auf Vereinsausschluss von Windhorst entscheiden wolle. Auf FINANCE-Nachfrage bestätigte Hertha, dass eine „turnusmäßige“ Präsidiumssitzung stattgefunden habe, über die Ergebnisse wolle der Verein aber nichts bekanntgeben.

Aber: Selbst wenn es zum Ausschluss von Windhorst aus dem Verein kommen sollte – am Status von Tennor als Anteilseigner würde ein Ausschluss nichts ändern.

Hertha steht eine schwierige Käufersuche bevor

Die Käufersuche für die Anteile an der Hertha in Höhe von 374 Millionen Euro dürfte sich schwierig gestalten. Dass der Bundesligist Windhorsts Anteile zu dem Ursprungspreis zurückkauft, scheint unwahrscheinlich. Zumal Hertha in ihrer Mitteilung betonte, Tennor Unterstützung bei der Käufersuche in einem geordneten Investorenprozess anbieten zu wollen. Vor einem Verkauf könnten die Anteile zunächst von Gutachtern geschätzt werden, berichtet die „Bild“-Zeitung. Dass sie annähernd so hoch bewertet werden, gilt als ausgeschlossen. Für kommenden Montag ist laut Hertha ein weiteres Treffen der zerstrittenen Parteien geplant.

Lars Windhorst war zuletzt im Juli 2021 in die Schlagzeilen geraten. Damals hatte die „Financial Times“ berichtet, dass die Bankenaufsicht Bafin Anzeige gegen den Investor gestellt hatte, weil sie Unregelmäßigkeiten bei seinem Luxemburger Investmentvehikel Evergreen Funding vermutet hatte. Konkret war der Vorwurf im Raum gestanden, dass es zu illegalen Bankgeschäften gekommen sein könnte. Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte in diesem Fall Ermittlungen aufgenommen, diese dauern laut der Staatsanwaltschaft nach aktuellem Stand an.

paul.siethoff@faz-bm.de | + posts

Paul Siethoff ist Redakteur bei Finance und schreibt vorrangig über Transformations-Themen. Er hat Kommunikationswissenschaften und Journalismus in Erfurt und in Mainz studiert. Vor seiner Zeit bei FINANCE schrieb Paul Siethoff frei für die Frankfurter Rundschau für die Ressorts Wirtschaft und Politik.