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PE-Investor Centerbridge plant Senvion-IPO

Der PE-Investor Centerbridge will den Windturbinenbauer Senvion an die Börse bringen.
Jörg Böthling/Senvion

Der Windturbinenhersteller Senvion – früher unter dem Namen „Repower“ bekannt – strebt an die Börse. Wie das Hamburger Unternehmen heute mitteilte, sollen die Aktien im Frankfurter Prime Standard notieren. Wann der Börsengang genau stattfinden soll, hängt vom Marktumfeld ab.

Senvion will mit Privatplatzierung an die Börse

Der Weg, den der Konzern an die Börse sucht, ist interessant: Zunächst soll es eine Privatplatzierung bei institutionelle Investoren geben, in deren Rahmen nur Anteile der bisherigen Eigentümer Centerbridge und Arpwood den Besitzer wechseln sollen. Senvion selbst dürfte es in einem zweiten Schritt frisches Geld zufließen, sofern sich der Privatplatzierung auch noch eine Kapitalerhöhung anschließt.

Die Blaupause für diese Art Börsengang hat in Deutschland der Autozulieferer Hella geliefert, der es so im Herbst 2014 mit Hilfe des Bankhauses Lampe an die Börse schaffte.  Der Vorzug dieser Variante ist, dass sie in einem schwierigen Kapitalmarktumfeld eine höhere Transaktionssicherheit bietet als ein klassischer IPO.

Bei dem Gang auf das Parkett agieren die Deutsche Bank, Citi und JP Morgan als Joint Global Coordinators und Joint Bookrunners. Als weitere Joint Bookrunner hat Senvion die Bank of America Merrill Lynch, Barclays, Berenberg und Morgan Stanley engagiert. Rothschild fungiert beim IPO als Senvions Finanzberater. Bloomberg zufolge könnte der Senvion-IPO ein Volumen von rund 500 Millionen Euro erreichen.

CFO Manav Sharma will Finanzierungsstruktur umbauen

Mit der Neuerschließung des Kapitalmarktzugangs will das Management neue Märkte erschließen und den Wachstumskurs von Senvion fortsetzen. An der Spitze des Unternehmens steht seit Ende letzten Jahres ein bekanntes Gesicht – der frühere Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger. CFO ist der Inder Manav Sharma, der die Position seit dem Sommer des vergangenen Jahres inne hat.

Im Kalenderjahr 2015 hat Senvion einen Pro-Forma-Umsatz von 2,1 Milliarden Euro erzielt. Die Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 7,2 Prozent. Zum Ende des Jahres 2015 verfügte das Unternehmen über liquide Mittel von rund 420 Millionen Euro, die nun dank der Perspektive eines Börsengangs für eine vorzeitige Kündigung einer ausstehenden Anleihe über 400 Millionen Euro verwendet werden sollen. Das Papier wird mit 6,625 Prozent verzinst und kann erstmalig im nächsten Jahr vorzeitig gekündigt werden. Senvion hat es erst im vergangenen Frühjahr begeben, der aktuelle Kurs liegt bei 104 Prozent.

Zudem will CFO Sharma die Zinsaufwendungen aus Kreditlinien reduzieren. Um wie viel genau, teilte das Unternehmen nicht mit.

Senvion gehört noch nicht einmal ein Jahr zu Centerbridge

Die Ankündigung des Börsengangs kommt zu diesem Zeitpunkt überraschend, schließlich befindet sich Senvion noch nicht einmal ein Jahr 2015 im Besitz des PE-Investors Centerbridge. Gemeinsam mit dem Co-Investor Arpwood hat Centerbridge rund 1 Milliarde Euro an den indischen Suzlon-Konzern gezahlt. Die Inder, die in Finanznöten steckten, standen unter Druck, zu verkaufen.

Nach einer wilden Übernahmeschlacht gegen Areva aus Frankreich hatten sie im Jahr 2007 die damalige Repower für mehr als 1,3 Milliarden Euro übernommen und später von der Börse genommen. Die Finanzkrise und die anschließende Abschwächung der Nachfrage nach Windturbinen hatten es Suzlon schwer gemacht, die auch durch die Repower-Übernahme bedingte Schuldenlast wieder auf ein solides Maß zu drücken.

Senvion wäre der zweite IPO in Deutschland in diesem Jahr und ungleich größer als die Emission des Biotechunternehmens Brain, dem Anfang Februar der Börsengang gelang. Das platzierte Volumen lag bei knapp über 30 Millionen Euro.

jakob.eich[at]finance-magazin.de

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Jakob Eich ist Redakteur der Fachzeitungen FINANCE und DerTreasurer des Fachverlags F.A.Z Business Media, bei dem er auch sein Volontariat absolviert hat. Eich ist spezialisiert auf die Themen Digitalisierung im Finanzbereich und Treasury. Durch seine Zwischenstation bei der Schwesterpublikation „Der Neue Kämmerer“ ist 1988 geborene Journalist auch versiert beim Thema Kommunalfinanzen. Erste journalistische Erfahrungen hat der gebürtige Schleswig-Holsteiner in den Wirtschaftsmedien von Gruner+Jahr sowie in der Sportredaktion der Hamburger Morgenpost gesammelt.

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