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KKR springt deutschen Banken zur Seite

Der Private-Equity-Investor kauft ein Schiffsportfolio von der Norddeutschen Landesbank. Bietet KKR den deutschen Banken damit eine Lösung für ihr Schiffsschlamassel?
bon9 / iStock / Thinkstock / GettyImages

Neue Hoffnung für deutsche Banken, die ihre Schiffskredite loswerden wollen: Der Private-Equity-Investor KKR und ein namentlich nicht genannter Staatsfonds kaufen ein Schiffskreditportfolio im Nominalwert von 1,3 Milliarden Euro von der Norddeutschen Landesbank (NordLB). Der tatsächliche Kaufpreis für KKR dürfte allerdings deutlich darunter liegen, da das Portfolio auch notleidende Schiffsfinanzierungen enthält.

Die NordLB nutzt den Deal mit KKR, um ihre Bilanz aufzuräumen. Derzeit sitzen die Nordlichter auf Schiffsfinanzierungen in einem ursprünglichen Wert von 18 Milliarden Euro. Ziel sei es, den Bestand auf ein Nominalvolumen von 12 bis 14 Milliarden Euro zu senken. Die Bank wird den Investoren nach dem Verkauf weiterhin Dienstleistungen rund um das Portfolio anbieten, teilte die NordLB auf Nachfrage mit. Für KKR ist der Deal offenbar nur der Anfang. Der Investor gründet gemeinsam mit dem Staatsfonds eine Managementgesellschaft für Schiffsportfolien. Diese stehe auch anderen Banken offen, betont KKR.

HSH Nordbank und Commerzbank wollen Schiffskredite loswerden

Bei dieser Ankündigung dürften die HSH Nordbank, Commerzbank & Co aufhorchen. Zahlreiche deutsche Banken versuchen seit langem, das Volumen der von ihnen begebenen Schiffskredite zu reduzieren, um ihre Bilanzen zu entlasten. Die HSH hatte zuletzt ein Portfolio über 2,4 Milliarden Euro an die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein verkauft. Die Landesbank bereit sich damit für ihren Verkauf vor, muss dafür aber wohl noch weitere Schiffskredite loswerden. Die Commerzbank ächzt ebenfalls unter Altlasten aus der Schiffsfinanzierung, ebenso die Deutsche Bank.

Die Eigenkapitalregeln für Banken (Basel III) zwingen die Geldhäuser, Teile der Kredite mit Eigenkapital zu unterlegen. Diesen Teil nennen die Regulierer risikogewichtete Aktiva (RWA). Die Gewichtung setzt sich aus der Ausfallwahrscheinlichkeit des Emittenten (Probability of Default), der Höhe des Engagements (Exposure) und einer Verlustquote (Loss Given Default) zusammen.

Das Ausfallrisiko ist bei ganz oder zum Teil notleidenden Krediten naturgemäß sehr hoch. Damit binden diese Darlehen viel Kapital, das die Banken nicht anderweitig verwenden können. Hinzu kommt, dass die Banken wegen ihrer faulen Schiffskredite Jahr für Jahr Risikovorsorge betreiben müssen, was wiederum das durch die Niedrigzinsen ohnehin angespannte Ergebnis belastet.

KKR sieht die Kredite als Chance

Der Private-Equity-Investor KKR hat den Leveraged Buy-out bekannt gemacht. Gleichzeitig ist die New Yorker Beteiligungsgesellschaft eine der innovativsten – so investiert KKR etwa längst in Technologie-Start-ups, während die meisten deutschen Investoren sich noch nicht an das Segment trauen.

Die Transaktion entspreche „dem Ansatz von KKR, in Anlagen von Banken zu investieren, die nicht-strategisch sind oder den Renditeerwartungen nicht entsprechen, und diese zu managen“, sagt Europachef Johannes Huth. Er hofft offenbar, mehr aus den Krediten herauszuholen, als die Banken das könnten.

philipp.habdank[at]finance-magazin.de

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