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Planinsolvenz: PE-Investor HIG Capital bei Walter Services vorerst gescheitert

Auch HIG Capital kann Walter Services nicht auf die Erfolgsspur bringen.
Walter Services

Es war eine spektakuläre Transaktion im Frühjahr 2011: Die PE-Investoren HIG Capital und Anchorage hatten die kompletten Bankverbindlichkeiten von rund 180 Millionen Euro des hoch verschuldeten Callcenterbetreibers Walter Services von IKB und LBBW aufgekauft – deutlich unter Par, für rund 20 Prozent des Nennwertes. Die Banken hatten ihr Exposure damals wegen erheblicher Covenantbrüche zum Verkauf gestellt.

Die Vorbesitzer Odewald (zuvor 40 Prozent) und Capiton kämpften, doch HIG und Anchorage setzten den Debt-to-Equity-Swap durch und drängten Odewald bis auf eine passive Restbeteiligung von 2 Prozent heraus. Odewald verlor das gesamte Investment, in das der PE-Fonds noch Eigenkapital von mehr als 16 Millionen Euro nachgeschossen hatte. Capiton ist nicht mehr beteiligt.

Walter Services: HIG Capital will noch den Turnaround schaffen

HIG-Geschäftsführer Wolfgang Biedermann sprach nach der Übernahme von fast 70 Prozent der Walter-Anteile von einem „exzellenten Beispiel für einen gelungenen De-Leverage-Buy-Out.“ Wie FINANCE erfuhr, sank die Schuldenlast von Walter Services auf Null. Das Geld für den Schuldenkauf kam aus dem Debtfonds Bayside Capital, Eigenkapital im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich schoss der PE-Investor aus dem HIG Europe-Fonds  in sein damals fünftes Investment neu ein.

War der Konzernumsatz bereits zwischen 2008 und 2010 von 227 auf weniger als 190 Millionen Euro gesunken, gelang auch dem neuen Hauptinvestor HIG mit Geschäftsführer Klaus Gumpp der Turnaround nicht. 2012 sank der Konzernumsatz, der stark an Großkunden wie der Deutschen Telekom hängt, auf unter 173 Millionen Euro. Dass der Callcenter-Markt unter Überkapazitäten leidet, war bekannt. Die angekündigte organische Restrukturierung ging bis dato schief. Vor dem Hintergrund sinkender Auftragseingänge sollen nun die Altstrukturen aufgebrochen werden. Zur Debatte stehen insbesondere die alten Telekom-Standorte. Ausländische Standorte, wie die zugekaufte Perry&Knorr, sind nicht von der Insolvenz betroffen.

Bislang hatte HIG nur den Hamburger Standort geschlossen. Unter einem neuen Management solIen nun im Schutzschirmverfahren mit der Kanzlei Brinkmann & Partner deutliche Einschnitte an den deutschen Standorten erfolgen. Zur erfolgreichen Umsetzung des Planinsolvenzverfahrens ist HIG grundsätzlich auch bereit neues Eigenkapital zur Verfügung zu stellen, sagte ein Sprecher der Beteiligungsgesellschaft zu FINANCE.

marc-christian.ollrog[at]finance-magazin.de