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09.02.16
Deals

Private-Equity-Giganten KKR und Goldman drängen in Start-ups

PE-Investoren, die eigentlich Milliarden in Deals ausgeben, stecken ihr Geld zunehmend in kleine Technologie-Firmen. Philipp Freise von KKR und Matthias Hieber von Goldman erklären, warum.

Für Private-Equity-Investoren ist es immer schwerer, vorzeigbare Renditen zu erwirtschaften. Das treibt große Investoren nicht nur zu bislang weitgehend verpönten Investments in Mittelständler, sondern auch eine Etage tiefer: In kleine, aber rasant wachsende Tech-Unternehmen.

So etwa KKR. Die New Yorker Gesellschaft hat die schuldenfinanzierte Übernahme von milliardenschweren Industrieunternehmen und Konzernabspaltungen einst bekannt gemacht. Diese Megadeals macht der bekannteste Private-Equity-Investor der Welt zwar immer noch. Doch gleichzeitig backt KKR auch kleinere Brötchen.

„Im Growth-Equity-Bereich haben unsere Deals eine Größe zwischen 10 und 90 Millionen Euro“, sagt Philipp Freise, der bei KKR weltweit die Investments in Technologie-Wachstumsunternehmen leitet. „Wir sind also bereits in diesem Markt aktiv“, so der Deutsche, der im Londoner Büro des Investors arbeitet.

KKR will mit Arago „den IT-Betrieb revolutionieren“

In Frankfurt hat KKR 2014 eine Minderheitsbeteiligung an dem IT-Automatisierungs-Dienstleister Arago gekauft  „und hilft dem Unternehmen nun bei der weltweiten Expansion“, wie Freise berichtet. Arago steuert die Computertechnologie von Unternehmen – und ersetzt damit die Arbeit teurer Systemadministratoren. Die Firma, in die KKR 2014 kolportierte 50 bis 60 Millionen US-Dollar steckte, „hat das Potenzial, den IT-Betrieb zu revolutionieren“, glaubt Freise. Zu Umsatz und Gewinn machen KKR und Arago keine Angaben.

Mit seiner Wachstumskapitalsparte konzentriere KKR sich auf „familien- und inhabergeführte Unternehmen“, die kleiner als klassische PE-Investments seien, umreißt Partner Freise das Vorgehen seines Teams. Das Zieluniversum ist groß: „Dazu gehören insbesondere Unternehmen aus den Bereichen Tech, Medien und Gesundheitsversorgung, die bereits ein bewährtes Produkt oder eine neue Technologie entwickelt haben und oftmals als disruptive Wettbewerber agieren.“

Goldman Sachs ist an Windeln.de und Mister Spex beteiligt

Auch der Beteiligungsarm von Goldman drängt in kleine, schnell wachsende Tech-Unternehmen. So ist Goldman Sachs Merchant Banking etwa am Babybedarf-Händler Windeln.de und dem Brillenshop Mister Spex beteiligt.

Matthias Hieber leitet die Beteiligungen von Goldman im deutschsprachigen Raum. Er streitet nicht ab, dass Goldman auch deshalb flexibler investiert, weil es schwerer geworden ist, an Zielunternehmen zu kommen. „Deutschland ist ein spannender Markt, die Wirtschaftslage sehr gut“, sagt Hieber. „Der Engpass liegt eindeutig bei den Investitionsmöglichkeiten“.

florian.bamberg[at]finance-magazin.de

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