Future FINANCE Festival rückt KI, Leadership und Cybercrime in den Fokus

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Das Future FINANCE Festival wächst: In diesem Jahr kamen rund 400 Young Professionals aus der Finanzabteilung zusammen. Foto: F.A.Z. Business Media GmbH/Johannes Jost.
Das Future FINANCE Festival wächst: In diesem Jahr kamen rund 400 Young Professionals aus der Finanzabteilung zusammen. Foto: F.A.Z. Business Media GmbH/Johannes Jost.

Künstliche Intelligenz, neue Technologien, Cyberrisiken und wirtschaftlicher Veränderungsdruck: Die Finanzabteilungen stehen vor großen Aufgaben. Beim Future FINANCE Festival 2026 wurde deutlich, dass es dabei nicht nur um Tools und Prozesse geht. Genauso wichtig sind gute Kommunikation, Verantwortung, Vertrauen – und der Mut, Neues auszuprobieren.

Insgesamt kamen vergangenen Donnerstag rund 400 Besucherinnen und Besucher in der Kölner „Halle Tor 2“ zusammen. In Keynotes, Breakout-Sessions, beim Speed-Networking und erstmals auch in einem Live-Podcast ging es um jene Themen, die junge Finanzprofis derzeit bewegen.

Sascha Lobo: Wir können es uns nicht leisten, KI auszulassen“

Den Auftakt machte Sascha Lobo. Der Autor, Podcaster, Digitalexperte und Unternehmer sprach darüber, wie Künstliche Intelligenz die Welt verändert und was dies für Unternehmen und Finanzabteilungen bedeutet.

Lobo machte deutlich, wie rasant sich die Technologie derzeit weiterentwickelt. Unternehmen müssten KI demnach ernster nehmen und sich unentwegt mit den aktuellen Entwicklungen auseinandersetzen, um mithalten zu können. „Man braucht eine angemessene Priorität für so einen Wandel“, betonte er.

Für Deutschland sieht Lobo KI als große Chance – und als Notwendigkeit. Die wirtschaftliche Entwicklung sei zu langsam, der Digitalisierungsschub ausgeblieben. „Wir können es uns nicht leisten, KI auszulassen“, warnte er. Gleichzeitig zeigte sich Lobo optimistisch: Hierzulande gebe es KI-Tüftlertum, das man finden und fördern müsse. Young Professionals sieht Lobo dabei in der Verantwortung, sich weiterzubilden, auszuprobieren und zu lernen.

Mehr Mut zur Weiterentwicklung und Fehlern in Finance

Auch die Podiumsdiskussion „Boost Germany! Wachstum beginnt im Finance-Bereich“ griff die Frage auf, wie Deutschland wettbewerbsfähiger werden kann. Tanja Dreilich, CFO und CEO der Wieland Werke, Christian Harm, Finanzvorstand von Kion, und Eddy Henning, Firmenkunden der ING Deutschland, waren sich einig: Finance darf Veränderung nicht nur begleiten, sondern muss sie aktiv mitgestalten.

„Deutschland ist nicht am Ende, Deutschland ist an einem Wendepunkt“, zeigte sich  Dreilich überzeugt. Damit eine digitale Wende jedoch gelingt, brauche es Finanzprofis, die neben klassischem Finanzwissen auch technisches Verständnis, Business-Know-how und Gestaltungswillen mitbringen.

Die unterstrich auch Christian Harm bei der Frage, welche Fähigkeiten er bei Young Professionals für besonders wichtig halte: „Leute, die gutes technisches Verständnis haben, die Lust haben, zu gestalten und die kommunizieren und sich austauschen können.“ Letzteres sei ebenfalls essentiell für eine gute Zusammenarbeit.

Alle drei Praktiker waren sich darin einig, dass zum Ausprobieren und Erlernen der genannten Skills auch dazu gehört, Fehler zu machen. Dies sei natürlich und gehöre dazu – anders könne kein Fortschritt und keine Weiterentwicklung stattfinden. „Mut haben, Fehler zu machen, Dinge auszuprobieren und sich trauen“, ist daher der Rat, den Dreilich jungen Finanzern gibt.

Finanzabteilung im Wandel: Treasury, Investor Relations und KI

Wie bereits in den Keynotes und Diskussionen deutlich wurde, verändert sich die Rolle der Finanzfunktion spürbar. Die Breakout-Sessions, die parallel zueinander über den Tag verteilt stattfanden, griffen diesen Wandel aus unterschiedlichen Perspektiven auf – von Investor Relations in Zeiten von Disruption, Regulatorik und KI über Working Capital Management und Treasury-Strategien bis hin zu Unternehmensfinanzierung, Rohstoffförderung sowie neuen Finance-Prozessen.

Dabei wurde deutlich, dass die Finanzabteilung der Ort ist, an dem Zukunftsfragen entschieden werden. Sie muss Kapitalmarktkommunikation in unsicheren Zeiten steuern, Liquidität und Working Capital strategisch managen, Finanzierungen flexibler aufstellen und Prozesse so weiterentwickeln, dass sie mit neuen Technologien Schritt halten.

Live-Podcast mit Jens Alsleben: Leadership trifft Nerv der Young Professionals

Wie groß der Bedarf nach Orientierung beim Thema Führung ist, zeigte der erste Live-Podcast des Future FINANCE Festivals. Im Gespräch mit Moderatorin Esra Laubach sprach Coach Jens Alsleben darüber, was junge Führungskräfte heute brauchen – von Entscheidungsfähigkeit unter Druck über Teampsychologie bis hin zu stärkenbasierter Führung.

Seine Botschaft: Wer Verantwortung übernehmen will, muss sich mit sich selbst auseinandersetzen. Denn Vertrauen entsteht nicht allein durch fachliche Kompetenz. Mitarbeitende müssen auch einschätzen können, wofür eine Führungskraft steht, wie sie entscheidet und ob sie glaubwürdig handelt. Gerade Young Professionals, die früh mehr Verantwortung übernehmen, aber darauf oft nur begrenzt vorbereitet werden, fanden in dem Gespräch viele Anknüpfungspunkte.

Das bewiesen die zahlreichen Fragen aus dem Publikum. Der Austausch war so lebhaft, dass es eine Anschlusspodcastfolge geben wird, um die offenen Fragen und Themen noch einmal aufzugreifen. Für seinen Auftritt erhielt Alsleben außerdem den erstmals vergebenen Speaker-Award des Future FINANCE Festivals.

Jana Ringwald: Cybercrime ist Chefsache

Zum Abschluss sprach Jana Ringwald als Oberstaatsanwältin bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main über moderne Cyberkriminalität. Sie machte deutlich, dass Cybercrime professionell organisiert, international vernetzt und wirtschaftlich motiviert ist.

Klassische Compliance reicht aus ihrer Sicht nicht aus. Deutschland sei ein bevorzugtes Ziel von Cyber-Erpressern. Unternehmen müssten daher nicht nur sensibilisiert sein, sondern sich konkret auf Angriffe vorbereiten. „Ein Unternehmen ist nicht gut geschützt, wenn es ,aware’ ist, sondern wenn es mit dem Angriff rechnet und sich auf ihn vorbereitet“, betonte Ringwald.

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